Nutzer durch Datenklau verunsichert

Datenkrake Facebook: Nutzer sollten Schutzvorkehrungen treffen

Durch die Skandale um die vermehrten Datenpannen von Facebook sind viele Nutzer verunsichert. Die Zahl der Beschwerden hat in den letzten Monaten zugenommen. Doch die Nutzer können sich wehren.
10.10.2018, 21:08
Lesedauer: 4 Min
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Datenkrake Facebook: Nutzer sollten Schutzvorkehrungen treffen
Von Elena Matera
Datenkrake Facebook: Nutzer sollten Schutzvorkehrungen treffen

Ein Hochzeitsfoto, der Wohnort oder ein Video über die letzte Reise – es sind oft sehr private Informationen, die Nutzer bei Facebook teilen. Persönliche Daten, die dem sozialen Netzwerk blindlings anvertraut werden – bislang. Denn seit Monaten steht Facebook in der Kritik. Erst im Frühjahr geriet das Unternehmen wegen eines Datenskandals in eine Krise. Rund 87 Millionen Nutzerdaten landeten bei der britischen Firma Cambridge Analytica und sollen unzulässig für den Wahlkampf des US-Präsidenten Donald Trump genutzt worden sein.

Doch damit nicht genug. Auch ein jüngster Vorfall sorgt für Skepsis und Unmut unter den Nutzern. So wurden Ende September 50 Millionen Facebookprofile gehackt. Die Angreifer hatten eine Schwachstelle im Programmiercode entdeckt, die es ihnen möglich machte, sogenannte Token, eine Art Anmeldehilfe, zu übernehmen.

Nutzer können mithilfe solcher Token auf ihre Profile zugreifen, ohne jedes Mal ein neues Passwort eingeben zu müssen. Durch den Diebstahl dieser digitalen Schlüssel konnten die Hacker die fremden Profile nutzen. Welche Daten gestohlen wurden, ist noch nicht geklärt. Facebook hat bereits das FBI eingeschaltet und das Datenleck geschlossen. Laut der irischen Datenschutzbehörde sind in der EU zehn Prozent der Profile betroffen.

„Die Angriffe sind qualitativ höchst besorgniserregend“, sagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Er ist einer der größten Kritiker Facebooks deutschlandweit und leitete bereits mehrere Verfahren gegen das Unternehmen ein. Zuletzt hatte Caspar im Zusammenhang mit dem Datenskandal um Cambridge Analytica gegen Facebook ein Verfahren wegen „Erhebung von Daten ohne Rechtsgrund“ mit einer Bußgeldstrafe von bis zu 300.000 Euro angestrengt.

Dieses Verfahren musste er Anfang dieses Monats notgedrungen einstellen. Hauptgrund war, dass die überwiegende Zahl der Fälle zum Zeitpunkt des Verfahrens bereits verjährt und eine Verfolgung der möglichen nicht verjährten Verstöße mit den geringen personellen Kapazitäten der Behörde kaum möglich war.

„Facebook ist intransparent, sammelt Unmengen persönlicher Daten der Nutzer und sucht im Zweifel die Auseinandersetzung mit Aufsichtsbehörden“, sagt Caspar. „Die Hacker-Angriffe lassen außerdem erkennen, dass die digitale Existenz des Einzelnen auf Facebook unsicher ist.“ Eine Einschätzung, die vielen zu denken gibt. Insbesondere nach den vorgefallenen Skandalen wächst das Misstrauen gegenüber Facebook in der Bevölkerung. Immer wieder schlagen Gegner des sozialen Netzwerks Alarm.

1,47 Milliarden tägliche Nutzer

Eine Zeit lang kursierte nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica der Hashtag #deletefacebook, übersetzt #löschtfacebook im Netz. Doch trotz der Vorwürfe nutzen nach wie vor 1,47 Milliarden Menschen täglich das soziale Netzwerk. Das Unternehmen floriert, auch aufgrund der eingekauften Dienste wie Instagram und Whats­app. Facebook nimmt dadurch eine monopolartige Stellung auf dem Markt der sozialen Netzwerke ein.

Facebook ist noch immer beliebt – und das nicht ganz ohne Grund. Die Vorteile des sozialen Netzwerks sind unumstritten. Nutzer können sich weltweit vernetzen, Kontakte knüpfen, Veranstaltungen organisieren, Gruppen zusammenstellen, tagesaktuelle Nachrichten lesen, sie werden an Geburtstage erinnert und können das Leben und die Aktivitäten ihrer Facebookfreunde mitverfolgen. Auch das sogenannte Stalking der anderen Profile ist sehr beliebt und wurde bereits in wissenschaftlichen Arbeiten behandelt.

Nutzer kommunizieren neben Facebook zusätzlich mittels Whatsapp oder teilen Fotos aus ihrem Privatleben auf Instagram. Es bildet sich eine starke Netzgemeinschaft. Wer nicht dabei ist, wird nicht gesehen und fällt heraus – so zumindest die Befürchtung mancher Nutzer. Ein Verzicht auf Facebook fällt daher vielen schwer.

Wenn Nutzer Facebook und die Tochterunternehmen nutzen wollen, müssen sie dafür mit ihren persönlichen Daten bezahlen. Diese werden gesammelt und abgeglichen, dann wird gezielte Werbung geschaltet, die dann auf dem sogenannten Newsfeed erscheint. So funktioniert das Geschäft. Laut Caspar hat Facebook daher mittlerweile nicht nur eine Marktmacht, sondern gleichzeitig eine Datenmacht inne. Wem dieser Umstand bewusst ist, und wer dennoch nicht auf Facebook verzichten möchte, kann einige Maßnahmen treffen, um sich vor Datenmissbrauch zu schützen.

Caspar rät, dass Facebooknutzer zunächst die Einstellungen des eigenen Profils genau überprüfen und gezielt viele Häkchen setzen sollten. Das gelte sowohl für die Privatsphäre, für die Werbeanzeigen, als auch für das Aktivitätenprotokoll. Je weniger Personen Zugriff auf das private Profil haben, desto weniger persönliche Daten werden verbreitet und missbraucht. Auch das lässt sich einstellen.

Zahl der Beschwerden steigt

Nutzer sollten sich immer fragen: Möchte ich das jetzt wirklich posten? Will ich diese private Information auch der größeren Öffentlichkeit preisgeben? „Je sparsamer mit den eigenen Daten umgegangen wird, desto besser“, sagt Caspar. Fotos und Videos, der Beziehungsstatus, die Bekanntgabe des Wohnortes oder des Arbeitgebers werden ansonsten kontinuierlich von Facebook gesammelt. Selbst jeder Klick auf den Gefällt-mir-Button wird gespeichert. Auch hier heißt es daher: je weniger, desto besser. Nach Caspars Einschätzung sind die Menschen in den vergangenen Jahren zwar sensibler gegenüber Datenmissbrauch geworden, gleichzeitig werden die Datenschutzverstöße aber immer schwerwiegender.

Die Zahl der Beschwerden hat laut der Hamburger Behörde deutlich zugenommen. „Wir brauchen deshalb unbedingt kritische Nutzer, einen kritischen Geist und waches Bewusstsein hinsichtlich der Schutzwürdigkeit der eigenen Daten und deren Ökonomisierung durch Plattformen“, sagt Caspar.

Telegram bietet geheime Chats an

Solange Facebook die Marktmacht hat, dürfte dies schwierig sein, denn bislang fehlt noch eine richtige Alternative. Bei den Kurznachrichtendiensten sieht das schon anders aus, wie etwa Telegram zeigt. In diesem Dienst werden in sogenannten geheimen Chats private Nachrichten nur auf den Endgeräten der jeweiligen Nutzer gespeichert.

Einen ultimativen Rat hat Johannes Caspar für all diejenigen, die den Datenmissbrauch auf Facebook ganz und gar vermeiden wollen: die Abmeldung.

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