Die Tricksereien der Online-Händler ‒ Vor Bestellung Versandkosten überprüfen

Fallstricke beim Weihnachtseinkauf

Bremen. Das Weihnachtsgeschäft beginnt! Die Bremer Einzelhändler in der Obernstraße und der Lloyd-Passage, die Ladenbesitzer in den Einkaufsstraßen von Delmenhorst, Scheeßel und Verden haben in den nächsten Wochen Hochkonjunktur. Bei ihnen ­kaufen die Kunden vor allem das, was man vorher anfassen, an- oder ausprobieren ­möchte.
15.11.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jürgen Hoffmann

Bremen. Das Weihnachtsgeschäft beginnt! Die Bremer Einzelhändler in der Obernstraße und der Lloyd-Passage, die Ladenbesitzer in den Einkaufsstraßen von Delmenhorst, Scheeßel und Verden haben in den nächsten Wochen Hochkonjunktur. Bei ihnen ­kaufen die Kunden vor allem das, was man vorher anfassen, an- oder ausprobieren ­möchte. Die Konkurrenten der stationären Einzelhändler sitzen im Netz – im Internet. Der Umsatz des deutschen Online-Handels wird nach Schätzungen der Hahn-Gruppe Real I.S. in diesem Jahr um etwa neun ­Prozent auf insgesamt fast 45 Milliarden Euro steigen.

Doch beim Einkaufen in virtuellen Shops gibt es Fallstricke, die Kunden die Freude verderben können. Die Verbraucherzentrale Bremen und Nelson Holzner, Chef des Zahlungsanbieters Billpay, der für rund 5000 Webshops mit etwa zehn Millionen Kunden arbeitet, erläutern die Fallstricke beim Online-Shoppen und geben Tipps, man diese sicher umgehen kann.

Gefälschte Bewertungen: 41 Prozent aller Verbraucher lassen sich beim Online-Einkauf vom Urteil anderer Konsumenten beeinflussen, so der Branchenverband Bitkom. Das wissen auch Hersteller und Händler. Folge: Nicht wenige von ihnen hübschen ihr Image auf, indem sie Konsumenten kostenlos Produkte oder sogar Bargeld anbieten, wenn diese sie im Gegenzug positiv bewerten. Außerdem werden häufig Agenturen beauftragt, reihenweise positive Bewertungen zu veröffentlichen. Hiervon betroffen ist vor allem der deutsche Marktführer Amazon, bei dem an Spitzentagen Hunderttausende einkaufen.

Wie aber lassen sich geschönte Bewertungen von echten Kundenstimmen unterscheiden? Merkmale, bei denen man auf­merksam werden sollte: Die Bewertungen werden innerhalb weniger Tage veröffentlicht und fallen sehr positiv aus. Zudem sollte man ­misstrauisch werden, wenn ein Produkt bisher bei Käufern eher durchwachsen ankam, kurz vor den ersten großen Weihnachtseinkaufswochenenden aber auffallend viele positive Bewertungen erhält – und diese auch noch im gleichen Sprachstil geschrieben sind.

Irreführende Rabattangaben: In den letzten Wochen des Jahres werben viele Online-Händler mit verlockend hohen Rabatten von 60, 70 oder sogar 80 Prozent. Blenden lassen sollten sich Verbraucher von allzu rosigen Werbeversprechen nicht. Kein Händler hat etwas zu verschenken und viele tricksen bei der Rabattangabe. So berechnen Händler häufig den Preisnachlass nicht vom tatsächlichen Marktpreis, sondern vom unverbindlichen Verkaufspreis (UVP) – einer Empfehlung des Herstellers, der in der Realität aber kaum ein Händler folgt. Um nicht auf leere Rabattversprechen hereinzufallen, sollten Verbraucher sich vor dem Kauf ein Bild vom tatsächlichen bisherigen Preis machen. Hierbei helfen Preisvergleichsportale wie Idealo.de und Foren wie Mydealz.de, in denen Konsumenten aktuelle Angebote teilen und bewerten.

Versandkosten und Zoll bei Auslandseinkäufen: Die grenzenlose Freiheit des Internets macht es möglich, mit wenigen Klicks auch Schuhe in New York oder eine Kamera in Tokio zu kaufen. Ein Fallstrick bei Web-Shops im Ausland sind oft die Versandkosten. Die können aus dem vermeintlichen Schnäppchen ein „teures Vergnügen“ machen. Zudem können vor allem bei hochpreisigen Waren (über 150 Euro), die beispielsweise aus den USA, Kanada, Neuseeland oder Japan in die Europäische Union eingeführt werden, hohe Zölle, Einfuhrumsatz- oder besondere Verbrauchssteuern anfallen.

Der Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen, Annabel Oelmann, rät: „Informieren Sie sich direkt beim Händler über dessen Bedingungen und lassen Sie sich gegebenenfalls rechtlich beraten. Zudem sollte man sich beim Zoll über die Formalitäten informieren. Beachten Sie auch, dass es für einige Waren Einfuhrverbote oder -beschränkungen gibt.“ Beispiele: Kulturgüter, Tiere sowie Pflanzen und daraus hergestellte Produkte.

Vorkasse: Der online gekaufte Pullover entspricht nicht annähernd der Beschreibung im Netz, die bestellte Hose hat ein Loch. Ärgerlich, wenn man vom Webshop-Betreiber beispielsweise durch einen Preisnachlass verführt wurde, per Vorkasse zu bezahlen. Der vermeintliche Vorteil entpuppt sich nun als Nachteil. Bekommt man sein Geld zurück? Und wann? Sicherer und gerade bei Produkten empfehlenswert, bei denen die Qualität schwankend sein kann, ist die Zahlung auf Rechnung. Sie ist bei Internet-Käufern in Deutschland die beliebteste Zahlungsform. Kein Wunder, denn dabei kann der Kunde die Ware prüfen, bevor er sie bezahlen muss. Gefällt etwas nicht, schickt man es zurück.

Um die Zahlung für Verbraucher und Onlineshops besonders sicher und reibungsfrei zu machen, gibt es spezialisierte Unternehmen, so genannte E-Payment-Dienstleister wie Billpay. Der Vorteil, wenn ein solches Unternehmen eingeschaltet ist: Der Kunde muss nur wenige Daten von sich angeben: Name, Adresse, E-Mail und Geburtsdatum. Billpay-Chef Nelson Holzer: „Für Onlineshops lohnt sich diese Abwicklungsmethode ebenfalls, denn sie entlastet ihre Buchhaltung und bietet eine Zahlungsgarantie.“

Kleingedrucktes: Viele Käufer lesen nicht das Kleingedruckte, beispielsweise den Hinweis, dass ein Probe-Abo nicht automatisch ausläuft, sondern sich verlängert. „Widerspruch ist nur innerhalb von 14 Tagen möglich“, betont Annabel Oelmann. Später nicht mehr. Es ist immer ratsam, die Angaben zu Konditionen, Gebühren oder Servicepauschalen genau zu lesen. Sonst kann es teuer werden. Guter Anhaltspunkt: Wie viele Informationen gibt der Händler von sich preis? Wichtige Orientierungspunkte: Gibt es ein aussagekräftiges Impressum? Finden sich Informationen zum Datenschutz und zu den Vertragsbedingungen?

Achtung: Lässt sich der Händler nicht bei redaktionell gepflegten Portalen finden, ist das ein klares Indiz, dass er nicht ganz sauber arbeitet. Interessenten sollten von einem Kauf bei einem solchen Anbieter absehen! Einen guten Hinweis auf die Seriosität eines Online-Shops bieten außerdem Siegel wie beispielsweise die von „Trusted Shops“, die nur geprüfte Händler führen dürfen.

Der Tipp von Annabel Oelmann: „Unter www.internet-guetesiegel.de finden Sie empfehlenswerte Gütesiegel! Ob ein Siegel von einem Online-Händler rechtmäßig verwendet wird, können Sie durch einen Klick auf das Siegel-Emblem überprüfen: Werden Sie dadurch auf die Website des Gütesiegelbetreibers weitergeleitet, ist alles okay, funktioniert das nicht, dürfte es sich um eine Fälschung handeln.“

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