Teure Party: Discjockeys kritisieren neue Gema-Gebührenordnung

Delmenhorst. Discjockeys stehen möglicherweise teure Zeiten ins Haus. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) plant, zum 1. April eine neue Pauschale einzuführen, nach der DJs für jede digitale Kopie eines Liedes 13 Cent zahlen sollen. Die Betroffenen finden das alles andere als fair.
13.03.2013, 05:00
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Teure Party: Discjockeys kritisieren neue Gema-Gebührenordnung
Von Justus Seebade

Delmenhorst. Discjockeys stehen möglicherweise teure Zeiten ins Haus. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) plant, zum 1. April eine neue Pauschale einzuführen, nach der DJs für jede digitale Kopie eines Liedes 13 Cent zahlen sollen. Die Betroffenen finden das alles andere als fair.

"Money, money, money" – wer kennt ihn nicht, den Siebzigerjahre-Hit der schwedischen Popband ABBA. In dem Lied dreht sich alles, der Titel verrät es bereits, um das Thema Geld. Um die Stichworte "Musik" und "Geld" geht es auch in einem Vorhaben der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema), das all denen, die von Berufs wegen auf Lieder wie "Money, money, money" angewiesen sind, gar nicht gefallen dürfte.

Wenn die Musik von einem Rechner abgespielt wurde, mussten bislang die Veranstalter einen 30-prozentigen Zuschlag auf die Gema-Gebühren zahlen, die sogenannte Laptop-Pauschale. Genau das soll sich nun ändern. "Die Vervielfältigungsrechte werden ab 1. April nicht mehr pauschal je Veranstaltung erhoben, sondern von dieser entkoppelt", erläutert die Gema auf ihrer Facebook-Seite ihre Idee. Die Lizenzvergütung von 13 Cent je vorgenommener Vervielfältigung sei gerechter, "denn dadurch wird nach den tatsächlichen Vervielfältigungen abgerechnet". Der neue Tarif sei dementsprechend unabhängig von der Höhe der Lizenz für die Wiedergaberechte, die für die Veranstaltung fällig werden.

Bei den Betroffenen stößt die Planung der Gema auf wenig Gegenliebe. Aus Sicht des Delmenhorster DJs Dino Carrozzo, Besitzer des "Next"-Clubs in Bremen und Teil des bei allen möglichen Veranstaltungen auflegenden "Night-Life-Teams", ist der angekündigte Tarif vor allem "Geldmacherei seitens der Gema. Die verlangen Geld in einer Höhe, die unangemessen und utopisch ist." Schließlich rede man je nach Größe der Mp3-Sammlung teilweise von Beträgen im vierstelligen Bereich, "und das Jahr für Jahr wieder". Angesichts dessen kann sich Carrozzo durchaus vorstellen, dass es in Delmenhorst und Umgebung künftig weniger Feiern geben wird. "Das wird sich definitiv auswirken", schätzt er. Eine Möglichkeit, die neue Gebühr zu umgehen, bestehe darin, Gema-freie Musik zu spielen. Allerdings sei dies eine rein theoretische Idee. "Das ist ja nicht das, was die Leute hören wollen."

Auch die Kunden und Besucher hätten laut Carrozzo wenig zu lachen, wenn der neue Tarif tatsächlich in Kraft treten sollte. "Dank der Mehrabgaben wird dann im Endeffekt der Kunde belastet. Getränke- und Eintrittspreise müssten erhöht werden, weil es sich anders nicht mehr rechnet." Allerdings müsse man jetzt erst einmal schauen, "was die Zukunft bringt".

Genau das findet auch sein Kollege Gerrit Steg, als DJ GerSte ebenfalls Teil des "Night-Life-Teams". "Wir sollten erstmal gucken, wie das alles ausgeht", gibt er sich betont entspannt. "Es gibt noch viele Unklarheiten. Für mich ist das momentan noch ziemlich viel Panikmache." Dennoch heißt auch Steg die Pläne der Gema alles andere als gut. "Ich hätte nichts dagegen, wenn die Preise fair gestaltet wären." Genau das sei aber eben nicht der Fall. "Wer beispielsweise 20000 Lieder hat, müsste dann 2600 Euro pro Jahr bezahlen", rechnet Steg vor. "Und das ist kein fairer Preis." Ganz zu schweigen davon, dass 20000 Lieder noch gar nicht mal so viele seien. Um die Kosten möglichst gering zu halten, könne man das Lieder-Repertoire natürlich beschränken. "Pro Abend spielt man in der Regel etwa 130 bis 160 Songs", erklärt Steg. Mit einem festen Stamm von 500 Stück auf einer Festplatte könne man dann beispielsweise schon einige Musik-Felder abdecken. "Das geht dann zuungunsten der Gäste, weil man nicht jeden Wunsch spielen kann", erklärt Steg. Und ob das Publikum DJs ohne Auswahl wünscht, darf bezweifelt werden.

Ein Ort, an dem es ganz viel Musik gibt und der somit viele Wünsche erfüllen kann, ist das Internet. Daher kann sich der Delmenhorster DJ auch gut vorstellen, dass dieses in Zukunft häufiger genutzt wird. "Gut möglich, dass der Trend dahin geht."

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