Tipps für Instagram und Co. Die Kunst des erfolgreichen Bloggens

Wer einen Blog führt, muss Autor, Buchhalter, Fotograf und Projektmanager in einem sein. Bremer Blogger erzählen, was es dabei zu beachten gilt – und wie damit Geld verdient werden kann.
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Von Helge Hommers

Als Sandra Lachmann vor acht Jahren nach Bremen zog, war ihr nur wenig über ihren neuen Wohnort bekannt. Sie wusste etwa nicht, wo sie auf die besonderen Orte trifft, die sich von anderen abheben. Kannte keine Cafés und Restaurants, die nicht in Reiseführern gelistet werden. Sie begab sich online auf die Suche – fündig wurde sie nicht. „Es hat im Netz eine Darstellung Bremens gefehlt, die nicht nur für Touristen gedacht war“, sagt Lachmann. Damals schloss sie die Lücke selbst, indem sie das Blog „Wortkonfetti“ gründete und dort die von ihr entdeckten Orte vorstellte.

Inzwischen veröffentlicht sie die Beiträge nicht mehr nur auf ihrem Blog, der monatlich von etwa 8000 Nutzern besucht wird, sondern auch auf Instagram, wo sie mehr als 3200 Follower hat. Auch der Inhalt hat sich gewandelt: Weil sie Mutter wurde und merkte, dass es viele Orte gibt, die Bremer mit Kind nicht kennen, rückte sie diese in den Fokus. Ihre Fans – ob mit oder ohne Kind – bleiben ihr treu. Ihr Hobby hat Lachmann inzwischen zu ihrem Beruf gemacht: Sie ist selbstständige PR-Beraterin; ihr Schwerpunkt liegt auf der Betreuung von Blogs.

Der erste Blog der Welt

Das erste Blog überhaupt stammt von dem britischen Informatiker Tim Berners-Lee, der im Jahr 1990 an der Vereinfachung von weltweiten Netzwerken arbeitete. Er entwickelte eine Website, auf der sich Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern austauschen konnten, und füllte sie hin und wieder mit Neuigkeiten und Tipps. Die aktuellsten Einträge erschienen stets am Beginn der Seite, der erste Blog war geboren.

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Der Unterschied zu einer herkömmlichen Webseite ist der persönliche Inhalt. Zwar kann ein Blog optisch mit einer Webseite nahezu identisch sein, vom Inhalt her ist er jedoch intimer und ähnelt Tagebuch-Einträgen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Ein Blog ist ein Kommunikationsmedium, bei dem potenziell Millionen von Menschen die Leser sind – was es so reizvoll macht. Hier werden Gedanken und Erfahrungen ebenso wie Informationen ausgetauscht. Als Name durchgesetzt hat sich der Begriff „Blog“, der sich aus den englischen Wörtern „Web“ (Abkürzung für World Wide Web, Anm. d. Red.) und „Log“ (auf Deutsch: Logbuch) zusammensetzt, erst zur Jahrtausendwende. Von da an war es erstmals möglich, von Neuigkeiten auf einem Blog informiert zu werden, ohne dafür extra auf diesem nachschauen zu müssen.

Zu dieser Zeit fing auch Helga Henschel mit dem Bloggen an. Damals noch mit Texten über Nahrung. Inzwischen schreibt die 60-Jährige als „Trolley-Tourist“ über Reisethemen. Etwa drei Beiträge veröffentlicht sie pro Woche. „Als ich anfing, steckte Bloggen noch in den Kinderschuhen“, erzählt Henschel. Ein eigenes Blog zu führen sei heute viel einfacher. „Jeder, der ein wenig internetaffin ist, hat die Möglichkeit dazu“, sagt sie. Die Zeit, die sie durch die einfache Handhabung spart, verwendet sie für ihren Facebook-Auftritt, wo sie auf drei Profilen für „Trolley-Tourist“ wirbt.

„WordPress“ als idealer Einstieg

Das Programm, das sie zur Verwaltung des Blogs nutzt, ist „WordPress“. Es ist eines der beliebtesten auf dem Markt und gilt vor allem für Neulinge als idealer Einstieg. Technische Hürden gibt es keine, einzig eine Internetverbindung wird vorausgesetzt. Die Standard-Version „WordPress.com“ ist kostenlos. Gleich nach der Anmeldung ist das Blog nutzbar. „WordPress.org“ ist hingegen kostenpflichtig – der Preis liegt monatlich bei etwas mehr als zehn Euro. Es muss erst installiert werden, ist aber umfangreicher und das Blog dadurch wandelbarer. Zwar erfordert es mehr Aufwand, das passende Layout und die benötigten Anwendungen zu finden, doch gerade in rechtlicher Hinsicht lohnt sich die teurere Variante.

Denn anders als bei „WordPress.org“, gehört der Inhalt der Blogs bei „WordPress.com“ dem Betreiber. Dieses Modell wird „Digital Sharecropping“ genannt. Hierbei wird der Dienstleister mit einem Grundbesitzer verglichen, der einem Pächter gestattet, ein Stück seines Landes zu bewirtschaften und im Gegenzug einen Teil seiner Rechte erhält. Ändert der Pächter – in diesem Fall „WordPress.com“ – seine an den Blogger gestellten Bedingungen, indem er etwa Geld verlangt oder seine Richtlinien überarbeitet, könnte es zur Löschung des Blogs kommen und die Beiträge so verloren gehen. Erfolgt die Veröffentlichung über „WordPress.org“, ist dies nicht der Fall. „Am Anfang etwas Geld zu investieren, zahlt sich später auf jeden Fall aus“, sagt Lachmann.

Wer bloggen möchte, sollte vorab 30 Themen notieren, zu denen er etwas schreiben könnte. Bleibt die Zahl darunter, fehlt die langfristige Perspektive und der rote Faden, der ebenso wie ein kreativer Name für Wiedererkennung sorgt. „Selbst bei den besten Texten sind es die Fotos, die die Klickzahlen in die Höhe treiben“, sagt Lachmann. Wichtig sei zudem, regelmäßig neue Beiträge zu veröffentlichen. Lebenszeichen zu senden sei notwendig, um zu zeigen, dass das Blog noch existiere, sagt Lachmann. Mehrmals am Tag wäre aber übertrieben.

„Mir geht es darum, die Dinge, die ich im Beruf erlebe, zu verarbeiten“

Einer, der damit dennoch auf eine große Reichweite kommt, ist Björn Harste. Er veröffentlicht als „Shopblogger“ seit 13 Jahren pro Tag etwa acht neue Beiträge. „Mir geht es darum, die Dinge, die ich im Beruf erlebe, zu verarbeiten“, sagt der Leiter eines Supermarkts. Mit seinen teils humoristischen, teils verärgerten Arbeits-Anekdoten erreicht er täglich fast 23.000 Seitenaufrufe – und Nutzer, die ihn mit ihren Kommentaren zum Lachen bringen. „Das ist das Salz in der Suppe“, sagt der 43-Jährige. Für ihn ist es wichtig, dass ein Blogger authentisch ist. Er sollte nur wahre Geschichten erzählen, denn das würde die Leute am ehesten interessieren, sagt Harste.

Wie viele Menschen weltweit bloggen, ist schwer abzuschätzen. Allein auf „Tumblr“, eine der populärsten Plattformen, existieren mehr als 360 Millionen Blogs, von denen aber nicht mehr alle genutzt werden. In Deutschland gibt es rund 200.000 aktive Blogger. Für Bremen liegen keine genaue Zahlen vor. Lachmann schätzt, dass die Szene aus etwa 25 Personen besteht. Die sei gut vernetzt, doch im Vergleich zu Hamburg und Köln sei der Kreis überschaubar. Dies liege unter anderem daran, dass sich die Szene verlagere. „Viele wechseln zu Instagram, dort ist Bremen sehr aktiv“, sagt Lachmann. „Für Blogs wird sich weniger Zeit genommen, auch Kommentare gibt es seltener.“

Mit Facebook arbeitet sie inzwischen weniger. Dort auf das Blog hinzuweisen, lohne sich kaum, da mittlerweile durch Facebooks Auswahlverfahren, welcher Nutzer welche neuen Beiträge angezeigt bekommt, nur wenig Reichweite erzielt werde. Viele Blogger wendeten sich daher von Facebook ab. Nur auf das Blog zu vertrauen, sei aber riskant: „Das ist, als würde ich eine Party geben und niemanden einladen“, sagt Lachmann. Neben Instagram seien Pinterest oder für fachspezifische Texte auch Twitter geeignete soziale Netzwerke, wenn es darum gehe, das eigene Blog zu bewerben.

Instagram und Pinterest

Ähnliches berichtet Anna Schüler. „Gerade für jüngere Leute sind Instagram und Pinterest interessanter als etwa Facebook“, sagt sie. Die 27-Jährige erhält über ihren Blog „25undfabelhaft“, den sie seit knapp zwei Jahren zusammen mit einer Freundin betreibt, monatlich etwa 15.000 Seitenaufrufe. Auf Instagram hat sie mehr als 3000 Follower. Der hohe Austausch, den sie mit diesen führt, macht Schüler auch für Unternehmen als sogenannte Mikro-Influencerin interessant.

„Nicht die Masse ist wichtig, sondern die Zielgruppe“, sagt sie. Auf ihrem Blog behandelt sie Mode- und Lifestylethemen, gibt Deko- und Geschenktipps und baut Produkte von Kunden mit in ihre Beiträge ein – sofern die zu ihr passen. Auch über das Abgeben von Bildrechten und das Verfassen von Gastbeiträgen auf anderen Blogs verdient sie Geld. Was als Hobby begann, ist dadurch inzwischen zu ihrem Nebenberuf geworden.

Schüler ist damit aber eine Ausnahme. Kaum ein Blogger kann von seinen Einkünften leben. Doch die Anzahl derer, die Bloggen als zweite Einnahmequelle nutzen, nimmt zu. „Blogger zu sein ist aufwendig: Man ist Fotograf, Autor, Projektmanager und Buchhalter in einem“, sagt Lachmann.

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