Football Manager 2019 im Test

Ein Muss für detailverliebte Fußballfans

Mit dem Football Manager 2019 von Sega können Fußballfans ihre Lieblingsvereine aus der 1. und 2. Fußball-Bundesliga selbst trainieren und managen. Wir haben das Spiel getestet.
16.11.2018, 23:48
Lesedauer: 4 Min
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Ein Muss für detailverliebte Fußballfans
Von Marlo Mintel

Paukenschlag bei Werder Bremen: Der Fußball-Bundesligist hat sich völlig überraschend von Cheftrainer Florian Kohfeldt getrennt. Sportlich brachte der 36-Jährige die Grün-Weißen wieder auf Kurs, formte aus einem Abstiegskandidaten einen Europapokalanwärter. Die Bremer haben bereits einen Nachfolger für Kohfeldt gefunden.

Keine Angst, liebe Werder-Fans. Schluss mit der Fiktion, zurück in die Realität. Florian Kohfeldt steht bei Werder auch weiterhin als Cheftrainer an der Seitenlinie. Zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden ist beim Football Manager 2019 (FM 2019) aus dem Hause Sports Interactive aber gar nicht so leicht. Das PC-Spiel brilliert mit seinem gewaltigen Detailreichtum. Die Entwickler garantieren Realismus pur.

Auf ein offizielles Fußball-Managerspiel haben Fans in Deutschland lange warten müssen. EA Sports besaß über mehrere Jahre hinweg die Bundesliga-Exklusivrechte für den deutschen Markt. 2013 stampfte der US-Videospiel-Entwickler seine beliebte Fußballmanagerreihe ein. Selbst danach gab EA seine Exklusivrechte nicht freiwillig aus der Hand – bis zum Sommer 2018. Nun hat sich Sega die nötigen Lizenzen für die 1. und 2. Bundesliga gesichert, samt Original-Mannschaftslogos, Trikots und Spielergesichtern. Laut Sega hat der FM 2019 insgesamt mehr als 2500 Vereine und 500.000 Spieler zu bieten. 116 Ligen in 51 Ländern sind in der Simulation enthalten.

Motivator oder Schleifer

Wer sich für den Football Manager 2019 entschieden hat, braucht vor allem Zeit und Geduld. Zunächst muss ein virtueller Trainer erstellt werden. Name, Alter, Lieblingsverein, Aussehen, Trainingsanzug oder Sakko: Schon vor dem eigentlichen Spielstart kann sich der Benutzer austoben. Allerdings sieht die Auflösung des Trainerprofils sehr dürftig aus. Es besteht auch die Möglichkeit, ein eigenes Foto ins Spiel einzufügen. Wir verzichten darauf, legen lieber fest, welchem Trainertyp wir entsprechen. Zur Auswahl stehen etwa Motivator, Taktikfuchs, Fußballprofessor oder Schleifer. Wir gehen als Jugendförderer ins Abenteuer Fußball-Bundesliga.

Die Saisonvorbereitung steht an. In etwas mehr als zwei Monaten ist virtuell die erste Pflichtpartie der Saison – Pokalspiel beim Regionalligisten SC Weiche Flensburg 08. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass uns noch mehrere Stunden von dieser Begegnung trennen. Das ist bei FM 2019 normal. In einem Let's Play-Video auf YouTube erklärt zum Beispiel ein Nutzer, dass er elf Stunden für die gesamte Saisonvorbereitung gebraucht hat.

In FM 2019 übernimmt der Benutzer die Rolle eines Teammanangers nach englischem Modell: Taktik und Transfers gehören zum Aufgabenbereich. Wenn wir wollen, können wir alles selbst bestimmen. Etwa die gesamte Trainingsplanung, von der Profimannschaft bis zur U19. Und das kann dauern, wenn man es penibel angeht.

Überfluss an Daten und Statistiken

Zur Begrüßung liegen E-Mails, unter anderem vom Vorstand und von Co-Trainer Tim Borowski, im Postfach. Es geht beispielsweise darum, die Saisonziele festzulegen. Wie weit soll es im Pokalwettbewerb gehen? Was ist in der Meisterschaft realistisch? Sollen weitere Testspiele vereinbart werden?

Die ersten E-Mails sind abgearbeitet. Wir verlieren auf dem Bildschirm schnell den Überblick. Die fast 20 Vereinsbereiche, die der Spieler über eine Liste am linken Bildschirmrand aufrufen kann, beinhalten weitere Unterpunkte mit zusätzlichen Daten und Statistiken.

Das Herzstück des Spiels ist eindeutig der taktische Bereich. Der Spieler kann etwa festlegen, auf welcher Höhe seine Mannschaft presst. Außerdem müssen für das eigene Team Rollen bestimmt werden. Soll sich unser Mittelfeldspieler für Pässe anbieten oder das Spiel gestalten? Orientiert er sich eher vertikal oder weicht er auf die Seiten aus? Ein Paradies für Analytiker und Taktikliebhaber.

Die Entwickler vom FM 2019 haben ihren Fokus auf den Sport gelegt. Bei der Konkurrenz von EA Sports konnte der Spieler etwa seiner virtuellen Freundin oder Frau Blumen schenken, Kinder auf die Welt bringen und Luxusgegenstände wie teure Autos oder Yachten kaufen. Bei der legendären Anstoß-Reihe von Ascaron gab es eine schwarze Kasse, die unter anderem dafür da war, Schiedsrichter zu bestechen. Es gibt auch keine Sponsorendeals, keinen Stadionausbau. Wer auf diesen Schnickschnack steht, der durchaus seinen Reiz hat, ist bei FM 2019 falsch.

Gelingt der Sensations-Coup?

Die erste Pressekonferenz naht. Wir werden der Presse als Kohfeldt-Nachfolger präsentiert. Knapp zehn Fragen müssen wir von den fünf anwesenden Journalisten beantworten. Wir heben beispielsweise hervor, wie froh wir sind, bei einem Bundesligisten wie Werder Bremen arbeiten zu dürfen. Das kommt gut bei der Presse an.

Anschließend planen wir den Sensastions-Coup, die Rückholaktion von Diego. Der mittlerweile 33 Jahre alte Brasilianer und ehemalige Werder-Regisseur spielt in seiner Heimat bei Flamengo, hat einen Marktwert von 2,8 Millionen Euro. Das Transferbudget von 4,5 Millionen Euro würde ein möglicher Wechsel nicht sprengen. Unser Angebot für Diego: drei Millionen Euro zuzüglich eines Freundschaftsspiels. Die Presse erfährt von den Verhandlungen. Im Social-Feed, aufgebaut wie eine Twitter-Timeline, träumen die ersten Fans bereits von einer Diego-Rückkehr an die Weser. Die fiktive Nutzerin Hannah Witkowski schreibt: „Angebot abgegeben! Lasst uns das durchziehen. #Diego #SVW #FLA.“

Der Traum platzt schnell. Wir können uns mit Flamengo nicht auf einen Transfer einigen. Personell unverändert geht es in die weitere Saisonvorbereitung. Nach knapp vier Stunden geben wir unser Pflichtspieldebüt – und wie. Am Ende heißt es 3:0 für die Grün-Weißen. Auch ohne Diego.

Fazit: Der Football Manager 2019 ist kein Spiel für zwischendurch. Taktikfreunde und Fußballfans, die großen Wert auf Realismus setzen, werden ihre pure Freude mit der Simulation haben. Die Detailversessenheit der Entwickler führt aber auch dazu, dass man bei der Vielzahl an Optionen schnell den Überblick verlieren kann. Der Football Manager 2019 überzeugt und ist definitiv zu empfehlen.

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