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Stressfaktor Smartphone: Tipps für einen besseren Umgang

Studien haben herausgefunden, dass Menschen im Durchschnitt alle 18 Minuten auf ihr Smartphone schauen. Dabei verursacht das einen Anstieg der Stresshormone im Körper. Warum das so ist und wie es besser geht.
09.10.2019, 19:16
Lesedauer: 4 Min
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Stressfaktor Smartphone: Tipps für einen besseren Umgang
Von Kim Torster
Stressfaktor Smartphone: Tipps für einen besseren Umgang

Viele Menschen nehmen ihr Smartphone überall mit hin – sogar ins Bad. Dabei sind kurze Auszeiten vom Mobiltelefon wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden.

Sonja Chnyj

Das Smartphone ist für viele Menschen ein ständiger Begleiter. Bei der Arbeit liegt es auf dem Tisch, beim Fernsehen mit auf dem Sofa, beim Joggen in der Jackentasche. Dabei verursacht genau das dauerhaft Stress – und zwar wortwörtlich. Experten sagen, dass sich der Spiegel des Stresshormons Cortisol erhöht, wenn das Telefon in Blickweite ist oder Nutzer es hören oder glauben zu hören. Da der Körper so beinahe ständig Cortisol ausschüttet, kann sich langfristig sogar das Schlaganfall- oder Herzinfarktrisiko erhöhen.

Was stresst uns so?

Warum das Smartphone Stress auslöst, kann unterschiedliche Gründe haben und hängt auch vom eigenen Nutzungsverhalten ab. Ein Aspekt ist die ständige Erreichbarkeit, der sich die Nutzer durch Smartphonenutzung aussetzen. Selbst wenn auf dem Smartphone den ganzen Tag lang nur unwichtige Meldungen aufploppen, ist sein Nutzer jedes Mal für einen kurzen Moment in Alarmbereitschaft: Es könnte ja wichtig sein. Gerade dann, wenn es sich dabei um Nachrichten von Freunden oder Familie handelt, kann hinzukommen, dass man sich verpflichtet fühlt, auf die Nachricht früher oder später zu reagieren.

Einen weiteren Stressfaktor erläutert die Autorin Isabell Prophet in ihrem Buch „Wie gut soll ich denn noch werden?!“. Prophet erklärt darin, dass moderne Technik darauf ausgelegt sei, dass sich Nutzer schlecht fühlen, damit sie konsumieren. Indem sie beispielsweise über das Smartphone permanent mit Dingen konfrontiert werden, die ihr Leben potenziell besser machen könnten – das alles unter dem Deckmantel der Selbstoptimierung. Aber „Selbstoptimierung, so wie sie uns verkauft wird, ist Betrug“, schreibt Prophet. Denn häufig mache sie uns nur für einen kurzen Augenblick glücklich. Ein Beispiel: Ein Smartphone-Nutzer lädt eine Meditations-App herunter, aber benutzt sie nach kurzer Zeit kaum noch. Die App erinnert den Nutzer regelmäßig daran, wieder mal zu meditieren. Das wiederum verursacht Stress. Aber anstatt die App einfach zu löschen, würden sich Nutzer stattdessen die nächste Meditations-App herunterladen.

Was tun?

Da es für die meisten Menschen wahrscheinlich keine Option ist, ohne Smartphone zu leben, kann es auch helfen, sich erst einmal die eigene Nutzung und das, was dahinter steht, bewusst zu machen.

Prophet schreibt unter anderem, dass sich Nutzer des Internets – insbesondere von Social-Media-Kanälen – häufig als Kunden verstehen. Aber genau das sei falsch. Sie schreibt: „Facebooks Kunden sind die werbetreibenden Konzerne. Wir sind die Ware. (...) Früher gaben wir Geld und bekamen dafür ein Produkt, das unser Leben vereinfachte. Heute geben wir Daten oder Geld und bekommen dafür: Zeitverschwendung. Und am Ende stehen wir da und fragen uns, wo die Zeit geblieben ist.“ Wer sich das aber bewusst mache, könne dementsprechend agieren. Prophet rät in ihrem Buch unter anderem, sowohl den eigenen Konsum als auch die Selbstzweifel, die dahinter stehen, grundsätzlich zu hinterfragen.

Tipps für den Alltag mit Smartphone

Wer im Alltag auf sein Smartphone nicht verzichten möchte, kann einige Tipps beachten, um den Umgang mit damit achtsamer zu gestalten.

1. Zeit ohne Smartphone verbringen

Es kann helfen, das Smartphone für einige Zeit nicht greifbar zu haben. Dem ein oder anderen reicht es dafür vielleicht schon, das Smartphone im Flugmodus in eine Schublade oder die Tasche zu stecken. Besser sind aber fest eingeplante Zeiten, in denen das Handy nicht gebraucht wird und dann auch nicht greifbar ist: zum Beispiel beim Spaziergang, beim Einkauf oder beim Sport.

2. Sich weniger abhängig vom Smartphone machen

Das Smartphone ist eine Wunderwaffe mit vielen Funktionen. Das ist praktisch, bewirkt aber auch, dass seine Nutzer immer wieder gezwungen sind, danach zu greifen – sei es nur, um die Uhrzeit zu prüfen. Dabei ist jeder Griff zum Smartphone ein potenzieller Stressauslöser. In vielen Situationen lässt sich aber genau das ganz einfach vermeiden: Ein Blick auf die Armbanduhr oder auf den Fahrplan im Bushäuschen oder das Nach-dem-Weg-Fragen ersetzen den Blick aufs Smartphone im Alltag ohne großen Aufwand. Daraus könnten sogar kurze Gespräche mit Fremden entstehen. Für das Wohlbefinden ist Interaktion mit anderen Menschen nachweislich förderlich.

3. Aufräumen

Wie im echten Leben kann Ausmisten auch auf dem Smartphone befreiend wirken. Nutzer sollten dafür mit den Apps beginnen. Zu viele Apps rauben nicht nur Speicherplatz, sondern bewirken auch, dass das Gehirn ständig arbeiten muss: zum Beispiel, wenn es darum geht, eine App zu suchen oder sich für eine zu entscheiden. Vor allem Apps, die Nutzer nie oder sehr selten benutzen, sollten gelöscht werden.

Aber auch die Apps, die Nutzer täglich in ihrer Freizeit nutzen, sollten reflektiert werden – denn nicht jede App hinterlässt ein positives Gefühl. Wer also merkt, dass er sich nach der Nutzung einer bestimmten App schlechter fühlt, sollte sie löschen.

4. Benachrichtigungen ausschalten

Jede Benachrichtigung, die auf dem Display erscheint, erhöht die Ausschüttung von Stresshormonen. Wer also nicht aufs Smartphone verzichten möchte, sollte den potenziellen Stress zumindest so klein wie möglich halten – beispielsweise, indem man die Push-Mitteilungen jeder App ganz ausschaltet. So kann man auch dafür sorgen, dass man sich mit den jeweiligen Apps nur dann beschäftigt, wenn man Lust dazu hat. Wer wirklich wichtige Nachrichten nicht verpassen möchte – zum Beispiel von engen Freunden oder der Familie –, kann zum Beispiel bei Whatsapp über das Merkmal „Benachrichtigungen mit hoher Priorität“ genau einstellen, welche Nachrichten er auf den Sperrbildschirm erhalten möchte und welche nicht.

Weitere Informationen

Isabell Prophet: Wie gut soll ich denn noch werden?! Goldmann, München.

257 Seiten, 14 €.

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