Videospiele im Test

Segeltörn ins Ungewisse

In „Windbound“ gilt es, mysteriöse Ruinen zu reaktivieren und herauszufinden, warum Protagonistin Kara von ihrem Stamm getrennt wurde. Vor allem aber gibt es eine abwechslungsreiche Spielwelt zu erkunden.
07.09.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gerald Weßel
Segeltörn ins Ungewisse

Ein typischer ­Moment in „Windbound“: Die Anfahrt mit dem selbst gebauten Bambus-­Katamaran auf eine noch unbekannte Insel.

privat

Der Wind bläht das Segel auf, der Bambusrumpf des Schiffes stemmt sich behäbig in die Welle. Die anfangs noch ferne Insel ist inzwischen weit mehr als nur ein schemenhafter Umriss geworden: An Land warten steile Klippen, gegen die die Brandung donnert, ein Strand an der gegenüberliegenden Inselseite und ein windschiefer, von den Elementen zerschlissener Steinturm. Aufgeregt tritt eine junge Frau in den feuchten Untergrund am Ufer und macht sich an die Erkundung. Momente wie dieser sind bei dem neuen Überlebens-Abenteuerspiel „Windbound“ an der Tagesordnung.

Die Protagonistin Kara bleibt zu Spielbeginn nach einem schweren Sturm getrennt von ihrem Stamm an den Ufern einer Insel zurück. Die Gestrandete hat nicht mehr als ein Messer. Zum Kampf ist dieses in der Inselwelt wenig zu gebrauchen, aber dafür ist es perfekt geeignet, um die ersten Rohstoffe zu ernten. Diese wiederum werden gebraucht, um neue Ausrüstungsgegenstände und vor allem das eigene Wassergefährt zu bauen. Aus einem kleinen Kanu aus Gras wird schnell eine Art Katamaran-Hausboot mitsamt Segel und Möglichkeiten zur Lagerung von Gegenständen. Die Optionen zum Aufbau und zur Ausstaffierung des Bootes sind beachtlich. Aber die dafür nötigen Ressourcen wie Gras und Bambus liegen nicht nur einfach herum, sondern müssen auch durch Jagd mit Pfeil und Bogen, Schleuder oder Speer errungen werden. Ziel des Spieles ist es außerdem, mysteriöse Ruinen zu reaktivieren und das Rätsel zu lösen, weshalb Kara überhaupt von ihrem Stamm getrennt worden ist.

Die spielerischen Stärken liegen in der Erkundung der abwechslungsreichen Spielwelt, denn die Inseln variieren nicht nur in Größe und Gestalt, sondern auch in Bezug auf ihre Flora und Fauna. Aus diesen vielfältigen Landschaften ragen immer wieder gigantische steinerne Monumente heraus, zu deren Füßen kleinere, bis zur Unkenntlichkeit verfallene Bauten darauf warten, untersucht zu werden.

Die Optik und die Atmosphäre von all dem wissen zu gefallen. Die Grafik ist simpel und erinnert in ihrer Art an „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ oder auch „The Wind ­Waker“, allerdings ohne dessen Exzellenz zu erreichen. Die Texturen und Objekte im Comic-Stil sind nicht detailliert, aber harmonieren gut als ein Ganzes. Der Star der grafischen Präsentation ist allerdings ohne Zweifel das Wasser. Der je nach Wetter unterschiedlich raue Ozean sieht superb aus. Auch die Beleuchtung unterstützt die Atmosphäre der verschiedenen Inseln schön.

Die Musik ist meist unauffällig, die Soundkulisse solide. Die Rahmenhandlung ist interessant, wenn auch kryptisch, da das Spiel wenig auf dem Silbertablett präsentiert und den geneigten Zuschauer zwingt, sich die Geschichte dieser in Ruinen daliegenden Welt auf eigene Faust zu erschließen. Doch was „Windbound“ im Kern ausmacht, ist die Neugier auf die freie Erkundung. Zu jeder Zeit ist in der Ferne mindestens ein spannender Ort zu erkennen und dort angekommen motiviert die Spirale aus Sammeln, Schiffs- und Ausrüstungsbau zusätzlich.

„Windbound“ bietet beim Start zwei Schwierigkeitsgrade an: Überleben und Geschichte. Zumindest für den ersten Spieldurchgang bietet sich der leichtere an, da manche Elemente des Spiels vor allem Bildschirmtode sehr harsch bestrafen.

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