Vertrauen ist gut, Kontrolle besser Mit Hightech gegen den inneren Schweinehund: die neuesten Fitness-Spiele im Test

Volle Körperkontrolle: Die Hersteller von Fitnessspielen setzen auf die neuen Bewegungssteuerungen von PlayStation3 und Xbox 360.
19.11.2010, 00:00
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Von Gerd Hilber

Volle Körperkontrolle: Die Hersteller von Fitnessspielen setzen auf die neuen Bewegungssteuerungen von PlayStation3 und Xbox 360.

Wer bislang zum virtuellen Fitness-Programm griff, um überflüssige Pfunde loszuwerden, musste viel guten Willen beweisen. Schließlich konnte die Spielekonsole im Wohnzimmer nur schlecht überprüfen, ob man wie verlangt auch wirklich alle 20 Kniebeugen geleistet hat - oder bereits nach der fünften zurück auf die Couch sackte. Doch nun steht der innere Schweinehund Hightech-Gegnern gegenüber: Kamera-Augen, die alles sehen. Controller, die alles spüren. Move und Kinect heißen die neuen Steuerungsarten für PlayStation3 und Xbox 360, die sämtliche Bewegungen des Spielers erkennen und auf den Bildschirm übertragen. Und jene jüngst veröffentlichten Spiele, die diese Systeme unterstützen, wurden offenbar nach dem Motto programmiert: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.

"Your Shape: Fitness Evolved" (Ubisoft, Xbox 360, ca. 60 Euro) ist sicherlich der ambitionierteste Vertreter einer ganzen Schar von neuen virtuellen Workouts. Microsofts Kinect-Kamera scannt zunächst den gesamten Körper des Probanden und misst dabei sogar Schulterbreite, Hüfthöhe, Arm- und Beinlänge. Warum? Um bei den anschließenden Leibesübungen gnadenlos urteilen zu können. "Hebe deine Knie höher" heißt es dann. "Strecke die Arme!" Maßregelung durch einen Computer - eine seltsame Erfahrung. Schlimmer noch: Er hat Recht! Die Erfassung der Bewegungen funktioniert ausgesprochen gut. Schummeln geht nicht. Das zeigt sich schon beim Einstiegs-Fitnesstest und erstreckt sich über unsauber ausgeführte Yoga-Übungen zur Entspannung bis zum Ende eines mehrwöchigen Workout-Programms, das "Your Shape" auf Wunsch des Nutzers mit den unterschiedlichsten Ausrichtungen erstellt. Digitale Berater, ein Kalorienzähler und witzige Bewegungsspiele sorgen jedoch dafür, dass man die ganze Zeit dranbleibt. Selten hat aktives Abnehmen so viel Spaß gemacht.

"EA Sports Active 2" (EA, PS3, Xbox 360, Wii, ca. 80 Euro): Der Vorgänger zählt zu den bislang erfolgreichsten Wii-Titeln überhaupt - "EA Sports Active 2" erscheint nun auch für PS3 und Xbox 360. Während die Microsoft-Konsole mithilfe der Kinect-Kamera die Bewegungen des Spielers genau erfasst, setzen die übrigen Versionen auf gut funktionierende kabellose Bewegungssensoren, die sich an Armen und Beinen per Klettverschluss festmachen lassen und zugleich als Pulsmesser dienen. Total Body Tracking-System nennt EA das. Über 70 verschiedene Übungen sorgen dafür, dass die Herzen der Probanden auch wirklich höher schlagen und der Schweiß fließt. Je nach Zielsetzung erstellt das Programm einen individuellen Neun-Wochen-Trainingsplan, der sich aus Kraft-, Ausdauer- und spielerischen Einheiten zusammensetzt. Wer will, darf aber auch eigene Workouts kreieren und diese mit der Online-Community teilen. Regelmäßig wird man zudem nach Ess- und Lebensgewohnheiten gefragt und bekommt sofort Antwort, ob das nun gut oder eher schlecht für das eigene Wohlbefinden ist - und wie man es noch besser machen kann. Laut Produktpatin Katarina Witt gibt es nun für Couchpotatoes keine Ausreden mehr: "Jeder kann es bei sich zu Hause nutzen und ganz nach seinen Bedürfnissen einstellen - und wenn es nur 20 Minuten nach Feierabend sind."

"Get Fit With Mel B." (Black Bean Games, PS3, Xbox 360): Früher waren es Fitness-DVDs und Power-Workouts - heute veröffentlichen Prominente wie das ehemalige Spice-Girl Mel B. eben Spiele, in denen sie als virtuelle Vorturner auftauchen. Die Sängerin, die Anfang des Jahres noch behauptete, sich hauptsächlich durch ausdauernde Bettakrobatik fit zu halten, gibt hier nicht nur den charmanten Drill-Instructor, sondern auch die kompetente Ernäherungsberaterin. Über 140 Rezepte für jede Tages- und Zwischenmahlzeit enthält das Programm, das zudem brav nach unverträglichen Zutaten fragt. Auch das Trainingsziel - bestimmte Körperpartien, Stress- und Fettabbau, Waschbrettbauch - lässt sich anfangs anhand einer umfangreichen Liste genau definieren. Wer zudem über Hilfsmittel wie Gewichte, Gummibänder und Gymnastikbälle verfügt, bekommt bei seinem maßgeschneiderten Trainingsplan deutlich mehr Übungen zu Gesicht. Alternativ lassen sich auch eigene Workouts zusammenstellen. "Get Fit With Mel B." unterstützt als bislang einziger Titel die PlayStation3-Erweiterung Move, erscheint aber auch für die Xbox 360 inklusive Kinect. Letztere Version ist überlegen, da die Kamera den gesamten Körper erfasst und fast keine Schummelei erlaubt. Bei der Move-Fassung reicht es dagegen manchmal schon, den Controller einfach in die Höhe zu reißen, um einen ausgeführten Situp angerechnet zu bekommen. Auch Fehlhaltungen erkennt das Spiel im Vergleich zu "Your Shape" nicht ganz so gut, dafür gibt's immer wieder Lob und Anfeuerungen seitens Mel B., die ansonsten ihr Programm gnadenlos durchzieht und nicht auf den User wartet.

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