Sicherheit im Internet

Tipps zur digitalen Selbstverteidigung

Ob bei Google, Whatsapp oder Facebook: Im Netz werden kontinuierlich persönliche Daten gesammelt, verkauft oder gar gehackt. Eine Expertin verrät, wie Nutzer sich mit einfach Mitteln schützen können.
08.05.2019, 18:14
Lesedauer: 5 Min
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Tipps zur digitalen Selbstverteidigung
Von Elena Matera
Tipps zur digitalen Selbstverteidigung

Ob vor Hackern oder großen Unternehmen – sensible Daten sind oft nicht gut genug geschützt.

Oliver Berg

E-Mails schreiben, online einkaufen oder noch schnell etwas googeln – wer sorglos im Internet surft, hinterlässt zahlreiche Spuren. Oft sind es persönliche Daten. Dabei ist es egal, ob man ein Smartphone, Computer oder Tablet benutzt. Die Folge: E-Mail-Postfächer, private Internetkonten und sensible Daten können leicht gehackt werden. Auch Betreiber vieler Internetseiten nutzen die Flut an ungeschützten Daten aus, geben sie an Unternehmen weiter. Diese können mithilfe der Daten Nutzerprofile erstellen und perfekt zugeschnittene Werbung schalten. Unternehmen wie Google oder Facebook machen ein Riesengeschäft mit dem Datenhandel. Doch es gibt Möglichkeiten, die persönlichen Spuren im Netz zu verwischen. Und das ist bereits ganz einfach im Alltag umzusetzen, meint Kerstin Demuth, Referentin für Datenschutz und Grundrecht beim Verein Digitalcourage. Sie hat einige grundlegende Tipps, die helfen können, private Daten zu schützen:

Die Google-Alternative

Die Suchmaschine Google ist noch immer die meistbesuchte Internetseite weltweit. Was viele nicht wissen: Googles Geschäftsmodell ist die Werbung, und zwar Werbung, die auf Personen zugeschnitten ist. „Bei jeder Suche werden persönliche Daten gesammelt, um dem Nutzer passendere Werbung anzuzeigen", sagt Kerstin Demuth. "Das wird vor allem dann problematisch, wenn es um sensible Themen geht. Viele Nutzer googeln etwa nach Krankheiten oder nach Problemen, die sie unbekannten Menschen normalerweise nicht erzählen würden." Doch Google sammelt eben diese Daten und verkauft sie. Demuth empfiehlt daher eine alternative, sichere Suchmaschine: Startpage. Diese zeigt Google-Ergebnisse an, allerdings anonymisiert und geschützt. "Startpage ist kostenlos, einfach zu bedienen und daher ein guter erster Schritt, um sich vor der Datensammlung zu schützen."

Firefox als Browser verwenden

Wer im Internet surfen möchte, benötigt dazu einen sogenannten Webbrowser, etwa Google Chrome, Firefox oder Opera. Firefox ist laut Demuth die beste Option für den normalen Nutzer. Der Vorteil: Man kann sogenannte Add-Ons zur Sicherung der Privatsphäre hinzufügen, kostenlose Erweiterungen, die ganz leicht zu installieren sind. Demuth empfiehlt dabei vor allem die Erweiterung Privacy Badger. Diese erkennt Anfragen von sogenannten Trackern – Datensammlern, die von Unternehmen eingesetzt werden. „Gerade Google und Facebook haben auf zahlreichen Seiten Tracker untergebracht, die dann Profile von den Nutzern erstellen. Das ist vielen nicht bewusst", sagt Demuth. Privacy Badger blockiert die Tracker.

Sichere Navigation

Ob der Weg zur Geburtstagsfeier oder zur nächsten Tankstelle – Google Maps ist meist die erste Hilfe, um sich navigieren zu lassen. Doch auch dort werden die Daten gesammelt. GPS und Wlan verraten Google etwa, wo sich die Smartphone-Nutzer aufhalten. Demuth hat daher einen alternativen Tipp zur Navigation: die Karte Openstreetmap. Diese Seite ist ein freies Projekt, das ähnlich wie Wikipedia funktioniert. Denn die Nutzer können selbst an der Karte editieren. „Dadurch findet man selbst kleinere Trampelpfade. Openstreetmap ist damit teilweise sogar deutlich detaillierter als Google Maps und gleichzeitig überwachungsfrei“, erklärt Demuth. Openstreetmap kann sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Smartphone benutzt werden.

Vertrauenswürdige E-Mail-Anbieter

Auch E-Mails stehen unter ständiger Beobachtung. Große kostenlose E-Mail-Anbieter, wie gmx.de oder web.de scannen den E-Mail Verkehr bewusst zu Werbezwecken. „Wer das vermeiden will, kann E-Mails verschlüsseln. Einfacher ist es jedoch, gleich den Anbieter zu wechseln“, sagt Demuth. In Deutschland gibt es bisher zwei Anbieter, die per Verschlüsselungssytem die Privatsphäre schützen: mailbox.org und posteo.de. Allerdings müssen Nutzer für diese Sicherheit einen kleinen Beitrag zahlen, rund zwölf Euro pro Jahr.

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Hilfe für unknackbare Passwörter

123456 war das beliebteste Passwort der Deutschen 2018. Eine derartige Zahlenabfolge ist allerdings unsicher und leicht zu knacken. Doch was macht ein gutes Passwort aus? Die Empfehlungen gehen dabei stark auseinander. Klicksafe, die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, empfiehlt Passwörter mit der Mindestanzahl von acht Zeichen. Der Verein Digitalcourage schlägt hingegen vor, mindestens zwölf Zeichen zu verwenden. "Haustiernamen oder Namen und Geburtsdaten von Familienmitgliedern sollte man außerdem vermeiden“, rät Demuth. Es sei besser, eine sogenannte Passwortverwaltung zu installieren wie etwa Keepass. Dort werden automatisch sichere Passwörter generiert. Wem das zu umständlich ist, kann laut Demuth auch sogenannte Passphrasen verwenden. „Man schreibt die erste Zeile des Lieblingsgedichts und streicht dann einige Zeichen heraus und fügt Zahlen ein. Das können sich viele besser merken, als irgendeine kryptische Zahlenfolge.“

Signal statt Whatsapp oder Telegram

Whatsapp ist ein weltweit beliebter Nachrichtendienst. Vor fünf Jahren wurde er von Facebook aufgekauft. Das ist problematisch, findet Demuth. „Whatsapp, Instagram und Facebook gehören zum Facebook-Konzern. Alleine eine solche Monopolstellung ist bereits bedenklich.“ Eine perfekte Alternative zu Whatsapp gibt es laut Demuth derzeit nicht. Empfehlen würde die Referentin für Datenschutz und Grundrechte am ehesten den Nachrichtendienst Signal. „Für viele ist es allerdings schwierig zu wechseln, da die meisten Freunde oft bei Whatsapp sind. Man sollte dann versuchen, mit den Freunden zu sprechen, sie zu animieren.„ Auch der Dienst Telegram wurde lange Zeit als sichere Alternative zu Whatsapp gehandelt. „Das hat sich geändert“, erklärt Demuth. Telegram sei zwar verschlüsselt. Doch diese Verschlüsselung wurde mindestens einmal schon geknackt. Außerdem behalte sich Telegram seit Kurzem vor, die Daten der Nutzer an Polizei und Geheimdienste herauszugeben.

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Weniger ist mehr

„Sich vor Facebook zu schützen ist tatsächlich schwierig, auch wenn man keinen Account hat", sagt Demuth. Facebook sollte man daher am besten gar nicht nutzen. „Das Maß an Ausspähung ist wirklich gruselig. Es wird gespeichert, wie schnell man durch die Timeline scrollt, wann man eine Pause macht zum Lesen, die Mauszeigerbewegung wird analysiert und sogar die Rechtschreibung.“ Instagram gehört zu derselben Unternehmensgruppe wie Facebook. Auch dort werden Daten gesammelt und ausgewertet. Laut Demuth sollte man am besten Facebook, Twitter und Instagram ganz vermeiden und auf geschützte soziale Netzwerke zurückgreifen, wie Friendica. Wer sich nicht von Facebook und Co. trennen kann, sollte bei den Seiten Folgendes beachten: immer ausloggen, Cookies löschen und die Seiten am besten nur auf dem Computer zu Hause oder auf einem separaten Browser öffnen. „Sobald man Facebook oder Instagram auf einem Mobilgerät besucht, wird auf den Standort zugegriffen“, sagt Demuth. „Wer die Seiten regelmäßig öffnet, gibt damit preis, wo man wohnt, wo man arbeitet, wo man oft zu Besuch ist.“ Grundsätzlich sollte man auf sozialen Netzwerken so wenig Privates wie möglich teilen.

Ob alternative Suchmaschinen oder sichere Navigation – geschützt im Netz surfen muss nicht kompliziert sein. „Es wäre allerdings schöner, wenn wir all diese Tipps gar nicht erst brauchen würden", sagt Demuth. Letztendlich sieht sie die Politik in der Pflicht, Gesetze zu verabschieden, die ein Grundrecht auf Privatsphäre beim Gebrauch technischer Geräte gewährleisten. Bis dahin wird Demuth vor allem eines machen: aufklären.

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