Der Meisterdetektiv - ein Mordmotiv? Sherlock Holmes gibt nicht nur Kinogängern Rätsel auf

Ob auf der Leinwand oder im Netz - Sherlock Holmes bleibt der beliebteste Meisterschnüffler.
22.01.2010, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Annekatrin Liebisch

Ob auf der Leinwand oder im Netz - Sherlock Holmes bleibt der beliebteste Meisterschnüffler.

Ein aufstrebender Autor klaut die Roman-Idee eines Freundes, beginnt dann eine Affäre mit dessen Frau und vergiftet den zweifach Gehörnten anschließend mit deren Hilfe. Ein Fall für Sherlock Holmes? Definitiv: Glaubt man dem Historiker Rodger Garrick-Steele, war dieser Übeltäter niemand anderes als Arthur Conan Doyle, der geistige Vater des scharfsinnigen Detektivs. Der Beliebtheit Sherlock Holmes' tat dieser Skandal jedoch keinen Abbruch - was sowohl Guy Ritchies gleichnamiger Kinofilm (Start: 28.01.) als auch die unzähligen Fanseiten im Web beweisen.

Im Guinnessbuch der Rekorde sei Sherlock Holmes nun als der am häufigsten dargestellte Filmcharakter gelistet, vermeldet www.sherlockholmes.com stolz. 70 Schauspieler zündeten sich in über 200 Verfilmungen bereits nachdenklich die Pfeife an, weiß die englischsprachige Homepage, die sich selbst als offizielle Webpräsenz des Meisterdetektives bezeichnet.

Basil Rathbone, Peter Cushing, Jeremy Brett und nun also Robert Downey Jr. Der "Iron Man". Das Enfant terrible. Schlimmer noch: der Amerikaner. Zur Beruhigung seiner Landsleute sorgte Regisseur Guy Ritchie zumindest dafür, dass zumindest Dr. Watson von einem waschechten Briten gespielt wird - Jude Law. Dass dieser aber ebenso wenig ein Kind von Traurigkeit ist wie sein Filmpartner, lässt sich auf den Fanseiten downeyunlimited.com und law-less.org nachlesen.

Doch nicht nur die Herkunft des neuen "Sherlock Holmes" (wwws.warnerbros.de/sherlock) beschäftigt die Fans, auch dessen Auftreten stiftet Verwirrung: Warum prügelt er sich häufig, statt sich in analytischer Zurückhaltung zu üben? Warum wirkt er mehr wie ein James Bond des 19. Jahrhunderts als ein scharfsinniger Kombinierer? Und wo ist eigentlich der berühmte Deerstalker-Hut? Während die letzte Frage unbeantwortet bleibt, enthüllen liebevoll gepflegte Fanseiten wie www.sherlock-holmes.org.uk oder das Sherlockpedia (de.sherlockpedia.wikia.com), dass Guy Ritchie mit seiner Vision des Schnüfflers der literarischen Vorlage gar nicht so fern ist: Auch der Romanheld ließ gelegentlich die Fäuste sprechen, lieferte sich scharfzüngige Wortgefechte und griff hin und wieder zu (heute) illegalen Substanzen. Wer's nicht glaubt, kann sich im Ebook-Bestand der Universität von Adelaide (www.adelaide.edu.au) eines Besseren belehren lassen - unter D wie Doyle, Arthur Conan.

Dass der ehemalige Arzt nicht nur Detektiv-Geschichten verfasste, sollte Sherlock Holmes übrigens zum Verhängnis werden, wie beispielsweise die Seite www.conandoyle.de beschreibt: Weil er sich lieber anderen Figuren widmen wollte, brachte Doyle seinen Helden 1893 kurzerhand um. Zusammen mit seinem Erzfeind Professor Moriarty stürzte Holmes zum Entsetzen seiner zahlreichen Anhänger in der Erzählung "Das letzte Problem" die Reichenbachfälle hinab.

1902 erschien dennoch ein neuer Fall, sozusagen posthum: "Der Hund der Baskervilles", die wohl berühmteste Holmes-Story. Ein Krimi, dessen größtes Verbrechen sich möglicherweise auf den Seiten vor dem ersten Kapitel abspielte. Denn dort wird auf einen gewissen Bertram Fletcher Robinson hingewiesen - Doyles Ideengeber, der ein paar Jahre später mit Mitte 30 verstarb. Ob nun an einem Fieber oder an einem Gift, wird wohl auch Sherlock Holmes nicht mehr rausfinden können.

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