Internetkriminalität Identitätsklau im Netz: Wenn Betrüger auf fremde Kosten shoppen

Erst das Inkassoschreiben, dann der Mahnbescheid vom Gericht. Der angebliche Grund: Unbezahlte Internetrechnungen, obwohl man nichts bestellt hat. Wie man sich vor Identitätsklau im Netz schützen kann.
17.03.2022, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Identitätsklau im Netz: Wenn Betrüger auf fremde Kosten shoppen
Von Judith Kögler

Wenn unberechtigte Inkassoforderungen und Rechnungen für vermeintlich bestellte Ware ins Haus flattern oder unerklärliche Abbuchungen auf dem Bankkonto auftauchen, dann sind das Indizien dafür, dass die eigene Identität von Betrügern missbraucht wurde. Identitätsdiebstahl klingt zunächst nach einer komplizierten Angelegenheit, ist es aber nicht. "In den meisten Fällen reichen den Kriminellen bereits der vollständige Name und die Anschrift des Opfers aus, um im Internet auf digitalen Beutezug zu gehen", warnt Ulrike Dunecke vom Präventionszentrum der Polizei Bremen.

Wie kommen die Betrüger an die sensiblen Daten?

An die Daten gelangen die Kriminellen dabei auf ganz unterschiedliche Weise. Dunecke zufolge werden die Informationen oftmals im Rahmen von Phishing-Mails mit Anhang oder unseriösen Anfragen abgegriffen. Öffentliche Profile in den sozialen Netzwerken können Cyber-Kriminellen genauso als Quelle dienen wie nicht ausreichend gesicherte WLAN-Zugänge. Der Fantasie seien hier keine Grenzen gesetzt, denn offline hätten die Betrüger ebenfalls ihre Tricks. "Täter sind auch schon durch Straßen gelaufen und haben Namen von Klingelanlagen und die Anschriften festgehalten", berichtet Dunecke. Mathias Hufländer von der Verbraucherzentrale Bremen weist noch darauf hin, dass "Anschrift und Name von späteren Geschädigten häufig durch Telekommunikationsverzeichnisse ermittelt werden".

Was passiert bei einem Identitätsdiebstahl?

Die Masche läuft so ab: Der Name wird samt gestohlener Anschrift für die Anmeldung in einem Onlineshop genutzt, die Betrüger bestellen die Ware auf Rechnung, wobei die gestohlene Anschrift als Adresse dient. Die bestellten Produkte werden allerdings an eine andere Adresse geliefert oder beim Postdienstleister abgefangen. Auch die Bestellbestätigung bekommt zunächst nur der Täter, diese geht an eine von ihm eingerichtete Adresse. Der Schwindel fliegt meist erst auf, wenn es bereits zu spät ist: Inkassoschreiben oder Mahnbescheide wegen ausbleibender Zahlungen liegen längst beim Geprellten im Briefkasten. "Gerade ältere Menschen sind von Identitätsdiebstahl betroffen", sagt Hufländer. Und auch wenn grundsätzlich jeder einem solchen Delikt zum Opfer fallen kann, sind Menschen aus ärmeren Stadtteilen eher weniger das Ziel von Cyber-Kriminellen. Der Grund dafür ist simpel: "Um auf Rechnung kaufen zu können, benötigt man eine positive Bewertung der Kreditwürdigkeit", erläutert der Berater für Verbraucherrecht.

Was sind mögliche Folgen für die Opfer?

Wer den Tätern nicht rechtzeitig auf die Spur kommt, für den können die unbezahlten Rechnungen zum Problem werden. "Wenn der Betrug unbemerkt bleibt, führt das oftmals zu einer schlechteren Kreditwürdigkeit". Ulrike Dunecke sagt auch, dass eine herabgesetzte Bonität zusätzlich negative Auswirkung auf künftige Verträge haben könne. "Voraussetzung dafür wäre aber, dass ich der unberechtigten Rechnungsstellung nicht widerspreche und auch auf gerichtliche Mahnbescheide nicht antworte", betont Hufländer.

Was kann man tun, wenn die eigene Identität missbraucht wurde?

Genau das Gegenteil sei aber ratsam: Insbesondere wenn eine Mahnung vom Gericht vorliege, sollten Geprellte in jedem Fall handeln. Je schneller sie reagierten, desto besser. "Die Opfer von Identitätsklau sollten sich mit dem geschädigten Internetshop in Verbindung setzen und klarstellen, dass die Bestellung weder von ihnen getätigt noch autorisiert worden ist", sagt Hufländer. Außerdem weist Dunecke darauf hin: Betroffene sollten sich nicht scheuen, die Polizei zu kontaktieren und eine Strafanzeige zu erstatten. "Die Anzeigennummer ist dann an das Unternehmen mit dem Hinweis auf Identitätsdiebstahl und den erhobenen Widerspruch zu übermitteln", sagt sie. Sollten bereits Abbuchungen auf Konten oder über Kreditkarten vorgenommen worden sein, müssen Geldkarten und Konten bei der Hausbank gesperrt werden.

Wie können sich Verbraucher vor einem Identitätsklau im Internet schützen?

Um sich vor Identitätsdiebstahl im Internet zu schützen, rät Hufländer dazu, sich "sichere Passwörter" anzulegen. Diese sollten in regelmäßigen Abständen geändert werden. Zusätzlich seien der vorsichtige Umgang mit den eigenen Daten und das Erkennen von Phishing-Versuchen durch E-Mails unerlässlich. "Verbraucher sollten auch regelmäßig ihre Kontoauszüge prüfen und ihren Computer durch eine Firewall und einen aktuellen Virenscanner schützen", rät sie. Gibt es die Befürchtung, dass persönliche Daten bereits missbraucht wurden, kann laut Stiftung Warentest ein Google Alert für den eigenen Namen eingerichtet werden. Dabei handelt es sich um eine automatische Suchabfrage, bei der man jedes Mal per E-Mail eine Benachrichtigung erhält, wenn der eigene Name von der Suchmaschine Google an einer neuen Stelle im Netz gefunden wird. Das funktioniert auch ohne Anmeldung. Das Präventionszentrum der Polizei Bremen bietet außerdem regelmäßig Vorträge zum Schutz vor Cyber-Kriminalität an.

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