5G-Mobilfunk

Das Netz der Zukunft

5G soll das mobile Internet revolutionieren. Doch was ist das eigentlich genau? Und birgt es nur viele neue Möglichkeiten oder auch Gefahren? Ein Überblick.
28.05.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Simon Wilke
Das Netz der Zukunft

Alles zum neuen Mobilfunkstandard, der die Welt des mobilen Internets revolutionieren soll.

123RF

Kein autonomes Fahren, keine wettbewerbsfähige Industrie, keine flächendeckende medizinische Versorgung ohne den neuen Mobilfunkstandard der fünften Generation, kurz 5G. Der sei „weit mehr als nur schnelles Internet“, sagt der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer (CSU), sondern er sei vielmehr „der Schlüssel zur Zukunft“. Doch warum ist 5G seinen Vorgängern so überlegen? Was können Verbraucherinnen und Verbraucher von dem neuen Mobilfunkstandard überhaupt erwarten? Und was hat es eigentlich mit den Diskussionen um eine erhöhte Strahlenbelastung auf sich, die mit der Einführung von 5G einhergehen soll? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen zur Zukunft des mobilen Internets.

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Was ist 5G?

Vereinfacht gesagt: die neueste Generation des mobilen Internets. Wer außer Haus sein Smartphone oder Tablet mit dem Internet verbindet, der sendet und empfängt Daten derzeit vor allem mit der Übertragungsrate des sogenannten Long Term Evolution, kurz LTE. Diese vierte Generation der Mobilfunkstandards wurde in Deutschland 2010 eingeführt. Sie sorgte nicht nur für deutlich schnellere Downloadgeschwindigkeiten, sondern auch für eine geringere Verzögerung, Latenz genannt, zwischen dem Senden eines Datenpakets und der Antwort des genutzten Servers.

Mit 5G soll all das nun noch einmal deutlich verbessert werden. Während LTE Datenraten von 1000 Megabit pro Sekunde (MBit/s) im Download versprach, sind in der Praxis nur Höchstgeschwindigkeiten von 300 MBit/s Standard. Im 5G-Zeitalter soll nun mit Datenraten von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde gearbeitet werden, also 10 000 MBit/s. Latenzen sollen so weit minimiert werden, dass sie sich möglichst im Bereich zwischen einer und zehn Millisekunden bewegen, also im Bereich von einem Tausendstel einer Sekunde. Neben dieser Echtzeit-Geschwindigkeit soll 5G noch weitere Vorteile haben. Unter anderem soll es energieeffizienter sein und somit längere Batterielaufzeiten ermöglichen. Die Internet-Verbindung soll auch bei Geschwindigkeiten von mehreren Hundert Kilometern pro Stunde stabil sein. Zudem sollen bis zu eine Million Geräte pro Quadratkilometer miteinander vernetzt werden können.

Wozu wird 5G benötigt?

Messenger-Dienste, Videotelefonie oder das Streamen von Filmen auf Handys sind bereits Alltag überall in Deutschland. Wozu braucht es dann überhaupt 5G? Derzeit vor allem, um die Industrie weiter zu digitalisieren. Zukunftstechnologien wie das prominente Beispiel des autonomen Fahrens sind mit den aktuell verfügbaren Geschwindigkeiten des mobilen Internets nicht alltagstauglich. Bildlich gesprochen: Ohne Echtzeit-Verbindung kein Echtzeit-Bremsen. Intelligente Fabriken, Smart Factories, sollen entstehen, in denen sich vernetzte Fertigungsanlagen und Logistiksysteme ohne menschliche Eingriffe weitgehend selbst organisieren, die sogenannte Industrie 4.0.

Und auch andere Echtzeit-Anwendungen sollen durch 5G verbessert oder erst ermöglicht werden. Einige Beispiele: Mit sogenannten Augmented-Reality-Brillen könnten Ärzte computergestützt noch während einer Operation auf Patientendaten zurückgreifen oder Bilder von Gefäßen untersuchen, Maschinen in München könnten mit höchster Präzision aus Bremen ferngesteuert werden, Bauteile könnten an Ort und Stelle vom Bauleiter in einem 3D-Modell visualisiert werden – ein virtueller Bauplan.

Wann ist 5G verfügbar?

5G ist bereits da, allerdings nur an wenigen Standorten. Verantwortlich für die Netz­ab­deckung in Deutschland sind die Betreiber­firmen Telekom, Vodafone, 1&1 Drillisch und Telefónica Germany. Den Auftakt mit einem 5G-Netz für Privatkunden machte ­Vodafone im Juli 2019. Aber klar ist: Bis zu einer flächendeckenden Verfügbarkeit wird es noch lange dauern. Denn Priorität hat zunächst der Ausbau entlang von Autobahnen und Bundesstraßen. Trotzdem funkt das schnelle Netz bereits in einigen Städten, auch in Bremen. Hier hat Vodafone im vergangenen Jahr den 5G-Betrieb aufgenommen, die Telekom plant derzeit einen Ausbau. Ganz einfach kommen Kunden allerdings nicht in den Genuss des schnellen Mobilfunks. Beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur heißt es: „Wer 5G nutzen möchte, wird in der Tat neue Endgeräte benötigen, die mit den entsprechenden Funkschnittstellen ausgestattet sind. Grundsätzlich gilt: Erste „echte“ 5G-Anwendungen wird es im Bereich der Produktionsautomatisierung in der Industrie geben. 5G entfaltet seine Stärken daher zunächst als „Maschinen-Netz“.“

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Ist 5G gesundheitsschädlich?

Stand heute: nein. Die Strahlen, die von den Mobilfunkmasten an Handys und Tablets geschickt werden, muss man sich als Wellen vorstellen, die Energie transportieren. Kommen sie beispielsweise während eines Telefongesprächs beim Empfänger an, erreicht ihn Energie, die vom menschlichen Gewebe absorbiert wird. Es entsteht Wärme. Genau das befürchteten einige Kritiker, da von 5G-Masten in der gleichen Zeit mehr Wellen ausgesendet werden als von bisherigen Funkmasten.

Aber: In Europa gelten Grenzwerte zum Schutz vor Erwärmung des Gewebes durch Mobilfunkstrahlung, und zwar auch für 5G-fähige Handys. Alexander Lerchl, Professor für Biologie und Ethik in Naturwissenschaften und Technik an der Jacobs University Bremen sieht deshalb keine Belege für Gesundheitsgefahren durch 5G-Strahlung. Dem Science Media Center sagt er: „Die einzigen Effekte, die eindeutig nachgewiesen sind, werden durch Erwärmung verursacht, diese wird aber durch die Grenzwerte sicher ausgeschlossen.“

Auch eine Studie an Nagetieren, die einen Zusammenhang zwischen einer hohen Mobilfunkstrahlung und dem Entstehen von Krebs nahelegt, ändert an dieser Bewertung nichts. Die Tiere seien der Strahlung mit dem ganzen Körper ausgesetzt gewesen, bei einer Belastung, die dem 20-Fachen des für die Bevölkerung gültigen Grenzwertes entspricht. Das Bundesamt für Strahlenschutz geht deshalb davon aus, dass bei der Einhaltung der bestehenden Grenzwerte „keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen durch elektromagnetische Felder mit den vom Mobilfunk verwendeten Frequenzen zu erwarten sind.“

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