Der Informatiker Kei Ishii erklärt,warum es Cookies im Internet gibt und wie User mit ihnen umgehen können Gefahrenquelle oder netter Helfer?

Jeder weiß, dass es sie gibt, aber bei Weitem nicht jeder, was sie bedeuten. Was genau sind eigentlich Cookies?Kei Ishii: Bei Cookies handelt es sich um eine Technologie, die beim Surfen auftritt. Wenn sie eine Webseite abrufen, denken viele, sie bekommen die gewünschten Informationen und damit hat es sich.
21.07.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Gefahrenquelle oder netter Helfer?
Von Alexandra Knief

Jeder weiß, dass es sie gibt, aber bei Weitem nicht jeder, was sie bedeuten. Was genau sind eigentlich Cookies?

Kei Ishii: Bei Cookies handelt es sich um eine Technologie, die beim Surfen auftritt. Wenn sie eine Webseite abrufen, denken viele, sie bekommen die gewünschten Informationen und damit hat es sich. Das ist aber nicht ganz richtig. In der Regel sendet der Server im Hintergrund noch eine Anfrage an ihren Browser.

Was ist das für eine Anfrage?

Im Grunde ist es eine Anweisung, bestimmte Informationen – Cookies – für die jeweils besuchte Seite abzuspeichern. Cookies sind kleine Datensätze, die zusammen mit der Herkunftsadresse im Browser abgespeichert werden und für eine gewisse Zeit gespeichert bleiben. Der Inhalt dieser Daten wird dabei vom Webseiten-Anbieter bestimmt.

Was kann ein Cookie denn zum Beispiel beinhalten?

Das ist ganz unterschiedlich. Meist sind es kodierte Informationen, dessen Bedeutung man als Benutzer nicht versteht. Häufig sind es Identifikationskennzeichen, die auf alle Daten verweisen, die beim Anbieter bisher gespeichert wurden.

Warum werden diese Cookies gebraucht?

Wenn man auf einer Website mehrere Seiten hintereinander aufruft, gibt es ohne Cookies zwischen den einzelnen Aufrufen keine Beziehung. Der Server kann also verschiedene Aufrufe und Handlungen eines Nutzers auf den Seiten nicht miteinander in Beziehung setzen. Manchmal ist dies aber notwendig.

Haben Sie da ein Beispiel?

Ein gutes Beispiel ist das Online-Shopping. Der Onlineshop kann zwischen dem Aufruf der ersten „Katalogseite“ und der zweiten keinen Zusammenhang herstellen, wenn der Nutzer sich durch die Artikel klickt. Er muss aber wissen, dass es sich immer noch um denselben Kunden handelt, damit dieser zum Beispiel Sachen in den Warenkorb legen kann, die ihm dann zugeordnet werden. Alles was eine Anmeldung erfordert oder erfordert, dass dem Nutzer bestimmte Informationen immer wieder angezeigt werden – dafür sind Cookies notwendig.

Viele Menschen fürchten, dass Cookies eine Gefahr für ihren Computer sind. Stimmt das?

Nein, Cookies als solche führen keine Schadsoftware, keine Viren ein. Die einzige Gefahr der Cookies ist, dass Sitzungen „geklaut“ werden können, denn sie sind ja dazu da, dass der Online-Shop weiß, wer der Nutzer ist. Wenn jemand in der Lage ist, in den Browser einzudringen und diese Cookies zu klauen, dann kann er diese Sitzung übernehmen und von einem anderen Rechner aus das Shopping oder Online-Banking übernehmen. Diese Gefahr geht aber nicht primär von den Cookies aus und führt zu der generellen Empfehlung, den Computer immer aktuell zu halten und immer eine aktuelle Virensoftware laufen zu haben.

Wofür werden Cookies noch genutzt?

Cookies werden auch genutzt, um generell zu verfolgen, welche Webseiten ein Benutzer besucht. Auf diese Weise ist es möglich, eine Liste aller besuchten Webseiten über Jahre zu speichern und auszuwerten.

Birgt das Gefahren?

Kritisch wird das bei Drittanbieter-Cookies. Bei bisherigen Beispielen gab es nur den Nutzer und die Website. Wenn Webseiten Werbung schalten, kommt diese aber ja meist von außen. So kann eine Firma, die zum Beispiel bei Facebook Werbung macht, auch ein Cookie im Browser setzen. Es gibt Webseiten, bei denen neben dem Website-Anbieter 80 und mehr verschiedene Firmen ihre Cookies im Browser speichern.

Welchen Nutzen haben die Firmen davon?

Wenn diese Firmen auf vielen verschiedenen Websites ihre Cookies setzen, dann können sie das Surfverhalten über eine Website hinaus verfolgen und so zum Beispiel zielgerichtet Werbung schalten. Das nennt sich Tracking. Zusammengesetzt mit anderen Informationen können so auch sehr spezifische Personenprofile erstellt werden. Das alles passiert im Hintergrund ohne dass es dem Nutzer bewusst ist.

Und das kann negative Folgen für den Nutzer haben?

Datenschützer argumentieren, dass das sogar potenziell gefährlich ist. Je mehr man über einen Nutzer weiß, desto mehr kann der Nutzer auch manipuliert werden. Die Frage ist immer, wo liegt die Grenze zur Manipulation? Gegner des Datenschutzes, also meist Firmen, heben die Vorteile hervor, zum Beispiel einem Kunden günstiger Schuhe anbieten zu können, weil man weiß, dass dieser gerne Schuhe kauft. Das ganze lässt sich aber auch umdrehen: Weiß eine Firma zum Beispiel, dass Sie in einem teuren Stadtteil wohnen, kann es auch sein, dass Ihnen die Schuhe in Zukunft für den doppelten Preis angeboten werden. Je mehr man in der Lage ist, bestimmte Informationen in Beziehung zu setzen, desto mehr weiß man über den Nutzer und desto mehr kann er manipuliert werden.

Das ist natürlich nicht so schön.

Es geht noch schlimmer. Zum Beispiel könnten Banken oder Versicherungen bestimmte im Internet gesammelte Informationen kaufen, um sich über den Nutzer zu informieren, bevor ein Vertrag abgeschlossen wird. Sie wollen eine Versicherung und die Versicherung zieht für die letzten Jahre Informationen darüber, was sie eingekauft haben, wo sie gewohnt haben, wo sie im Urlaub waren, was für Kredite sie aufgenommen haben und kann sie als Kunden ablehnen. Das ganze System Internet ist ein großes Datensammelsystem und auch Cookies spielen dabei eine Rolle.

Das heißt, der Nutzer sollte am besten alle Cookies von vorn herein verbieten?

Nein. Am sinnvollsten ist es, Cookies in den Browsereinstellungen bewusst zu verwalten. Das funktioniert je nach Browser etwas unterschiedlich und macht auch ein bisschen Arbeit. Am wenigsten Arbeit macht es im Browser einzustellen, dass Cookies regelmäßig automatisch gelöscht werden. Allerdings muss der Nutzer sich dann bei seinem nächsten Besuch auf allen Seiten neu einloggen.

Wenn ich aber will, dass Cookies auf meinen „Lieblingsseiten“ erhalten bleiben?

Die meisten Browser erlauben es in die Liste der vorhandenen Cookies zu gehen und festzulegen, für welche Seiten Cookies dauerhaft gespeichert werden sollen. So können die Infos auf dem „Lieblingsseiten“ der Nutzer erhalten werden. Außerdem bieten alle Browser inzwischen einen „Privaten Modus“. Hierbei werden alle Cookies beim Schließen der Seite gelöscht. Dieser Modus empfiehlt sich bei sensiblen Themen, allem voran dem Online-Banking. Außerdem soll zum Beispiel sicher auch nicht jeder wissen, über welche Krankheiten sie sich informiert haben oder in welcher Größe Sie Unterhosen gekauft haben. Welche Einstellung der Nutzer auch vornimmt, es ist zumindest wichtig, dass er sich mit dem Thema einmal auseinandergesetzt hat.

Dieses Interview führte Alexandra Knief.

Zur Person

Dr. Kei Ishii ist Projektleiter von „Verbraucher sicher online“, einem Angebot der Technischen Universität Berlin. Ziel der Seite ist es, Verbraucher über die sichere Internetnutzung und den sicheren Umgang mit Computern zu informieren. Ein wichtiges Thema sind dabei Cookies.
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