Videospiel-Kritik God of War: Ein Gott zieht um

Nach 13 Jahren in der altgriechischen Mythologie wagen die Santa Monica Studios mit "God of War" einen Neuanfang der Serie in der nordischen Mythologie. Kann das neue Kratos-Abenteuer überzeugen?
15.06.2018, 16:28
Lesedauer: 2 Min
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Von Niklas Golitschek

Kratos, der einstige Kriegsgott, hat genug vom Olymp. Nach seinen Rachefeldzügen gegen verschiedene Götter der griechischen Mythologie hat sich die Kultfigur im neuen, exklusiv für die Playstation 4 erschienenem "God War" in den Norden abgesetzt. Bereits vorab hatten die Entwickler der Santa Monica Studios angekündigt, die Serie nach rund 13 Jahren komplett neu ausrichten zu wollen und verzichteten wohl auch deswegen auf eine fortlaufende Nummerierung oder einen Namenszusatz.

Seit dem Ende von "God of War 3" sind einige Jahre verstrichen, Kratos – auch bekannt als der "Götterschlächter" – hat seine legendären Chaosklingen begraben und eine Familie gegründet. Das Spiel beginnt mit dem – leider ungeklärten – Tod seiner Frau Faye. In dessen Folge bleibt Kratos, nun mit der Leviathanaxt seiner Frau ausgerüstet, alleine mit Sohn Atreus zurück. Fayes letzter Wunsch war, dass ihre Asche vom höchsten Gipfel verstreut wird. Diesen zu erfüllen, ist das Hauptziel des Spiels.

Damit beginnen auch schon die Probleme: Selbst fürs Jagen hält Kratos den jungen, überschwänglichen Atreus noch zu jung. Und als ein Fremder mit ebenfalls göttlichen Kräften die beiden heimsucht, ist klar, dass die Reise keine einfache werden wird. Die Götter der nordischen Mythologie haben von Kratos' Rachefeldzügen im antiken Griechenland mitbekommen und fürchten nun den Ragnarök – den Untergang der Götter. Entsprechend unwillkommen sind die beiden und sollen ausgeschaltet werden.

Eben diesen Weg haben die Entwickler liebevoll gezeichnet. Fast nebenbei schwingt sich die Vater-Sohn-Beziehung zu einem immer elementareren Teil der Geschichte auf. Standen die Vorgänger-Teile noch unter dem Motto der Intrigen und Listen, spielen nun Geheimnisse und Aufrichtigkeit eine große Rolle. Auf der Suche nach dem höchsten Gipfel erkunden die beiden grandios inszenierte Schauplätze wie Midgard, Helheim oder Jötunheim. Die Bosskämpfe sind zwar nicht mehr so imposant wie in den Vorgängern. Auch die redundanten Kämpfe gegen Trolle entsprechen eigentlich nicht der Qualität der Reihe. Insgesamt bleibt das Kampfsystem aber trotz kleinerer Schwächen, etwa durch den Perspektivwechsel in die dritte Person, stimmig. Rätsel, die die Spielwelt klug mit einbeziehen, runden das Abenteur ab.

Der flüssige Übergang zwischen Spielgeschehen und Zwischensequenzen, teilweise verknüpft mit Quick-Time-Events, schafft eine gelungene Mischung aus starker Erzählung und interaktivem Erlebnis. Ärgerlich ist allerdings, dass zum Ende hin Atreus Tonspur teils zu leise wird und er dadurch kaum verständlich ist. Dennoch schaffen die Entwickler mit einem meist ruhigen und zurückhaltenden Soundtrack eine Atmosphäre, die bislang nur wenige Titel erzeugen konnten.

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