Internet Facebook vereinfacht Datenschutz-Kontrolle

Palo Alto/Berlin. Nach massiver Kritik gibt das Online- Netzwerk Facebook seinen Nutzern mehr Kontrolle über ihre persönlichen Informationen. Die Mitglieder sollen einfacher und genauer bestimmen können, wer ihr Profil sowie einzelne Inhalte wie Fotos, Videos oder Mitteilungen sehen kann.
27.05.2010, 15:59
Lesedauer: 2 Min
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Palo Alto/Berlin. Nach massiver Kritik gibt das Online- Netzwerk Facebook seinen Nutzern mehr Kontrolle über ihre persönlichen Informationen. Die Mitglieder sollen einfacher und genauer bestimmen können, wer ihr Profil sowie einzelne Inhalte wie Fotos, Videos oder Mitteilungen sehen kann.

Die Umsetzung beginne sofort, dauere aber einige Wochen, kündigte das Unternehmen am Mittwoch im kalifornischen Palo Alto an. Die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) begrüßte die Ankündigung als einen «ersten Schritt in die richtige Richtung».

Die Einstellung waren zuletzt immer stärker als zu unübersichtlich kritisiert worden. Künftig sollen Änderungen mit wenigen Klicks möglich sein, betonte Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg am Donnerstagabend. Die Verbreitung auch bereits veröffentlichter Informationen wie Fotos könnten Nutzer auf einen Schlag einschränken. «Das ist eine ziemlich große Überarbeitung des Systems», sagte Zuckerberg. Das Unternehmen versprach zudem, die Einstellungen der Nutzer für alle künftigen Produkte zu übernehmen.

Auch die Programme von Drittanbietern bezieht Facebook in die Änderungen ein. Nutzer bekommen genauer angezeigt, welche Informationen diese sogenannten Applikationen erhalten - zum Beispiel die E-Mail-Adresse, Profilinformationen oder Fotos. Zudem sollen sie die Programme mit wenigen Klicks deaktivieren können. Zu den populärsten Anwendungen zählt das Spiel Farmville, dessen Betreiber Zynga wegen der Sammlung umfangreicher Nutzerdaten bereits Negativ- Schlagzeilen gemacht hatte.

Zuckerberg gestand bei der Präsentation der Neuerungen Fehler ein. Facebook habe in den vergangenen Monaten viele Dinge auf einmal geändert. «Das haben wir nicht so kommuniziert, wie wir es gekonnt hätten, vieles ging unter.» Das Unternehmen will die Privatsphäre- Einstellungen daher künftig seltener modifizieren.

Facebook beriet sich nach eigenen Angaben mit dem US-Senator Charles Schumer sowie diversen Datenschutz- und Verbraucherschutz- Organisationen. Die Ergebnisse der Gespräche hätten großen Anteil an der Umsetzung der neuen Regeln, erklärte das Unternehmen.

Datenschützer kritisieren trotz der Änderungen, dass Facebook Informationen wie Fotos nicht standardmäßig als «privat» anzeigt und damit einem größeren Nutzerkreis verschließt. «Das Herzstück von Facebook ist es, Informationen zu teilen», konterte Facebook-Manager Bret Taylor im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Wir geben Einstellungen vor, die die typische Nutzung berücksichtigen.»

So gehe Facebook mit Kontaktinformationen wie Telefonnummern sehr restriktiv um. Fotos würden dagegen auch den Kontakten der eigenen Freunde zugänglich gemacht, damit Nutzer zum Beispiel leichter ehemalige Klassenkameraden finden könnten.

Facebook war in den vergangenen Wochen nach mehreren Änderungen an seinen Datenschutz-Einstellungen massiv unter Beschuss geraten. Selbst in den USA, wo Datenschutz traditionell eine geringere Rolle spielt als in Europa, fiel der Protest von Nutzern, Politikern und Datenschützern heftig aus.

Kritiker monierten zum einen, der Betreiber dränge die Nutzer zu einem freizügigen Umgang mit ihren Daten. Zum anderen seien die Datenschutz-Einstellungen zu kompliziert und verhinderten so eine effektive Kontrolle.

Aigner hatte in den vergangenen Monaten bereits dem Internet- Riesen Google vor allem wegen dessen Straßenansichts-Dienst Street View Datenschutz-Verletzungen vorgeworfen. «Privates muss privat bleiben. Letztlich ist es der erfolgreiche Protest von Mitgliedern auf der ganzen Welt, der Facebook zum Einlenken zwingt», sagte Aigner.

Grünen-Politiker Malte Spitz kritisierte, Facebook habe «nur kleine kosmetische Eingriffe» präsentiert. Eine grundlegende Kehrtwende zu ausreichendem Datenschutz habe es nicht gegeben. (dpa)

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