China Google versucht in China den Spagat

Peking/Mountain View. Knickt Google im Streit mit der chinesischen Regierung ein, um sein Geschäft zu retten? Der Konzern sagt nein. Es bleibe dabei, dass Google seinen Prinzipien treu bleibe und seine Internetsuche nicht zensiere.
29.06.2010, 23:12
Lesedauer: 2 Min
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Peking/Mountain View. Knickt Google im Streit mit der chinesischen Regierung ein, um sein Geschäft zu retten? Der Konzern sagt nein. Es bleibe dabei, dass Google seinen Prinzipien treu bleibe und seine Internetsuche nicht zensiere.

Doch das jüngste Zugeständnis an die Behörden in Peking zeigt, wie die Weiterführung der Geschäfte in dem lukrativen Markt den Internetkonzern zum Spagat zwingt.

An diesem Mittwoch muss Google wie jedes Jahr seine Lizenz zum Betreiben der Suchmaschine erneuern. Doch die Fronten scheinen verhärtet, google.cn droht die Schließung. Die automatische Weiterleitung an die unzensierten Server in Hongkong ist der chinesischen Regierung schon lange ein Dorn im Auge.

«Wir als Unternehmen streben danach, Nutzern überall Informationen zugänglich zu machen - auch in China», erklärte Chefjustiziar David Drummond. Am Dienstag stellte er in letzter Minute einen Kompromiss vor.

Die chinesischen Nutzer gelangen nicht mehr wie bisher automatisch auf die unzensierte Google-Seite in Hongkong, sondern müssen aktiv auf einen Link klicken. «Wir wissen aus Gesprächen mit chinesischen Offiziellen, dass sie die Weiterleitung inakzeptabel finden», sagte Drummond. Mit dem Trick hofft Google, die Behörden zu besänftigen. «Sonst würde Google tatsächlich der Stecker gezogen.»

Das Fass zum Überlaufen brachte vor einem Jahr ein Hackerangriff auf die Server von Google und andere US-Unternehmen. Dabei waren nicht nur Firmengeheimnisse gestohlen worden. Die Angreifer, denen Verbindungen zur Regierung in Peking nachgesagt werden, hatten auch versucht, in die E-Mail-Konten von chinesischen Dissidenten einzudringen. China bestritt vehement, daran beteiligt gewesen zu sein.

Dennoch drohte Google damals mit dem Abzug aus dem Reich der Mitte und zeigte sich bereit, für die Meinungsfreiheit auch kommerzielle Nachteile in Kauf zu nehmen. Besonders kompromisslos äußerte sich Google-Mitgründer Sergej Brin. Er warf der Führung in Peking totalitäres Verhalten vor und zog Parallelen zu seiner alten Heimat, der Sowjetunion, aus der er 1979 im Alter von sechs Jahren in die USA übersiedelte.

Der jüngste Kompromiss wirkt auf den ersten Blick harmlos, wirft aber auch die Frage auf, wie weit Google gehen würde, um im Milliardenmarkt China zu bleiben.

Die chinesische Regierung hielt sich zu Googles spätem Entgegenkommen bedeckt. Ein Sprecher des Außenministeriums wiederholte am Dienstag lediglich die altbekannte Formel, dass ausländische Unternehmen sich an die Gesetze des Landes halten müssten.

Chefjustiziar Drummond hofft, dass der Balanceakt gelingt und Google endlich aus der Zwickmühle zwischen Geschäftsinteressen und der Wahrung der eigenen Glaubwürdigkeit herauskommt: «Die neue Herangehensweise steht im Einklang mit unserer Zusage, uns nicht selbst zu zensieren - und, so glauben wir, mit den örtlichen Gesetzen.» (dpa)

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