Test zu Star Wars Jedi: Fallen Order

Endlich mal wieder ein gutes Star-Wars-Spiel

Videospiele und Star Wars waren bislang oft ein Missverständnis. Kann "Star Wars Jedi: Fallen Order" die große Lizenz besser nutzen als so viele seiner Vorgänger?
17.11.2019, 13:25
Lesedauer: 4 Min
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Endlich mal wieder ein gutes Star-Wars-Spiel
Von Patrick Reichelt
Endlich mal wieder ein gutes Star-Wars-Spiel

Star Wars Jedi: Fallen Order ist ein gutes Spiel geworden.

Electronic Arts

Star Wars und Videospiele – bis auf wenige Ausnahmen war das immer eine Hassliebe oder ein Missverständnis. Gerade im Genre Action Adventure sind gute Titel rar gesät (Jedi Academy, 2003) oder schlecht umgesetzt (The Force Unleashed, 2008). Der Hunger der Fans nach einem guten Singleplayer-Spiel im Star-Wars-Universum war also entsprechend groß. Kann "Star Wars Jedi: Fallen Order" die große Lizenz besser nutzen also so viele seiner Vorgänger?

Entwickelt wurde Fallen Order von Respawn Entertainment, dem Team hinter der beliebten Titanfall-Serie und dem Multiplayer-Hit Apex Legends. Bereits die Kampagne in den Titanfall-Spielen war abwechslungsreich und überzeugte durch gelungenes Leveldesign – hier waren also echte Spezialisten am Werk.

Die Geschichte

Kurz nach Episode 3: Die Rache der Sith: Der Jedi-Orden wurde zerstört und fast alle Jedi vernichtet. Der junge Padawan Cal Kestis ist einer der letzten seiner Art und versucht sich als Schrottsammler getarnt vor dem Imperium zu verstecken. Doch seine Tarnung fliegt auf...

In der Eröffnungsszene wird Cal in letzter Sekunde von der ehemaligen Jedi-Meisterin Cere Junda gerettet. Zusammen mit Geez, einem vierarmigen Piloten, auf den ein Kopfgeld ausgesetzt ist, versuchen sie den Jedi Orden wieder aufzubauen und die verbliebenen Padawan zu finden.

Der Spieler schlüpft in die Rolle des Padawans Cal Kestis, der stets von dem Droiden BD-1 begleitet wird.

Der Spieler schlüpft in die Rolle des Padawans Cal Kestis, der stets von dem Droiden BD-1 begleitet wird.

Foto: Electronic Arts

Ja, das alles kommt einem irgendwie bekannt vor. Fallen Order setzt eher auf bewährtes, als etwas zu riskieren. Die einzelnen Charaktere sind teilweise Versatzstücke aus der Film-Saga und eröffnen wenig neue Horizonte. Hier wollten die Entwickler auf Nummer sich gehen – und nicht Schiffbruch erleiden, wie Regisseur Rian Johnson mit Star Wars: Die letzten Jedi aus dem Jahr 2017. Das Spiel erzählt im Großen und Ganzen eine solide Geschichte, mit einigen dramatischen Wendungen, der ganz große Wurf gelingt aber nicht.

Das Gameplay

Ähnlich sieht es beim Gameplay aus: Es wird nicht viel riskiert und auf bereits erprobte Mechaniken zurückgegriffen. Das Klettern fühlt sich an wie bei Uncharted oder Tomb Raider, der Schwierigkeitsgrad erinnert zuweilen an Dark Souls und das Herzstück - die Lichtschwerkämpfe – nehmen Anleihen an God of War aus dem vergangenen Jahr.

Lieber kopiert, als schlecht selbst gemacht: Die Lichtschwertkämpfe sind toll inszeniert. Einige Gegner sind mit nur einem Schlag erledigt, wodurch sich die Waffe mächtig anfühlt, andere benötigen besondere Moves und Techniken. Beim Blocken, Angreifen oder Ausweichen kommt es vor allem auf die Taktik und Präzision an, denn jeder neue Feind hat seine eigenen Angriffsmuster. In bester Action-Adventure-Manier gibt es für erledigte Gegner XP-Punkte. Hat man genug, gibt es einen Erfahrungspunkt, der sich in neue Kampftechniken, mehr Leben oder Machtfertigkeiten investieren lässt.

Auf dem hohen Schwierigkeitsgrad sind die Kämpfe herausfordernd.

Auf dem hohen Schwierigkeitsgrad sind die Kämpfe herausfordernd.

Foto: Electronic Arts

Als eine Art Kommandozentrale dient uns dabei das Schiff von Geez, in dem wir etwa unser Lichtschwert anpassen können. Von der Legierung über die Lichtschwertfarbe bis zum Schaft – die Jediwaffe lässt sich komplett personalisieren, sofern man die benötigten Teile in der Spielwelt gefunden hat. Außerdem können wir auf dem Schiff unser nächstes Ziel bestimmen. Im Verlaufe des Spiels bereisen wir fünf große Welten und zwei kleinere. Ständiger Begleiter ist dabei der kleine Droide BD-1, der uns mit Medipacks versorgt, Terminals hackt, die Karte anzeigt – und zu unserem besten Freund wird.

Ob alte Schiffsruinen aus den Klonkriegen, modrige Sumpfgebiete mit gefährlichen Kreaturen oder die großen, dunklen Hallen des Imperiums – die Levels in Fallen Order sind abwechslungsreich und zum großen Teil frei erkundbar. Es ist dieser Kontrast, den schon die Filme ausgemacht haben, und den auch Fallen Order gekonnt inszeniert: Auf der einen Seite die militaristische Sterilität des Imperiums – auf der anderen die zahlreichen Planeten mit ihren gefährlichen aber auch liebenswürdigen Kreaturen und Bewohnern.

Mithilfe der Karte von BD-1 behalten wir in den Levels stets den Überblick. Der ist auch bitter nötig: Die Welten haben oft mehrere ineinander verschachtelte Ebenen, es gibt Abkürzungen, Geheimbereiche oder kleinere Bossgegner. Lernt man im Verlauf der Geschichte neue Fähigkeiten, so eröffnen sich neue Areale, weshalb sich eine Rückkehr zu bereits besuchten Orten lohnt.

Der junge Padawan Cal auf einem AT-AT.

Der junge Padawan Cal auf einem AT-AT.

Foto: Electronic Arts

Grafik und Sound

Die verschiedenen Welten in Fallen Order sehen fantastisch aus und wurden mit viel Liebe zum Detail designt. Auch bei der ausdrucksstarken Mimik in den Gesichtern der Protagonisten hat Respawn Entertainment viel richtig gemacht. Auf der Playstation 4 kommt es zu gelegentlichen Rucklern, besonders, wenn ein neues Areal betreten wird. Das ist, wie die eine oder andere hakelige Animation, zwar nervig, tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch. Etwas mehr Feintuning hätte dem Spiel trotzdem gutgetan.

Die deutschen Synchronsprecher erledigen ihren Job sehr gut, wer mag, kann das Spiel auch auf Englisch spielen. Die Soundkulisse ist schlicht und ergreifend atemberaubend: Es zischt, surrt, knarzt und knallt – und das alles untermalt von der klassischen Star-Wars-Musik von John Williams.

Fazit

Endlich mal wieder ein gelungenes Star-Wars-Spiel! Die Entwickler bedienen sich zwar bei Story und Gameplay einiger Versatzstücke, doch sie verweben diese Elemente gekonnt mit dem Star-Wars-Universum. Herausgekommen ist ein spaßiges Action Adventure, das mitunter sogar fordernd ist – und seinen berechtigten Platz in dieser weit, weit entfernten Galaxie hat.

Bewertung

Story: 5/7

Grafik: 6/7

Ton: 7/7

Steuerung: 6/7

"Star Wars Jedi: Fallen Order" ist verfügbar für PC, PS4 und Xbox One.

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