Videotelefonie Weihnachten im digitalen Kreis der Familie

Weihnachten wird anders begangen werden, als gewohnt. Statt räumlicher Nähe ist 2020 das Jahr der sozialen Distanz. Um dennoch im Kreise der Familie feiern zu können, bieten sich Videochats an.
05.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Weihnachten im digitalen Kreis der Familie
Von Rebecca Sawicki

Die Feiertage sollen das Fest der Familie sein, bis zu zehn Personen dürfen sich nach Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz an Weihnachten treffen. Trotzdem dürfte bei vielen Familien das Fest in diesem Jahr anders begangen werden als gewohnt. Statt des physischen Treffens könnte zum Beispiel auf digitale Zusammenkünfte ausgewichen werden. Gemeinsam mit Leif Kramp vom Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen hat der WESER-KURIER die wichtigsten Fragen zur Videotelefonie geklärt.

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Welche Anbieter gibt es?

Das Angebot im Bereich der Videotelefonie wächst zusehens. „Für den privaten Kontext bieten sich vor allem niedrigschwellige Dienste an, die zum Beispiel mit der Telefoniefunktion meines Smartphones verbunden sind“, sagt Leif Kramp. Mit niedrigschwellig sind Programme wie Skype, Whatsapp, Google Hangouts oder Facetime von Apple gemeint. „Wenn man sich erst einmal einloggen oder eine extra App runterladen muss, ist das Vielen zu anstrengend“, sagt Kramp. Für kleinere Gruppen reichen diese Programme nach Ansicht des Wissenschaftlers aus. Gerade die Stabilität sei allerdings häufig problematisch, sobald zu viele Parteien an dem Gespräch teilnehmen. „Die technische Stabilität ist ein Grund, warum sich zum Beispiel die Plattform Zoom im institutionellen und geschäftlichen Kontext durchgesetzt hat“, sagt er. Ähnlich stabil bei einer großen Anzahl von Menschen seien außerdem Open-Source-Anbieter wie beispielsweise Jitsi. „Solche Angebote haben den Vorteil, dass man sie sich auf dem eigenen Server installieren kann“, erklärt er. Dadurch hänge die Stabilität von den eigenen Serverkapazitäten ab.

Wie sicher ist Videotelefonie?

Mittlerweile sind die meisten Angebote End-zu-End-verschlüsselt. „Der Markt hat bereits zum Teil auf die Datenschutzbedürfnisse der Kunden reagiert“, sagt Kramp. Welche Daten der Dienst nutzt, lässt sich allerdings auch durch die Nutzungsbedingungen herausfinden. Gerade neue Dienste hätten am Anfang häufiger Sicherheitslücken, die allerdings mit der Zeit und der Erfahrung geschlossen würden. „Wenn man Sicherheitsbedenken hat, sollte man nachschauen, in welchem Land der
Service sitzt. Datenschutzbestimmungen sind außerhalb der EU sehr unterschiedlich“, sagt Kramp.

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Muss das Programm heruntergeladen werden?

Kurz gesagt: Ja. „Diese Dienste, so technisch ausgereift sie sein mögen, funktionieren über Browser in der Regel schlechter als in Form einer nativen App“, sagt Kramp. Das habe damit zu tun, dass Videotelefonie sehr viel Rechenleistung brauche, um stabil zu funktionieren. Werden Programme im Webbrowser genutzt, haken sie häufiger. Aber auch wenn die Programme gedownloaded sind, muss darauf geachtet werden, dass die eigene Rechenleistung ausreicht. „Man sollte Hintergrundprozesse, die man nicht zwingend braucht, abschalten, um die Stabilität zu gewährleisten“, sagt Kramp. Ein störungsfreies Gespräch könne nicht zustande kommen, wenn der Computer Hintergrundprozesse laufen habe und so seine Rechenleistung aufteile. „Das kann man so betrachten: Unter dem Tannenbaum würden wir auch nicht nebenher Bilder sortieren, wenn die Familie beisammen ist“, verdeutlicht der Wissenschaftler, „Videotelefonie ist bei der besten Breitbandleitung immer noch sehr ressourcenfressend.“ Am besten funktioniere sie letztlich über das Smartphone: „Das ist meistens am stabilsten, gerade weil es sich um Apps handelt“, sagt der Fachmann.

Kostet die Software Geld?

Viele Programme können kostenlos genutzt werden. Manche, wie beispielsweise Facetime, sind bereits auf den Geräten vorinstalliert. Andere, wie der Whatsapp-Videoanruf, sind in die App integriert. Geld kosten meistens nur die Business-Programme, wie zum Beispiel Skype for Business.

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Was wird zusätzlich benötigt?

Da die meisten Smartphones und Laptops sowohl eine integrierte Kamera als auch ein integriertes Mikrofon haben, eigentlich nichts. „HD-Kameras brauche ich eigentlich nur, wenn ich regelmäßig Online-Workshops gebe“, sagt Kramp. Dennoch käme es immer auf die eigenen Ansprüche an und spätestens, wenn der Laptop an einem weiteren Bildschirm angeschlossen ist, bräuchte es nach Ansicht des Wissenschaftlers eine zusätzliche Kamera – eine sogenannte Webcam. „Meistens ist der Laptop dann entweder zur Seite gestellt oder zugeklappt“, sagt Kramp. Dadurch gehe die Nähe, die Videotelefonie mit sich bringen sollte, verloren, wenn es keine weitere Kamera gebe.

Wohin mit der Kamera?

Da Videotelefonie eine Möglichkeit ist, sich auch in Zeiten von sozialer Distanz nahe zu sein, ist die Position der Kamera wichtig. „Ich kann eine kleine Webcam beispielsweise direkt vor den Bildschirm stellen“, sagt Kramp, „dann kann ich in die Kameralinse und gleichzeitig das Videobild meines virtuellen Gegenübers sehen.“

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