Von Herz zu Herz Sonicbids möchte das Konzertbusiness revolutionieren

Das Netz als Plattform: Die US-Firma Sonicbirds vermittelt zwischen Bands und Bookern.
08.01.2010, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jochen Overbeck

Das Netz als Plattform: Die US-Firma Sonicbirds vermittelt zwischen Bands und Bookern.

Wenn sich in den letzten zwei Jahren auf dem Musikmarkt so etwas wie ein Trend feststellen ließ, dann war das sicher die Verschiebung der Verantwortungsparameter: Labels werden immer unwichtiger, nicht nur aufgrund fallender Gewinnmargen im Tonträgermarkt. Die technischen Möglichkeiten zu einer Selbstverwaltung des musikalischen Outputs und die benötigten Investitionssummen für das Produkt Tonträger haben sich verändert - zugunsten der Künstler. Wer heute Musik kauft, macht das immer öfter online - und immer öfter per Download. Um den Vertrieb kümmern sich in den USA Firmen wie CD Baby, Promotion erfolgt per Blog, Myspace oder Facebook. Aufnehmen ist dank bezahlbarer oder gar kostenloser Software für den Rechner ohnehin günstiger denn je. Und das Booking? Hier zeigt der Dienstleister Sonicbids, wie Konzerte, Tourneen und Events in der Zukunft organisiert werden könnten.

"Get a gig. Book a band." Der Slogan des Unternehmens aus Boston erklärt schnell, worum es geht. Und hört man Panos Panay reden, erkennt man rasch, dass die Idee des Unternehmens eine Herzensangelegenheit ist. 1991 kam der gebürtige Zypriote in die USA, um Musik zu studieren. Schnell wechselte er auf die Business-Seite - und fand sich an einem Schreibtisch wieder, der unter den Massen eintreffender CDs, Pressemappen und Booking-Anfragen fast begraben wurde. Panay gründete nach einigen Jahren Sonicbids - und orientierte sich dabei eher an Handelsplattformen und Download-Diensten wie Napster als am bestehenden Booking-System.

Das Prinzip von Sonicbids ist einfach: Für sechs Euro im Monat - die Portokosten für das Herumschicken von Demobändern dürften erheblich höher liegen - kann eine Band ein Profil erstellen. Auf dem finden sich alle Informationen, die die Band für relevant hält - Pressemitteilungen, Biografien, Fotos, natürlich die Musik. Auf der anderen Seite stehen Konzertveranstalter und Booking-Agenturen. Über ein Nachrichtensystem, das mit dem herkömmlicher Social-Media-Seiten wie Facebook oder Myspace vergleichbar ist, können beide Parteien miteinander in Kontakt treten.

Nutznießer, so Panay, soll dabei vor allem ein bisher vernachlässigter Teil der Künstlergemeinde sein, die "Artistic Middle Class". Immerhin gäbe es aktuell vier Millionen Bands und Einzelkünstler in den USA. Enormes Kreativpotenzial für eine ganz neue Szene: Eine "mass of profitable little ones", so sagt er, werde in Zukunft die Megastars vielleicht nicht ersetzen, wohl aber ergänzen. Und die seien an einer Zusammenarbeit mit den Big Players des Business gar nicht interessiert.

Der Erfolg scheint den Machern Recht zu geben. 60.000 Konzerte wurden im letzten Jahr über die Seite vermittelt - und zwar auch in Bereichen, die für Bands der "Artistic Middle Class" sonst eher Fremdland sein dürften. Immerhin organisierte eine ganze Reihe großer Firmen und Veranstalter in den letzten Jahren ihr Booking über Sonicbirds - darunter das HipHop-Magazine "Source", die Modemarken Gap und Jansport, die Festivalreihe Vans Warped Tour, aber auch die Popkomm. Das Konsolenspiel "Guitar Hero" ließ einen Wettbewerb über die Plattform laufen - wie auch die "International Songwriting Competition", in deren Jury in der Vergangenheit immerhin Tom Waits, Robert Smith und Macy Gray saßen. Für die Zukunft hat das Panay einiges vor: Nicht nur Konzertveranstalter, sondern auch Produzenten, die Musik für Filme oder Werbespots suchen, sollen bei dem Portal fündig werden.

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