Eine Währung für die Welt Das müssen Sie über Facebooks Digitalwährung „Libra“ wissen

Im nächsten Jahr schon soll es möglich sein, mit Facebooks Digitalwährung „Libra“ zu bezahlen. Was sie Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland bringen könnte.
03.07.2019, 21:59
Lesedauer: 5 Min
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Das müssen Sie über Facebooks Digitalwährung „Libra“ wissen
Von Eva Przybyla

Überall auf der Welt mit einer Währung zahlen – und das bequem auf dem Smartphone. Das könnte mit der digitalen Weltwährung „Libra“ ab 2020 möglich sein. So wollen es zumindest ihre Initiatoren. An prominenter Stelle ist das Facebook, mit dabei sind auch Visa, Mastercard, Paypal und 24 weitere Unternehmen. Sie bilden die Libra Association. Vor wenigen Wochen haben sie ihre neue Währung der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

Mit seinem Entwurf in einem sogenannten White Paper hat das Konsortium weltweit hohe Wellen geschlagen: Im Juli wollen die G 7-Industrieländer über die neue Währung beraten. Der Chef der US-amerikanischen Notenbank, Jerome Powell, gab an, dass man die Libra sehr genau untersuche. Bundesbank-­Präsident Jens Weidmann warnte kürzlich vor den Risiken der privaten Kryptowährung.

Viele Experten mahnen zur Vorsicht bei der digitalen Weltwährung. Einer der Hauptgründe: Sie würde keinem Staat gehören, sondern privaten Unternehmen. Und ein Staat kann Libra auch nicht verhindern. Facebook entscheidet, wann die Währung kommt. Und dass sie kommt, das gilt als sicher.

Doch was ist eigentlich neu an der verschlüsselten Währung Libra? Patrick Hansen, Blockchain-Experte beim Digitalverband Bitkom, erklärt es so: „Libra versucht, die Vorteile von digitalen Währungen zu nutzen und die Nachteile zu vermeiden.“ Die Vorteile einer digitalen Kryptowährung, die auf einer Blockchain-Technologie basiert: direkte Geldtransfers zwischen zwei Personen ohne Banken als Vermittler. Außerdem seien Überweisungen günstig und schnell. Eine Kryptowährung sei zudem unabhängig von Zentralbanken.

Libra geht noch einen Schritt weiter als Bitcoin

Das alles kann auch Bitcoin. Doch Libra geht noch einen Schritt weiter: So gäbe es bei Libra keine so heftigen Kursschwankungen wie bei der bekannten Vorgängerin, sagt Hansen. Erst im vergangenen Jahr mussten Bitcoin-Besitzer massive Verluste hinnehmen: Der Wert eines Bitcoin sank da auf 4000 Dollar. Das ist ein Fünftel seines Rekordwerts im Dezember 2017. Damals war ein Bitcoin 20 000 Dollar wert. Seine Währung Libra will Facebook vor solchen massiven Schwankungen schützen. Dafür soll das Konsortium hinter Libra den Wert der Währung in Dollar, Euro und anderen Währungen hinterlegen.

Für Verbraucher würde das bedeuten, dass sie eine stabilere Digitalwährung als Bitcoin hätten. Ein weiterer Vorteil wäre Hansen zufolge die erhöhte Transaktionsrate: Statt sieben Transaktionen pro Sekunde in dem gesamten Netzwerk wie beim Bitcoin sollen in der Währung Libra 1000 Transaktionen pro Sekunde insgesamt möglich sein. Dass Überweisungen bei der Überlastung der Transrationsrate verzögert werden, soll mit Libra nicht passieren. So könnte man unter Umständen zuverlässiger Geld überweisen als mit Bitcoin. Darüber hinaus soll es in Zukunft möglich sein, in vielen Geschäften und auf Online-Plattformen mit Libra zu zahlen. Denkbar wäre das etwa bei den Mitinitiatoren Ebay, Uber und Spotify.

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Datenschützer sind jedoch skeptisch gegenüber Libra. Denn Facebook würde mit der Währung die Möglichkeit bekommen, auch die Zahlungsdaten der Kunden zu sammeln. Im Gegensatz zur dezentralen Speicherung der Daten bei Bitcoin, so glauben Datenschützer, könnte Facebook die Daten zentral speichern. Und Facebook weitere Daten anzuvertrauen, sieht der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Ulrich Kelber, kritisch. „Ein Konzern, der über solch riesige Datenmengen verfügt, sollte nicht noch über Details unseres Zahlungsverhaltens verfügen“, sagte Kelber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Bietet Libra deutschen Verbrauchern trotzdem Vorteile? Der Bremer Wissenschaftler Lars Hornuf, Experte für Finanzdienstleistungen und -technologien, antwortet: „Praktische Vorteile bringt Libra dem Verbraucher in Deutschland vergleichsweise wenige.“ Die Banken- und die Automatendichte sei hoch in Deutschland. Mit den Bezahldiensten Sepa Instant Payment, Transferwise oder Paypal könne man auch international kostengünstig Echtzeitüberweisung vornehmen. Selbst das schnelle Überweisen an Freunde mit dem Smartphone sei bereits möglich.

Deutsche wollen nur ein Bezahlsystem benutzen

Allgemein würden Menschen in Deutschland lieber wenige oder sogar nur ein Bezahlsystem benutzen, meint Hornuf. Eine weitere Bezahl-App neben bereits existierenden Angeboten wie Apple Pay, dem Bezahldienst von Apple, könne nach seiner Ansicht die Verbraucher nur wenig begeistern. Außerdem hingen die Deutschen nach wie vor am Bargeld. Der Finanzwissenschaftler ist überzeugt: Deutsche Verbraucher würden von Libra nicht zwingend profitieren.

Thomas Mai, Finanzexperte bei der Bremer Verbraucherzentrale, meint jedoch, dass in anderen Ländern die Währung durchaus funktionieren könnte. Das Neue an Libra für ihn: Geld überweisen – unabhängig von einer Bank und dem bisherigen Geldsystem. Das wäre besonders relevant für Menschen in Ländern mit einer niedrigen Bankendichte. „Dort hat kaum jemand ein Konto, dafür jeder Zweite ein Smartphone“, erklärt Mai. Im White Paper der Libra Association ist weltweit von 1,7 Milliarden Menschen ohne Konto die Rede. Ihnen will unter anderem Facebook die Möglichkeit geben, Libra zu nutzen. Dass Facebook Menschen ohne Konto erreicht, gilt als wahrscheinlich. 2,7 Milliarden Menschen nutzen bereits die Social-Media-Plattform sowie die weiteren Dienste Messenger, Whatsapp und Instagram.

Der Finanzexperte Mai ist skeptisch, ob die Währung tatsächlich Vorteile hat und ob die Stabilität wirklich zu garantieren ist. Auch eine private Währung hänge von der Politik der Notenbanken und der Staaten ab, erklärt der Finanzexperte. Selbst bei einer Koppelung an den Dollar und den Euro könne der Wert schwanken. „Eine gewisse Skepsis und Vorsicht ist angebracht“, rät der Experte.

Die Verbraucher sind Mai zufolge misstrauisch gegenüber Datenkraken. Trotzdem würden sich viele Verbraucher für Kryptowährungen interessieren, weiß er aus seinen Beratungen: „Die Nachfrage gibt es.“

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Zur Sache

Störung bei Facebook

Facebook, Instagram und Whatsapp sind am Mittwochnachmittag von Störungen betroffen gewesen. Ein Facebook-Sprecher bestätigte Probleme beim Hochladen von Fotos und anderen Dateien in den Apps des Unternehmens. Man arbeite daran, schnellstmöglich wieder einen normalen Betrieb herzustellen. Alle drei Dienste gehören zum Facebook-Konzern.

Laut der Website allestörungen.de sind besonders Nutzer in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Benelux-Staaten betroffen. Außerdem werden Störungen an der Ostküste der USA sowie in Teilen Südeuropas und Südamerikas gemeldet. Bereits im März dieses Jahres war es zu mehrstündigen Störungen der Plattformen gekommen. Damals waren Facebook, der Chatdienst Messenger und Instagram betroffen.

Weitere Informationen

Wer mehr über Libra oder auch andere Online-Bezahldienste erfahren möchte, kann am 31. Juli das Verbrauchercafé der Bremer Verbraucherzentrale besuchen. „Handy statt Bargeld – Mobile Payment, Chance oder Risiko?“ lautet das Thema der offenen Sprechstunde. ­Interessierte können dort Experten befragen zum mobilen Bezahlen, der Technik dahinter sowie zum Datenschutz. Los geht’s um 16 Uhr im Infozentrum der Verbraucherzentrale Bremen, Altenweg 4. Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich.

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