Wie sicher ist das Web? Immer mehr Hacker schlagen zu

Lieber ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende?
22.01.2010, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Cindy Baumgart

Lieber ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende?

Mitte Dezember waren Google und 30 weitere Firmen sowie der Online-Dienst Twitter von Hacker-Angriffen betroffen. Zuletzt attackierten Unbekannte die chinesische Suchmaschine Baidu und ein weiteres US-Unternehmen, das beim US-Verteidigungsministerium unter Vertrag steht. Über die Drahtzieher werden meist nur Vermutungen angestellt. Nun wird vielerseits Hilfe versprochen - doch was tun, bis sie da ist?

Nach den Hackerangriffen will Google Konsequenzen ziehen: Der Internetriese droht mit einem Rückzug aus dem boomenden China, nachdem er vor vier Jahren dort auf den Markt ging. Google ist nach eigenen Angaben nicht weiter zur Selbstzensur und die chinesische Regierung nicht zu Kompromissen bereit. Man werde für Google keine Ausnahme machen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Es wurden dennoch Gespräche zwischen beiden Parteien aufgenommen.

Unterstützt wird Googles Vorhaben weiterhin von der amerikanischen Regierung, wie US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte. Auch Yahoo, ein Google-Konkurrent, stellt sich hinter den Konzern und kritisiert zudem jegliche Versuche, durch Eindringen in fremde Unternehmensnetze an Benutzerinformationen zu gelangen.

Der Rückzug aus dem bevölkerungsreichsten Land der Welt steht zwar noch nicht hundertprozentig fest, doch in der Zwischenzeit soll Google untersuchen, ob seine chinesischen Mitarbeiter an dem Angriff beteiligt waren. Chinas Regierung weist unterdessen alle Anschuldigungen von sich, dass der Angriff aus ihrem Land kam. Laut einer Sprecherin des Außenministeriums verbiete das chinesische Recht schließlich Hackerangriffe.

Und das nicht grundlos: Das chinesische Unternehmen Baidu, Googles größer Konkurrent in China mit 63 Prozent Marktanteil (Google verfügt über 33 Prozent), wurde vor Kurzem ebenfalls von Hackern angegriffen. Die selbst ernannte "Iranische Cyber-Armee" blockierte die Seite der Suchmaschine für mehrere Stunden. Das Unternehmen verklagt nun register.com, seinen Domain-Verwalter, wegen "grober Nachlässigkeit". Chinesischen Medien zufolge ist die Schadensersatzklage gegen den amerikanischen Webhoster bereits in New York vor Gericht eingegangen.

Wer die Drahtzieher dieser Attacke sind, ist genauso unklar wie im Fall Google. Sicher ist aber, dass es dieselben Hacker sind, die Mitte Dezember bereits Twitter angriffen. Denn in beiden Fällen war nach Aufruf der jeweiligen Homepage anstatt der Startseite eine Nachricht der "Iranischen Cyber-Armee" zu sehen. Die iranische Botschaft in Peking verurteilte im chinesischen Staatsfernsehen den Vorfall. Es gebe keine Verbindungen zwischen den Hackern und Irans Regierung.

Ein Großteil der momentanen Angriffe konnte durch eine Sicherheitslücke im Internet Explorer geschehen. Diese Woche soll nun ein Emergency Patch veröffentlicht werden, um die Lücke zu schließen. Die größte Gefährdung besteht laut McAfee-Sicherheitsexperte George Kurtz für Systeme, die Windows XP kombiniert mit dem Internet Explorer 6 nutzen. Bis es ein Update für das Sicherheitsleck gibt, empfiehlt der Hersteller Microsoft, den Internet Explorer 8 zu nutzen. Zudem haben Antivirenhersteller Signaturen zur Verfügung gestellt, die die Programme erkennen, die die Sicherheitslücken ausnutzen um beispielsweise Internetserver lahmzulegen.

Eine weitere Gefahr droht allerdings durch manipulierte PDF-Dateien. Eine seit Kurzem bekannte Schwachstelle im Adobe Reader ermöglicht die Einrichtung einer Fernsteuerung auf Windows-PCs - ein solches Hintertürchen wurde unter anderem bei einer Firma installiert, die unter Vertrag des US-Verteidigungsministeriums steht. In diesem Fall gibt es jedoch Entwarnung und ein Fünkchen Hoffnung auf Besserung, denn Adobe gab für seinen kostenlosen Reader ein Update heraus, das eben diese Lücke schließt.

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