Made in Bremen: Andreas Kottisch hat seine Firma ePhilos neu erfunden / Konzerne greifen auf Software zurück Der Rastlose

Die Karriere von Andreas Kottisch ist alles, nur nicht geradlinig: Einst als Wirtschaftswissenschaftler gestartet, ist er heute Inhaber einer Bremer Softwarefirma. Mit ePhilos bedienen Kottisch und seine Mitarbeiter Kunden in der ganzen Welt. Das Erfolgsrezept des 48-Jährigen ist indes relativ simpel: Motivation und Leidenschaft bringt er nach eigenen Angaben nicht nur in seine Firma ein, sondern auch in seine Aufgaben als Politiker und Netzwerker.
15.02.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Der Rastlose
Von Maren Beneke

Die Karriere von Andreas Kottisch ist alles, nur nicht geradlinig: Einst als Wirtschaftswissenschaftler gestartet, ist er heute Inhaber einer Bremer Softwarefirma. Mit ePhilos bedienen Kottisch und seine Mitarbeiter Kunden in der ganzen Welt. Das Erfolgsrezept des 48-Jährigen ist indes relativ simpel: Motivation und Leidenschaft bringt er nach eigenen Angaben nicht nur in seine Firma ein, sondern auch in seine Aufgaben als Politiker und Netzwerker.

Unternehmer, Netzwerker, Bürgerschaftsabgeordneter – Andreas Kottisch ist umtriebig. Fragt man den 48-Jährigen, wo er den größten Teil seiner Arbeitszeit verbringt, kommt er selbst kurz ins Grübeln. „Wahrscheinlich hier, in meinem Büro im Technologiezentrum“, sagt er dann nach einem Moment. Andreas Kottisch hat in den vergangenen 20 Jahren ein Geflecht aus IT-Firmen aufgebaut – alles von Bremen aus. Mit einem dieser Unternehmen stand er ganz kurz vor dem großen Erfolg, doch dann kam ihm der Zusammenbruch der sogenannten New Economy dazwischen. Heute konzentriert er sich vor allem auf ePhilos, eine Firma, deren Software die Einkaufsprozesse seiner Kunden vereinfachen soll.

Wofür aber brauchen große Konzerne wie Nordsee, Strabag Wien, die Sparkasse Bremen oder BLG Logistics überhaupt eine eine extra Software für den Einkauf? Eigentlich könnten sie ihre Waren ja auch direkt bei den Lieferanten bestellen. „Ganz einfach“, sagt Andreas Kottisch, „weil unsere Software am Ende dafür sorgt, dass unsere Kunden ihre Prozesse optimieren und Geld sparen.“

Das Prinzip des ePhilos-Programms ComfortMarket ist einfach: Der Kunde bestimmt, wo er welche Ware einkaufen will. Die Katalog-Software von Andreas Kottisch fasst dann, individuell auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten, all die Verkäufer und ihre Produkte zusammen – vom sogenannten A-Produkt, also einer Ware, die die Dienstleistung des Kunden ausmacht, bis hin zum C-Produkt, also einer Ware, die nicht in den Produktionsprozess eingeht. Im Fall von Nordsee wären das also etwa die Fischfrikadelle als A-Produkt und die Blumendekoration für die Restaurants als C-Produkt.

Ein weiterer Vorteil ist nach Angaben des Firmeninhabers, dass alle Prozesse innerhalb eines einzigen Programms ablaufen und das gleichzeitig als Schnittstelle zu anderer Software genutzt werden kann. So kann ComfortMarket etwa anhand statistischer Daten berechnen, von welcher Kostenstelle welche und wie viele Waren einkauft werden. „Daraus ergibt sich oft Einsparpotenzial“, sagt Andreas Kottisch. Gleichzeitig könnten die erhobenen Daten die Verhandlungsposition der Kunden mit ihren Lieferanten stärken. „Wer viel bestellt, kann an der ein oder anderen Stelle oft noch nachverhandeln“, so der Unternehmer weiter. Geld verdient ePhilos aber nicht nur mit dem Verkauf der Software, sondern auch mit dem Support, über Wartungsverträge oder auch mit Kunden, die das Programm mieten.

Doch die Karriere des 48-Jährigen, der gleichzeitig wirtschaftspolitischer Sprecher der Bremer SPD-Bürgerschaftsfraktion ist, verlief nicht immer so geradlinig. Ursprünglich hatte Kottisch Wirtschaftswissenschaften studiert, er schloss mit Prädikatsexamen ab. Thema seiner Arbeit: Risikofreude. Dann kam das Angebot, zu promovieren. Andreas Kottisch wusste, dass er sich nebenbei Geld dazu verdienen musste. Da kam die Anfrage eines Freundes gerade recht: Der wollte ein IT-Unternehmen gründen und war auf der Suche nach jemandem, der betriebswirtschaftliches Know-how in die Firma einbringen konnte. Ab 1992, also lange bevor es mit der New Economy so richtig losging, sorgten die Mitarbeiter der neuen Firma BCI dafür, in Bremen eine IT-Infrastruktur und Datenfernübertragung zu installieren. „Heute undenkbar, damals war das Standard“, erinnert sich Andreas Kottisch.

Es folgten turbulente Jahre: Es wurden weitere Firmen gegründet, darunter BBN, die sich mit der Entwicklung von Webseiten auseinandersetzte und eben auch ePhilos, damals mit Schwerpunkt Lieferanten- und Vertragsmanagement. Der Geschäftspartner verließ die Gemeinschaftsunternehmen, BCI wurde an die EWE verkauft. Und dann sollte der ganz große Wurf kommen: Kottisch sicherte sich und seinen Firmen die Domain Outletshopping.de und schloss Exklusivverträge mit namhaften Unternehmen wie Black & Decker, Möve und Pelikan ab. Die Unternehmen konnten ihre Produkte über die Website verkaufen – ähnlich wie heute über Amazon. Doch dann brach der Neue Markt zusammen. „Alle gingen pleite“, erinnert sich Andreas Kottisch.

Auch für ePhilos brach eine schwere Zeit an. „Wir standen kurz vor der Insolvenz, haben immer offen und ehrlich kommuniziert, wer als nächstes gehen muss“, sagt der Geschäftsführer. Er änderte das Geschäftsmodell, am Ende musste niemand gehen. „Wir haben viel darüber diskutiert, wie es weitergeht, und uns schließlich dazu entschlossen, nicht mehr B2C (Business-to-Consumer, auf deutsch: die Handelsbeziehung zwischen Unternehmen und Privatpersonen), sondern B2B (Business-to-Business; Handelsbeziehung zwischen Unternehmen) zu machen.“ Und man wollte nur noch Software für Kunden entwickeln, die nicht wegbrechen können.

Heute arbeiten jeweils rund 20 Mitarbeiter für ePhilos und BBN in den Büroräumen in der Nähe der Universität. Beide Firmen kümmern sich neben ihrer ursprünglichen Ausrichtung heute auch um die Weiterentwicklung für mobile Endgeräte: ePhilos mit der Katalogsoftware, die mittlerweile eben auch von unterwegs abgerufen werden kann, und BBN als Programmierer beispielsweise für Spielesysteme. Ein großer Kunde in diesem Bereich ist die BMW-Gruppe.

Nach Angaben von Andreas Kottisch wachsen die Umsätze seiner Firmen derzeit um rund zehn Prozent jährlich. Und es könnte noch mehr werden: Wenn alles gut läuft, entwickeln ePhilos und BBN demnächst gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz eine intelligente Sprachsteuerung für die hauseigenen Programme. Die entsprechenden Kooperationsverträge wurden gerade erst unterzeichnet. „Unsere Software muss die natürliche Sprache verstehen“, sagt Andreas Kottisch. „Das ist unsere Zukunft.“

Als wäre das nicht genug, ist Andreas Kottisch Gesellschafter bei der Firma Bremen Briteline, die unter anderem viele große Energiekonzerne mit Übertragungstechnik und der entsprechenden Hardware ausstattet. Ganz nebenbei hat er zusammen mit Neusta-Geschäftsführer Dirk Schwampe das Business-Netzwerk i2b gegründet, Andreas Kottisch sitzt für die SPD in der Bürgerschaft und ist Familienvater.

Er steht früh auf, sagt Kottisch über sich, und geht schwimmen, wenn es die Zeit zulässt. Dazu passt die Bedeutung des Namens seiner Firma ePhilos. Philos steht für liebend und das „e“ für elektronisch. Frei übersetzt also: eine Leidenschaft für Elektronik. Und ohne Leidenschaft und Motivation kommt man in der Berufswelt nicht weit. Das weiß wahrscheinlich kaum jemand besser, als Andreas Kottisch.

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