Welcher ist der beste Dienst?

Telefonie per Messenger

Die Messenger Whatsapp, Facebook und Signal sind vor allem wegen ihrer Chat-Funktion und zum Versenden von Fotos oder Videos bekannt. Doch mit den Messengern lässt sich mittlerweile auch telefonieren.
23.02.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Telefonie per Messenger
Von Carolin Henkenberens
Telefonie per Messenger

Messenger

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Die Messenger Whatsapp, Facebook und Signal sind vor allem wegen ihrer Funktion zum Chatten und Versenden von Fotos oder Videos bekannt. Doch mit den Messengern lässt sich mittlerweile auch über das Internet telefonieren. Damit werden die SMS-Ersatz-Dienste zu nützlichen und kostengünstigen Alternativen für all jene Menschen, die viel telefonieren, aber keine Flatrate haben, oder die mit im Ausland lebenden Freunden in Kontakt bleiben wollen. Egal wo auf dem Globus der Gesprächspartner gerade ist: Es wird meistens kein Auslandstarif fällig.

Mit der Möglichkeit zum internetbasierten Telefonieren reagieren die Messenger-Dienste auf einen weltweiten Trend. Zwar ist Internettelefonie seit dem Erscheinen von Skype im Jahr 2003 verbreitet. Doch der neue Trend heißt: mobiles Voice over Internet Protokoll (VoIP). Das bedeutet: Es wird nicht mehr nur am Computer per Headset über das Internet telefoniert, sondern auch mit dem Handy. VoIP-Technologie ersetzt aber auch klassische Festnetzanschlüsse. In etwa einem Jahr sollen die letzten ISDN-Anschlüsse der Telekom abgeschaltet sein, viele Telefonanbieter haben ihre Netze längst umgestellt. Auch für Unternehmen ist Internettelefonie ein wichtiges Thema. Die IT-Messe Cebit, die im März wieder in Hannover stattfindet, hat der Internet-basierten Kommunikation eigens einen Ausstellungsschwerpunkt gewidmet.

Für Verbraucher ist der Trend eine Chance, Geld zu sparen: Abgesehen von den Kosten für die Internetverbindung fallen oft keine weiteren Gebühren an. Mitunter ist die Sprachqualität sogar besser als über das Festnetz. Im ICE der Deutschen Bahn zum Beispiel lassen sich dank der kostenfreien Wlan-Verbindung akzeptable Gespräche über Messenger führen, normale Telefonate brechen oft ab. Doch welche App kann was und wie hoch ist der Datenverbrauch? Wir stellen fünf gängige Messenger mit Telefonie-Funktion vor und geben einen Überblick über die wichtigsten Eigenschaften.

Whatsapp

Dank seiner weiten Verbreitung entwickelt sich Whatsapp als echte Alternative zum klassischen Telefonieren. Der größte Vorteil des Messengers ist somit die Erreichbarkeit vieler Kontakte. Die kostenlosen Anrufe klappten im Test gut. Selbst Anrufe in entlegene Regionen wie Nordirak oder nach Benin hatten eine akzeptable Sprachqualität, wenngleich die Verbindung ab und an unterbrach. Gelegentlich kam es zu Verzögerungen bei der Übermittlung. Wie das Computertechnik-Magazin c‘t in einem aktuellen Test (Heft 5, 2017) herausfand, ist der Datenverbrauch bei der Whats­app-Telefonie-Funktion mit 15 Megabyte pro telefonierter Stunde äußerst gering. Die Datensparfunktion sei einmalig, schreibt die Fachzeitschrift. Ist die Funktion aktiviert (unter Einstellungen und Datennutzung), verringert Whatsapp die Sprachqualität, um Datenvolumen zu sparen. Das Manko von Whatsapp ist jedoch die Sicherheit. Die Kontakte werden mit Facebook synchronisiert, ebenso wie die eigene Telefonnummer.

Facebook-Messenger

Wer auf seinem Handy Facebook nutzen will, kommt um den Messenger nicht mehr herum. Dieser Installations-Zwang ist zunächst einmal ärgerlich. Doch die Telefonfunktion bietet auch Vorteile: So lässt sich damit auch ohne eingelegte Simkarte telefonieren. Anrufe sind wie bei Whatsapp nur zu anderen Nutzern möglich. Es spielt dabei jedoch keine Rolle, ob diese die mobile Version nutzen oder nicht. Auch Gruppenanrufe sind möglich. Wer seine Freunde nicht erreichen kann, kann eine Sprachnachricht hinterlassen. Die Sprachqualität der Anrufe ist ähnlich gut wie bei Whatsapp. Laut c‘t-Magazin beträgt der Datenverbrauch bei einer Stunde Telefonieren 20 Megabyte. Doch wie bei Whatsapp gilt zu bedenken, dass der Verbleib der Metadaten unklar bleibt. Wie lange, wann und mit wem jemand telefoniert hat, liegt auf Facebooks Servern.

Skype

Die Großmutter der Internettelefonie ist auch als App zu haben. Der Vorteil des Dienstes: Es sind nicht nur Skype-Kontakte erreichbar, sondern auch alle Festnetz- oder Mobilfunknummern weltweit. Diese Anrufe kosten allerdings extra. Der Preis richtet sich nach dem Land, in das der Anruf geht. Für Gespräche ins deutsche oder französische Festnetz etwa werden 2,1 Cent pro Minute fällig. Die App überträgt die Kontakte des Handyspeichers. Das ist praktisch, verleitet aber zu kostenpflichtigen Anrufen. Gruppenanrufe sind möglich. Im Test dieser Redaktion konnte ohne Wlan nur eine brüchige Verbindung aufgebaut werden. Das verwundert nicht beim Blick auf den Datenverbrauch. Der ist laut c‘t-Magazin mit 45 Megabyte für eine Stunde Telefonieren relativ hoch. Selbst im Stand-by-Modus verbrauche Skype monatlich 1,1 Megabyte. Außerdem: Auch hinter Skype steht ein multinationales Unternehmen (Microsoft), das Metadaten über getätigte Anrufe erhält.

Signal

Die App Signal punktet mit dem starken Fokus auf Datenschutz. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterscheidet diesen Dienst von anderen. Die Entwickler „Open Whisper Systems“ versprechen, dass niemand die Gespräche mithören kann. Sogar der Ex-Geheimdienst-Mitarbeiter und Whistleblower Edward Snowden wirbt für die über Spenden finanzierte App. Die lässt zwar Extras wie die Option zu Gruppentelefonaten, Video-Anrufen oder Anrufen ins Fest- oder Mobilfunknetz weg und bietet lediglich kostenlose Anrufe zu anderen Signal-Nutzern. Doch dieser Basisdienst ist solide. Die Sprachqualität war im Test durchgehend gut, selbst wenn man sich nicht im Wlan befindet. Aussetzer gab es im Test-Telefonat keine. Auch in puncto Datenverbrauch überzeugt die Telefonie-Funktion der App. Im Test der Zeitschrift c‘t schnitt sie gut ab dank Werten von nur 19 Megabyte pro Stunde (beim Telefonieren) und 0,2 Mbyte monatlich (im Stand-by-Modus). Ein Nachteil: Die App braucht mehr Nutzer.

Hangouts

Die Messenger-App von Google ermöglicht es, andere Hangouts-Nutzer kostenlos anzurufen. In unserem Test mit mobilem Internet (H+) hat ein Anruf nach Südkorea gut funktioniert. Die Sprachqualität war sehr gut, die Stimme nicht verzerrt, die Verbindung kam rasch zustande. Auch Videoanrufe sind möglich. Mit einer zweiten App, Hangouts-Telefon, sind auch Telefonate ins Fest- und Mobilfunknetz möglich. Dabei wird dem Angerufenen auf Wunsch die eigene Mobilnummer angezeigt. Dies ist ein Unterschied zu Skype, das keine Nummer anzeigt. Auch sind die Tarife günstiger als Skype. Eine Minute ins deutsche oder französische Festnetz kostet 1,2 Cent pro Minute. Der Datenverbrauch beträgt beim Telefonieren 45 Megabyte je Stunde, was relativ hoch ist. Im Stand-by-Modus sind es weniger als 0,1 Mbytes im Monat.

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