Wer ist die Internet-Queen? Die Royals entdecken das Web 2.0

Queen Elizabeth II. nutzt nun auch Facebook. "Und?", fragen sich die Untertanen anderer Monarchen.
19.11.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Annekatrin Liebisch

Queen Elizabeth II. nutzt nun auch Facebook. "Und?", fragen sich die Untertanen anderer Monarchen.

Na endlich: Nach dem die Wettbüros schon knapp sieben Jahren Tipps entgegennahmen, wann Prinz William seine Kate heiraten würde, gab das britische Königshaus nun die Verlobung bekannt. Fast könnte man meinen, die jüngst vorgestellte Facebook-Präsenz der Royals sei nur geschaffen worden, um die gute Nachricht auf einem weiteren Kanal verbreiten zu können. Doch weit gefehlt: Die Queen - oder zumindest ihr Beraterstab - ist in Kommunikationsfragen stets up to date. Doch macht sie das schon zur Internet-Queen?

Ihre erste E-Mail, zitiert "The Sun" einen Sprecher des Buckingham Palace, habe Elizabeth II. bereits 1976 von einer Militärbasis aus gesendet. Zudem besitze die 84-Jährige ein Blackberry. Das sie darauf eigenhändig die Statusupdates tippt, gilt allerdings als recht unwahrscheinlich. Weniger abwegig mutet jedoch die Vorstellung an, dass die resolute Monarchin immer mal ein Auge darauf hat, was in ihrem Namen unter www.facebook.com/TheBritishMonarchy, twitter.com/BritishMonarchy und www.youtube.com/user/TheRoyalChannel verbreitet wird.

So wird ihr wohl nicht entgangen sein, dass ihre Profilseite auf Facebook mittlerweile über 250.000 Anhänger fand, die per Kommentarfunktion fröhlich drauflos diskutierten - und dabei gern auch ausfallend wurden. Vorzugsweise, wenn es um Elizabeths Schwiegertochter Camilla ging. Obwohl die Administratoren der Präsenz nun fleißig Beleidigungen aussortieren, werden weiterhin die Vorzüge des Mediums betont: "Es ist Teil unserer Strategie, den Leuten mithilfe sozialer Netzwerke näherzubringen, was die königliche Familie tut." Und diese Strategie verfolgt nicht nur das Oberhaupt des Commonwealth.

Die Homepage des norwegischen Königshauses erscheint auf den ersten Blick völlig unverdächtig. Ausgesprochen elegant wirkt www.kongehuset.no, mit schlichten, in hellen Farben gehaltenem Design, das durch das goldene Wappen veredelt wird. Doch das Lächeln von König Harald und Königin Sonja, die sich gemeinsam mit dem strahlenden Thronfolgerpaar Haakon und Mette-Marit ablichten ließen, birgt ein Geheimnis: Ändert der ausländische Besucher der Site die Spracheinstellung auf Norwegisch, erscheint auf der Homepage plötzlich ein Comic-Hund, der sozusagen den Eingang zu einer liebevoll gestalteten Kinderseite bewacht. Und auch der Bereich "Aktuelt" ist besser ausgestattet als sein englisches Adäquat "Current Activities": Große Schaltflächen weisen den Weg zu YouTube-, Twitter- und Facebook-Account. Letztere berichten über die Aktivitäten des "Kronprinsparet", das unter diesem Accountnamen zumindest per Tweet regelmäßig Englisch parliert beziehungsweise parlieren lässt.

Auch Königin Beatrix steht der Generation Web 2.0 aufgeschlossen gegenüber - und deren Nachwuchs. Wie der norwegische Adel bieten auch die Niederländer unter www.koninklijkhuis.nl eine Rubrik an, die Kindern das Königshaus erklärt. Diesmal richtet sich der Service jedoch auch an das englischsprachige Publikum, das zudem zur virtuellen Tour eingeladen wird. Die Kanäle bei Twitter und YouTube, die unter twitter.com/khtweets und www.youtube.com/koninklijkhuis gepflegt werden, bleiben allerdings wieder nur den Untertanen vorbehalten.

Im schwedischen Königshaus dürfte man angesichts der jüngsten Enthüllungen derzeit froh sein, dass man mit der Anschaffung eines Facebook- beziehungsweise Twitterprofils noch wartete. So konnten die vielen Bewunderer zwar nicht auf direktem Onlinewege Prinzessin Viktoria zur Hochzeit gratulieren und ihren Angetrauten Daniel in der königlichen Familie willkommen heißen, doch immerhin bleiben König Carl XVI. Gustaf nun die hämischen Kommentare zu seinen angeblichen Affären erspart, die den adelsaffinen Facebook-Usern garantiert auf der Zunge beziehungsweise in den Tasten liegen. Dennoch finden sich unter www.royalcourt.se einige optische Hinweise darauf, dass dem Kungahus die Plattform ein Begriff ist. Der "Share"-Button mit dem weißen f auf blauem Grund prangt unter den meisten Artikeln.

Die von ABBA besungene "Dancing Queen" mag also in Schweden residieren, die Internet-Queen jedoch wohnt in südlicheren Gefilden - und damit ist nicht Großbritannien gemeint. Die Nachricht, dass Elizabeth II. nun Facebook für sich entdeckte, dürfte in Jordanien nur mit einem müden Lächeln quittiert worden sein. Denn Königin Rania zeigt nicht nur auf ihrer Homepage www.queenrania.jo, dass sie vorbildlich mit den "neuen" Medien umzugehen weiß: Ob YouTube (www.youtube.com/QueenRania), Twitter (www.twitter.com/queenrania) oder Facebook (www.facebook.com/QueenRania), die engagierte Blaublüterin ist überall vertreten - und zwar bilingual. Auf Arabisch und Englisch zwitschert sie, wahrscheinlich sogar selbst. Und falls es doch nicht die 40-Jährige sein sollte, die da aus dem Fußballstadion von Barcelona textet, ist dennoch amüsant zu sehen, für wessen Updates sich eine Königin so interessiert: Al Gore, Bill Gates und Unicef stehen auf Ranias Liste, ebenso Goldie Hawn, Jamie Oliver, Shakira und Cristiano Ronaldo. Monarchen sind eben auch nur Menschen.

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