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Fast ein bisschen unheimlich: Die neuen Bewegungssteuerungen

Köln (dpa/tmn) - Die Spielfigur macht alles, was der Spieler macht. Und der braucht dafür vor allem seinen eigenen Körper. Arme schwenken, springen, ducken, drehen - die neuen Steuergeräte bringen Computerspieler in Bewegung.
19.08.2010, 15:32
Lesedauer: 3 Min
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Köln (dpa/tmn) - Die Spielfigur macht alles, was der Spieler macht. Und der braucht dafür vor allem seinen eigenen Körper. Arme schwenken, springen, ducken, drehen - die neuen Steuergeräte bringen Computerspieler in Bewegung.

Anfangs kommt man sich ein bisschen albern vor. Da schaut man auf einen Bildschirm und rudert wie wild mit den Armen, lehnt sich abrupt zur Seite oder tanzt herum - wer das beobachtet, wird doch verständnislos den Kopf schütteln! Doch schon bald ist der Eindruck, den mögliche Zaungäste haben könnten, vergessen, so vertieft ist man ins Spiel. Denn die Figur gegenüber reagiert sofort, hebt den Arm, wenn der Spieler den Arm hebt, springt oder dreht sich parallel. Lustig - und im ersten Moment fast ein bisschen unheimlich. Auf der Gamescom in Köln (18. bis 22. August) können Besucher die neuen intuitiven Bewegungssteuerungen ausprobieren.

«Move» heißt sie bei Sonys Playstation 3. Eine Kamera erfasst Bewegungen und bildet sie ab. Der Spieler hält einen kabellosen Controller in der Hand, der aussieht wie ein leuchtendes Mikrofon. Musik, Sport, Action - es sind vielfach bereits bekannte Spiele, die jetzt eben auch mit «Move» funktionieren. Bei «Sing Star» zum Beispiel ist eine zusätzliche Herausforderung dazu gekommen: Nicht nur Karaoke singen ist gefragt, sondern auch Tanzen - eine kleine Figur in der Bildschirm-Ecke gibt die Bewegungen vor.

Beim Bogenschießen in «Sports Champion» muss man - wie im wirklichen Leben - erst einmal etwas üben, bis es richtig klappt. Bei «Sliders» jagt der Spieler auf einem Bürostuhl durch eine Großstadt. Neben Bewegung sind bei vielen Spielen auch Konzentration und Geschick gefragt.

Microsofts Kinect für die Xbox 360 geht noch einen Schritt weiter und bietet darum ein völlig neues Spielerlebnis: Ein Controller ist nicht nötig, der Teilnehmer spielt mit bloßen Händen und steuert das Geschehen rein durch Gestik und Körperbewegung.

Beim Autorennen «Joy Ride» etwa hält der Spieler ein unsichtbares Lenkrad und versucht die Spur zu halten. Durch heftiges Ducken, Drehen oder nach hinten biegen seines Körpers vollführt das Auto Pirouetten oder schlägt Saltos und fährt so Bonuspunkte ein. Bei einem anderen Spiel muss man sich buchstäblich zum Affen machen: Die Spieler-Bewegungen werden auf einen Gorilla übertragen, und um die Sache noch etwas lustiger zu machen, kommt auch ein tierisches Gebrüll gut an, das von einem Mikrofon aufgezeichnet wird.

Außer den Hardware-Herstellern selbst bieten natürlich auch mehrere Software-Unternehmen passende Spiele an. Electronic Arts etwa lässt einen Spieler als Harry Potter in «Die Heiligtümer des Todes» mit einem Zauberstab gegen böse Mächte kämpfen. Ubisoft hat Sportspiele aufgelegt.

Die Hersteller erhoffen sich von der neuen Technik zusätzliche Nutzer-Gruppen und setzen dabei vor allem auf Familien und Gelegenheitsspieler. Denn das Spielen ist einfach und zudem gesellig, weil bei vielen Games zwei oder mehr Teilnehmer mitmachen können.

«Die Einstiegshürde für Computerspiele wird weiter sinken», meint der Geschäftsführer des Branchenverbands BIU, Olaf Wolters. «Früher konnten quasi nur technische Experten Computerspiele machen, heutzutage können das auch die Großeltern auf der Couch, die nur noch Bewegungen nachmachen müssen.» Welches Potenzial die neuen Steuerungen tatsächlich haben, wird nach Ansicht von Wolters aber erst in zwei bis drei Jahren erkennbar sein, «wenn die Entwickler die Möglichkeit hatten, mit diesen neuen technischen Spielformen zu experimentieren».

Dass Konsolen Spieler vom Sofa holen und zur Bewegung animieren, ist grundsätzlich nicht neu. Schon 2003 konnten Playstation-Spieler per EyeToy-Kamera zum Beispiel am Fernsehschirm Fenster putzen. 2006 kam die Wii mit Bewegungssteuerung. Damit brachte Nintendo eine Revolution in den Markt. Plötzlich hatten sogar Couch-Potatoes Spaß an Computerspielen.

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