Pokémon Technische Probleme bremsen Spielspaß bei "Pokémon Karmesin" und "Purpur" aus

Die Meinungen zu den neuen "Pokémon"-Ausgaben "Karmesin" und "Purpur" fallen sehr unterschiedlich aus. Gelobt wird die innovative Open-World-Idee, doch technische Probleme überschatten den guten Eindruck. Kam das Spiel, das sich binnen drei Tagen über 10 Millionen Mal verkauft hat, zu früh raus?
24.11.2022, 09:55
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von teleschau

Mit "Pokémon Karmesin" und "Pokémon Purpur" wollte der japanische Videospielentwickler Game Freak eine neue "Pokémon-Ära" einläuten. Vor allem das Open-World-Gameplay sollte frischen Wind in die Kult-Reihe bringen. Entstprechend hoch waren die Erwartungen - und die Vorbestellungen: Binnen drei Tagen verkaufte sich beide Editionen zusammen rund zehn Millionen Mal.

Die Kritiken von Fans und Fachpresse allerdings wirken durchwachsen. Es sind vor allem die technischen Mängel, die sich als Spielspaßbremse herausstellen. Für enttäuschte Fans stellt sich die Frage, ob die Hardware der Switch zu schwach ist für die Vision der Macher. Man kann das allerdings auch noch kritischer ausdrücken: Wurde das Spiel zu früh veröffentlicht? Hätten die Macher bestehende Probleme deutlicher sehen und vor dem Release beheben müssen? Wie fatal hier eine Fehlentscheidung sein kann, zeigten zuletzt besonders eindrucksvoll die Startschwierigkeiten vom mittlerweile rehabilitierten SciFi-Epos "Cyberpunk 2077".

"IGN" spricht von "technischem Chaos" bei "Pokémon Karmesin" und "Pokémon Purpur". Bemängelt wird im Test, dass die beiden Editionen zu keinem Zeitpunkt flüssig laufen würden. Stattdessen würde die Framerate bereits bei fließendem Wasser und anderen Effekten merklich in die Knie gehen. Auch Bugs wie Pop-ins von Charakteren, selbst wenn diese in direkter Nähe vom Protagonisten sind sowie ruckelnde Bewegungen, die an schlechte gemachte Stop-Motion-Animationsfilme erinnern, werden angeprangert.

"Viele seltsame Fehler"

Schimmernd unscharfe Grafik und widernatürlich hüpfende Schatten, Pokémon, die im Boden stecken bleiben, und eine Kamera, die einfach durch Berge hindurch fährt - Bugs wie diese werden in dem Review aufgezählt. Der "IGN"-Test kommt zu dem Urteil, "Pokémon Karmesin" und "Pokémon Purpur" wären ein Superlativ. Allerdings kein positiver: Es soll sich um das technisch am schlechtesten laufende "Pokémon"-Spiel aller Zeiten handeln - sogar um den am schlechtesten laufenden AAA-Titel für die Switch! Bemerkenswert: Das gilt auch nach dem Day-One-Patch.

Die Review von "Eurogamer" fällt ähnlich kritisch aus. Die wackelige Framerate würde die Immersion in die an sich gelungene Pokémon-Welt verhindern, heißt es. "Schrecklich" findet "VGC" die technischen Macken. Bei "The Verge" ist von "vielen seltsamen Fehlern" zu lesen sowie von "matschigen Texturen", die den Tester an Spiele aus der PlayStation2-Ära erinnern. "GameSpot" schreibt: "Pokémon Karmesin" und "Purpur" seien "schwer für die Augen".

Auch "Der Standard" aus Österreich ist nicht begeistert. Ganz im Gegenteil: Man sei überrascht, was sich die Macher Gamefreak und Publisher Nindendo mit dem Spiel erlauben, schließlich würde man mit den beiden neuen Editionen den Ruf der ganzen Marke gefährden. Die Qualität sei "eines AAA-Games nicht würdig". Grafisch wirke das Spiel stellenweise "unfertig". Wie viele andere stellt sich "Der Standard" die Frage, ob man der Entwicklung der neuen "Pokémon"-Ausgaben zu wenig Zeit gab. Als positives Gegenbeispiel nennt die Redaktion "Zelda", das eher immer wieder verschoben wurde, um den eigenen Qualitätsansprüchen gerecht wurde. Die "Pokémon"-Reihe dagegen wurde schon Anfang des Jahres mit dem Spin-Off "Arceus" erweitert. Ist der Zyklus, im gleichen Jahr einen weiteren Titel zu veröffentlichen, also zu flott? Die Reaktionen der Rezensenten sprechen dafür.

Im "PC Games"-Test wird die Grafik als "grauenhaft" betitelt und "matschige Texturen" bemängelt. Auch werden Bugs wie schwankende Hügel und in Weiß und Blau aufblitzende Berge notiert. Der Day-One-Patch würde Ruckler und Einbrüche in der Bildrate nicht beheben, heißt es weiter.

Der Metascore bei "Metacritic" liegt bei 76 von 100. Als Grundlage dienen 63 Rezensionen, abgerufen am 24. November um 09:00 Uh, der User-Score kommt nicht über 2,9 von 10 hinaus. Open Critic kommt auf einen durchschnittlichen Score von 76 aus insgesamt 35 Kritiken.

Die positiven Seiten

Die kritisch beleuchtenden Aspekte in den Reviews beziehen sich durchwegs auf technische Probleme. Einstimmig gelobt wird dagegen die Innovation, welche die Reihe belebt: die Open-World-Idee. "IGN" lobt begeistert die "phänomenale Entwicklung hin zu einer echten Open-World". "Eurogamer" schließt sich an und applaudiert zusätzlich die neuen Taschenmonster und die Level-Skalierung.

"VGC" lobt die "Größe der Welt", "die Freude an der Erkundung" und die "neuen Kampfmechaniken". Die drei Story-Pfade seien "abwechslungsreich", die Jagd nach den Monstern "fesselnd". Bei "GameSpot" freut man sich ebenfalls über die Open World: Game Freak habe "endlich die Stützräder von Pokémon abgenommen".

Vieles an den neuen Editionen "unterhält" und "ist aufregend", bisweilen "frisch" - so "Der Standard". "Metro Game Central" bringt die Mischung aus Licht und Schatten wie folgt auf den Punkt: Sieht man von den technischen Mängeln ab, sei das neue Pokémon-Erlebnis "das ehrgeizigste und unterhaltsamste Pokémon seit Langem".

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren