Videospiel-Test: "LiS: True Colors"

Emotionen in allen Farben

Mit "Life is Strange: True Colors" wagt sich Deck Nine Games an den ersten eigenständigen Titel der Reihe. Auch wenn das Spiel in einigen Belangen überzeugt, kommt es nicht an die Qualität der Vorgänger ran.
20.09.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Niklas Golitschek

Empathie als Superkraft: Mit "Life is Strange: True Colors" erhält die viel gelobte Videospiel-Reihe einen neuen Ableger, der auch inhaltlich neue Schwerpunkte setzt. Unter geänderter  Federführung entfaltet das grafische Abenteuer allerdings nicht die Strahlkraft seiner Vorgänger.

Ganz neu in diesem Genre bewegt sich das amerikanische Entwicklerstudio "Deck Nine Games" allerdings nicht. Es hatte für die Marke bereits ein durchaus gelungenes Prequel zum ersten Teil beigesteuert. Umso mehr verwundert es, dass das Team nun Kernelemente der Reihe vernachlässigt.

Die beiden bisherigen "Life is Strange"-Teile haben vor allem mit Gesellschaftskritik brilliert. Zuerst das Highschool-Drama um Max und Chloe mit Fokus auf Mobbing. Dann die Flucht des Brüderduos Sean und Daniel, das sich immer wieder den rassistischen Strukturen in den USA ausgesetzt sieht. Einen solchen Fokus setzt "True Colors" nun nicht mehr.

Tiefgründiger Charakter

Mit Alex Chen haben die Entwickler einen durchaus interessanten und tiefgründigen Charakter gestaltet. Nach schwieriger Kindheit ist sie in verschiedenen Pflegefamilien und Kinderheimen aufgewachsen. Nun will sie im Bergarbeiter-Dorf ihres Bruders Gabe, der seine Jugend im Gefängnis verbracht und wieder in die Spur gefunden hat, einen Neustart wagen. Doch Alex hat eine Fähigkeit, die Fluch und Segen zugleich sein kann: Starke Emotionen anderer Menschen nimmt sie als Farben wahr und kann die Gedanken dazu lesen. Die braucht sie auch, um den tödlichen Unfall ihres Bruders nach einer nicht gestoppten Sprengung bei der Mine aufzuklären.

Einiges an der Handlung kommt dabei bekannt vor. Das heruntergekommene Bergarbeiter-Städtchen, der mysteriöse Mord, die Detektivarbeit – mit "Twin Mirror" hat Dontnod erst im vergangenen Jahr einen Titel herausgebracht, dessen Szenario "Life is Strange: True Colors" nun verblüffend ähnelt. Das fällt umso mehr ins Auge, da die Pariser Entwickler für die ersten beiden "Life is Strange"-Teile verantwortlich gezeichnet haben. Gleichwohl setzt sich der Deck-Nine-Titel bei Handlung und Charakteren deutlich davon ab.

An vielen Stellen vorhersehbar

Obwohl "True Colors" authentische Charaktere und interessante Handlungsstränge bietet, kommen diese doch nicht an die Qualität der Vorgängerspiele heran. Insbesondere die nun erstmals in deutscher Sprachausgabe geführten Dialoge sind im Vergleich deutlich kürzer gehalten und kommen mit weniger Auswahlmöglichkeiten daher, um als Spieler Einfluss auf die Charakterbeziehungen zu nehmen. Zumal der Verlauf an vielen Stellen zu vorhersehbar ist und das Ende recht abrupt kommt.

Grafisch legt der neue "Life is Strange" dagegen erkennbar zu und transportiert vor allem in den Gesichtern deutlich mehr Emotionen. Gleichzeitig bleiben die Entwickler dem Stil mit weich gezeichneten Charakteren treu. Akustisch weiß "True Colors" mit lizenziertem Soundtrack und eigenen Stücken ebenfalls zu gefallen und spielt sich noch ein bisschen flüssiger als die Vorgänger. Doch auch wenn vieles gelingt, fühlt es sich eben nicht wie das typische "Life is Strange" an.

Info

Story: 4/7
Grafik: 5/7
Sound: 6/7
Steuerung: 5/7

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