Bremen Start-ups das Leben leichter machen

Start-ups begeistern Millionen Menschen – zumindest als Zuschauer, wenn Gründer in einer Fernsehshow ihre Idee vor Investoren vorstellen. Start-ups sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, und das ist eine gute, eine wichtige Entwicklung.
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Von Bernhard Rohleder

Start-ups begeistern Millionen Menschen – zumindest als Zuschauer, wenn Gründer in einer Fernsehshow ihre Idee vor Investoren vorstellen. Start-ups sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, und das ist eine gute, eine wichtige Entwicklung. Längst wird nicht mehr nur in Berlin gegründet. In ganz Deutschland entstehen junge, innovative Unternehmen.

Auch Norddeutschland wird mehr und mehr zum Hot Spot für Start-ups. Das ist gut so, denn wir brauchen Menschen, die pfiffige Ideen mutig umsetzen, wenn wir wirtschaftlich erfolgreich bleiben wollen. Ein Beispiel: Vier von zehn Bundesbürgern nutzen heute Musikstreaming, kaufen also keine CDs oder speichern Musiktitel auf ihrem Smartphone, sondern bezahlen einen monatlichen Abopreis und nutzen ein Musikarchiv mit Millionen Titeln. Vorreiter war eine Firma, deren Namen heute fast jeder kennt: Spotify.

Kein Global Player aus dem Musikgeschäft hat diese Innovation hervorgebracht, sondern ein Start-up aus Schweden. In der digitalen Wirtschaft kann jeder ohne viel Kapital die Welt verändern. Und genau das brauchen wir, weit über die Musikindustrie hinaus. In der Autobranche geht es nicht mehr um PS, es geht um Software für den Autopiloten. Ähnliches gilt für die Medizintechnik, die Finanzbranche, ja sogar für die Landwirtschaft.

Obwohl wir das wissen, machen wir es Start-ups immer noch viel zu schwer. Jeder zweite Gründer sagt, die größten Hemmnisse in Deutschland seien die schwierige Finanzierung, Geschäftspartner, die zu wenig Mut für Neues hätten, und eine überbordende Bürokratie. Die Folge: Nicht einmal jeder Zweite, der hierzulande ein Start-up gegründet hat, würde das gerne wieder in Deutschland tun. Aber jeder dritte Gründer würde sich sofort für die USA entscheiden. Dort lockt das Silicon Valley – jener Ort, an dem täglich neue Internet-Unternehmen geboren werden. Brauchen wir deshalb ein deutsches Silicon Valley? Wir sind gut im Erfinden, kopieren können andere besser. Wir sollten ein Original sein.

Wir haben weltweit erfolgreiche Leitindustrien mit regionalen Schwerpunkten. Etwa den Maschinenbau im Südwesten oder die Finanzbranche in Frankfurt. Dort haben sich längst Branchenriesen und führende Mittelständler angesiedelt. Was zumeist fehlt, ist das Digitale. Wenn wir Kapitalgeber, Wissenschaft, Forschung und vor allem auch Start-ups dorthin bringen, schaffen wir digitale Hubs, innovative Ökosysteme mit weltweiter Strahlkraft. Dann werden künftig nicht nur deutsche Gründer sagen, dass sie jederzeit wieder hier starten werden. Auch viele jener Start-ups, die heute in den USA, England oder Israel entstehen, sollten sich künftig an einen digitalen Hub in Deutschland andocken.

Zur Person

Unser Gastautor ist Hauptgeschäftsführer des Digitalverbandes Bitkom, der mehr als 2400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft vertritt.
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