Filme auf Abruf im Netz machen Videotheken schwer zu schaffen Sterben auf Raten

Berlin. In der Berliner Video World ist die Welt noch in Ordnung – zumindest am Wochenende. In vielen der mehr als 20 Filialen in der Hauptstadt stehen die Kunden Schlange an der Kasse, beladen nicht nur mit DVD, Blu-ray und Spielen, sondern auch mit Chips, Süßigkeiten und Getränken.
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Von ULRIKE VON LESZCZYNSKIUND ANDREAS HOENIG

In der Berliner Video World ist die Welt noch in Ordnung – zumindest am Wochenende. In vielen der mehr als 20 Filialen in der Hauptstadt stehen die Kunden Schlange an der Kasse, beladen nicht nur mit DVD, Blu-ray und Spielen, sondern auch mit Chips, Süßigkeiten und Getränken. Wer Filme noch am selben Tag zurückbringt, zahlt einen Euro. Ein unschlagbares Angebot? Der Schein kann trügen. 1740 klassische Videotheken gab es 2013 in Deutschland, zehn Jahre zuvor waren es noch 4100. Gräbt die wachsende digitale Konkurrenz im Internet mit Filmen auf Abruf (Video-on-Demand oder VoD) den klassischen Verleihern das Wasser ab?

„Sparen Sie sich den Gang zur Videothek“, werben Portale im Internet ganz unverhohlen. Mehr als 30 VoD-Anbieter gibt es inzwischen im deutschsprachigen Raum, darunter Generalisten wie Maxdome, Watchever, Videoload oder Amazon Instant Video, aber auch Spezialisten wie AllesKino für deutsche Filme oder FilmConfect für das Art-House-Pantoffelkino.

Viele bieten Monats-Abos für ihr Sortiment an, aber auch das zeitlich begrenzte Leihen einzelner Filme ist möglich und kostet in der Regel zwischen 50 Cent und fünf Euro. Als vor rund einem Monat der US-Anbieter Netflix auf dem deutschen Markt startete, ging ein Raunen durch die Branche. Noch ist Netflix hier im Aufbau, doch in den USA hat das Portal vor allem mit eigenen Serien von sich reden gemacht.

Für Jörg Weinrich, Vorstand beim Interessenverband des Video- und Medienfachhandels Deutschland, ist die digitale Konkurrenz aber gar nicht die große Gefahr für herkömmliche Videotheken. „Die Abo-Modelle sind eher eine Konkurrenz zum Fernsehen“, sagt er. Und bei den Preisen für das Ausleihen neuer Blockbuster seien die Videotheken sogar oft günstiger. Was Weinrich wirklich Sorge macht, ist die Internet-Piraterie.

Bereits seit 2002 litten Videotheken darunter, dass Filme illegal aus dem Netz gezogen würden. „Die Kunden, die der Videothek den Rücken kehrten, gehen zur Hälfte auch dem legalen Markt verloren“, sagt er. Schätzungen für 2013 gehen von einer halben Milliarde Euro Schaden für den legalen Kino- und Videomarkt aus – bei einem Umsatz von rund 2,8 Milliarden Euro. „Wenn das so bleibt, wird die gesamte Medienbranche bis hin zum eBook Probleme bekommen“, sagt Weinrich. Andere EU-Länder ließen illegale Seiten sperren – in Deutschland passiere in dieser Hinsicht viel zu wenig.

Die Probleme der klein- und mittelständisch geprägten Videotheken sind unübersehbar: Zwischen 2003 und 2013 sanken die Umsätze von 302 auf 210 Millionen Euro. Für Sascha Hölig vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg hat das nicht allein mit illegalen Filmportalen im Netz zu tun. „Online-Videotheken sind ein herber Schlag“, sagt er. „Es hängt von den Verwertungsketten ab, wie das weitergeht.“

Denn noch bekämen die klassischen Videotheken Blockbuster und Serien in der Regel, bevor sie anderswo verfügbar seien. „Das ist im Moment ihr einziges Plus“, ergänzt Hölig. Könnten die Online-Videotheken hier nachziehen, werde die Bequemlichkeit des Kunden siegen. Auch Klaus Goldhammer, Geschäftsführer der Strategieberatung Goldmedia, sieht die langfristigen Perspektiven für Videotheken in Deutschland eher düster. „Die Abwanderung der Nutzer ist bereits zu erkennen“, sagt er.

Mit rund 160 Millionen Euro Umsatz pro Jahr waren die Umsätze von Video-on-Demand – gerechnet ohne die rein werbefinanzierten Geschäftsmodelle – 2013 aber noch recht bescheiden. Sie machten nur einen Bruchteil aller Umsätze im rund 1,7 Milliarden Euro schweren Home-Video-Markt in Deutschland aus. Der wird nach wie vor vom herkömmlichen Verleih und Verkauf von DVD und Blu-ray beherrscht. Auffällig aber ist das Wachstum in der VoD-Sparte – allein von 2012 auf 2013 waren es satte 24 Prozent.

Medienwissenschaftler Hölig glaubt nicht, dass die Filme auf Abruf aus dem Netz neben den Videotheken auch dem klassischen Kino zu schaffen machen. „Die große Leinwand, 3D und Soundeffekte werden Kino immer zu einem besonderen Erlebnis werden lassen“, sagt er.

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