Kein Entkommen? Einen Facebook-Account zu löschen ist schwieriger, als man denkt

Mitglied wird man durch wenige Klicks - doch wie kommt man aus Facebook wieder heraus?
28.05.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Annekatrin Liebisch

Mitglied wird man durch wenige Klicks - doch wie kommt man aus Facebook wieder heraus?

Mangelhafter Schutz von Userdaten, undurchsichtige Weitergabe von Informationen und eine fragwürdige Einstellung zu Nutzerrechten - drei Gründe für Ilse Aigner, Facebook ein Ultimatum zu stellen. Falls die Datenschutzrichtlinie nicht umgehend überarbeitet werde, drohte die Bundesverbraucherschutzministerin dem sozialen Netzwerk Anfang April, wolle sie ihre Mitgliedschaft beenden. Noch ließ die CSU-Politikerin ihren Worten keine Taten folgen. Vielleicht, weil ein Sprecher des sozialen Netzwerkes kürzlich eine Vereinfachung der Datenschutz-Einstellungen ankündigte. Oder aber, weil sie möglicherweise wie viele andere Facebook-Frustrierte nicht herausfinden konnte, wie man es eigentlich bewerkstelligt, den eigenen Account zu löschen.

"Delete Facebook Account" ist der erste Vorschlag, den die amerikanische Google-Suche liefert, sobald die Buchstaben "dele" ins Suchfeld getippt wurden, fiel Mitarbeitern von "Search Engine Land" kürzlich auf. Ein Indiz dafür, dass viele Facebook-Nutzer mit der Politik ihres Netzwerks nicht zufrieden sind. Und ebenso dafür, dass die Lösung des Problems den Mitgliedern auf der Seite selbst nur schwer ersichtlich wird.

Dass sich die gesuchte Einstellung irgendwo im Bereich "Konto" verbergen muss, ist den meisten klar. Nur wo genau? Am plausibelsten erscheint "Kontoeinstellungen", wo sich tatsächlich unter "Einstellungen" die Auswahlmöglichkeit "Konto deaktivieren" findet. Doch so einfach macht es Facebook den Deserteuren nicht: "Bist du sicher, dass du dein Konto deaktivieren möchtest?" prangt über den Bildern einiger Freunde, die einen laut Meldung des Netzwerks "vermissen werden".

Wer sich vom Druck auf die Tränendrüse nicht erweichen lässt, muss nun den Grund seines "Fluchtversuchs" zu Protokoll geben: Facebook scheint nicht nützlich? Natürlich ist es das, protestiert das System per Pop-Up und listet Argumente auf. Zu viele Mails? Das lässt sich ändern! Datenschutzsorgen? Die soll der Verweis auf die Privatsphäre-Einstellungen wegwischen. - Facebook ist nicht hartnäckig. Facebook ist penetrant: Nur die Begründungen "Sonstiges" und "Ich habe noch ein weiteres Facebook-Konto" lässt es kommentarlos durchgehen. Am Ziel ist der User dann jedoch noch immer nicht: Nach all dem Zirkus erfolgt in kleinen grauen Buchstaben der Hinweis, dass man nach dem Klick auf den "Konto deaktivieren"-Button weiterhin per Mail über Veranstaltungs- und Gruppeneinladungen informiert wird, falls der User das nicht explizit untersagt. So langsam dämmert es: Deaktivieren reicht nicht. Die Nutzerdaten bleiben im System, damit sich der reuige Facebook-Flüchtling bei seiner Rückkehr nicht die Mühe machen muss, sein Profil neu anzulegen. Nächster Versuch.

So unübersichtlich, wie in Artikeln immer behauptet wird, sieht der berühmt-berüchtigte Abschnitt "Privatsphäre-Einstellungen" auf den ersten Blick gar nicht aus. Doch findet sich dort der Weg aus Facebook heraus? Nein. Aber dafür Argument um Argument, diesen schnellstmöglich entdecken zu wollen. Denn die Macher des sozialen Netzwerkes gehen prinzipiell davon aus, dass jeder Nutzer seine Informationen uneingeschränkt teilen will: Von Profilinformationen über die Statusmeldung bis hin zur Handynummer - für jedes Detail muss einzeln eingestellt werden, wer es zu sehen bekommen darf und wer nicht. Das Abarbeiten der langen Liste lohnt sich: In den meisten Punkten ist nämlich die Sichtbarkeit für "Alle" voreingestellt.

"Alle" - wer ist das eigentlich? Alle Facebook-Nutzer? Alle Welt? Im Grunde ist das mittlerweile egal: Zum einen besteht die kleine verschworene Gruppe Facebook-Nutzer inzwischen aus etwa 450 Millionen Mitgliedern, was man wohl getrost als "Alle Welt" bezeichnen kann. Zum anderen, weil es Suchmaschinen wie "Openbook" gibt, mit denen sich Statusanzeigen nach Schlagwort auflisten lassen - mit Bild und Namen des Verfassers, für Facebook-Nutzer und Fremde gleichermaßen zugänglich. Während dieses Projekt offenkundig der Aufklärung und Abschreckung dienen soll, sind die Ergebnisse von "normalen" Suchmaschinen nicht minder beängstigend: So verrät Google im Zweifelsfall jedem, der es wissen möchte, welche Filme und Bücher ein Facebooker mag und auf welchen Seiten er sich im Netzwerk herumtreibt.

Doch zurück zur Löschungsfrage, die zunehmend dringlicher wird. Um sich nicht auch noch in einer der 39 Kategorien des "Hilfebereichs" zu verlieren, ist der direkte Weg über die Suchleiste des Abteils empfehlenswert: Das Verb "löschen" führt endlich zu den erlösenden Worten: "Konten deaktivieren, löschen und in den Gedenkzustand versetzen". Am Ende des Textes, der unter der Rubrik "Ich möchte mein Konto dauerhaft löschen" geschrieben steht, verweist Facebook dezent auf einen Link, der anders anscheinend nicht zu erreichen ist: "Falls du nicht glaubst, dass du Facebook noch einmal verwenden möchtest und dein Konto löschen willst, dann können wir dies für dich tun. Bitte beachte, dass du dein Konto weder reaktivieren noch jegliche Inhalte oder Informationen, die du diesem hinzugefügt hast, wiederherstellen kannst. Falls du dein Konto löschen möchtest, klicke auf 'Senden'", meldet Facebook anschließend. Ist das nun der dauerhafte Abschied? Nicht unbedingt: Loggt sich der User innerhalb von 14 Tagen wieder ein, ist das Netzwerk gern bereit, den verlorenen Sohn oder die verlorene Tochter wieder aufzunehmen. Klingt fast nach Religionsgemeinschaft. Nur mit dem Unterschied, dass sich der Austritt aus der Kirche einfacher gestaltet.

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