Kritik Far Cry 5: Balance zwischen Action und Erzählung

In einem idyllischen Fleckchen Erde muss der Protagonist des Games Far Cry 5 einen Sektenführer festnehmen. Warum das Spiel überzeugt.
04.06.2018, 13:33
Lesedauer: 2 Min
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Von Niklas Golitschek

Hope County, Montana, USA – ein idyllischer Flecken Land mit Wiesen, Flüssen, Gebirgen und Wäldern. An diesen fiktiven Ort im amerikanischen Westen schickt Ubisoft Montreal den Spieler in „Far Cry 5“ (deutsch: Ferner Schrei). Der lediglich als Rookie benannte Protagonist hilft als Hilfs-Sheriff dabei, den Sektenführer Joseph Seed, den selbsterkorenen „Vater“, festzunehmen.

Seed hat Hope County mit seiner Familie übernommen und mit seinem religiösen Kult „Eden‘s Gate“ zahlreiche gewaltbereite Anhänger um sich geschart. Diesen unhaltbaren Zuständen soll mit der Verhaftung Seeds ein Ende gemacht werden – doch diese scheitert kläglich. Das Team der Gesetzeshüter wird gefangengenommen, nur Rookie gelingt die Flucht. Bald gerät er in Kontakt mit einer Gruppe von Widerstandskämpfern. Gemeinsam wollen sie der dubiosen Sekte ein Ende bereiten und Hope County zurückerobern.

Dystopisches Szenario

Mit diesem dystopischen Szenario trifft Ubisoft den Nerv der Zeit: Religiöser Fanatismus (in diesem Fall auf dem Christentum basierend), Meinungsfreiheit, das Recht auf Waffenbesitz, die unterschiedlichen Lebensweisen in ländlichen und urbanen Regionen. Was im ersten Moment nach einer hoch politischen Story klingt, kratzt allerdings vor allem an der Oberfläche. Intensiver lernt der Spieler lediglich die verschrobene Welt Joseph Seeds kennen, der in seiner Sprache und Ausstrahlung stark an den einstigen Sektenführer Charles Manson (1934-2017) erinnert, der Mitglieder seiner Kommune zu Morden anstiftete – unter anderem an der hochschwangeren Schauspielerin Sharon Tate.

Schade ist, dass der Protagonist immer wieder mit dieser Ideologie konfrontiert wird. Auch, weil er mehrfach in die Fänge der Sekte gerät und unter glücklichen Umständen wieder entkommt. Handlungsmöglichkeiten, die ihn auch in den Bann ziehen könnten, lassen die Macher indes nicht zu.

Klassisches Action-Abenteuer

Doch hier muss erkannt werden: Ubisoft bietet mit „Far Cry 5“ ein klassisches Action-Abenteuer, das im Aufbau den meisten Titeln des Hauses dieser Kategorie ähnelt. Der Spieler wird in einer großen, offenen Spielwelt ausgesetzt und muss die einzelnen Gebiete befreien, die von verschiedenen Bösewichten kontrolliert werden, in diesem Fall Mitgliedern des Seed-Clans.

Am Schluss kommt es zur Konfrontation mit dem Endgegner – hier: Joseph Seed. Dazwischen stehen etliche Gefechte, Nebenmissionen oder Aktivitäten wie Fallschirmspringen, Angeln, Jagen. Der Fokus liegt schlicht nicht auf inhaltlicher Tiefe. Trotz dieses repetitiven Musters, offenbar ein Erfolgsrezept, erschaffen die Entwickler erneut eine ansehnliche Welt. Zudem wagen sie sich erzählerisch, wenn auch mit Schwächen, auf erfrischend neues Terrain mit einer hervorragend inszenierten Spielwelt, der klügere Nicht-Spieler-Charaktere gut getan hätten. Der Balance-Akt zwischen Erzählung und Action gelingt dennoch.

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