Rennspiel für die PS4 im Test

Warum F1 2019 trotz kleiner Mängel ein Muss für Motorsportfans ist

Auch mit F1 2019 punktet Codemasters bei Motorsportfans. Mit dem neuesten Ableger der Erfolgs-Lizenzserie ist den Entwicklern trotz kleiner Mängel eine geglückte Weiterentwicklung gelungen. Warum, sehen Sie hier.
13.07.2019, 10:26
Lesedauer: 5 Min
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Warum F1 2019 trotz kleiner Mängel ein Muss für Motorsportfans ist
Von Marlo Mintel
Warum F1 2019 trotz kleiner Mängel ein Muss für Motorsportfans ist

Alle Originalteams und -fahrer der Formel 1 sind in F1 2019 enthalten.

Codemasters

Irgendwann will Mick Schumacher wie sein Vater Michael in der Formel 1 fahren. Virtuell wird dem Schumi-Sprössling der Sprung in die Königsklasse des Motorsports deutlich früher gelingen. Denn erstmals ist im offiziellen Videospiel der Formel 1, F1 2019, die Formel 2 enthalten. Die Nachwuchsserie, zu der Mick Schumacher seit 2019 gehört, ist die größte Neuerung im Vergleich zum Vorjahr. Alle zwölf Meisterschaftsläufe der 2018er-Saison sowie alle Fahrer und Teams finden sich im neuesten Ableger von Codemasters wieder. Hinsichtlich der Daten für die laufende Saison um Mick Schumacher müssen sich die Spieler der Simulation noch etwas gedulden. Sie sollen im Laufe des Jahres als kostenloses Update folgen.

Nicht nur mit den Lizenzen für die Formel 2 ist dem britischen Entwickler ein Coup gelungen. Die Boliden der Nachwuchsklasse garantieren Fahrspaß und sorgen für frischen Wind. Sie unterscheiden sich von der Boliden der Formel 1: weniger PS und Abtrieb, längerer Bremsweg.

Codemasters hat die Formel 2 in den Karrieremodus integriert. Nachdem der Spieler einen fiktiven Rennfahrer erstellt hat, schlüpft er in dessen Rolle. Statt eine komplette Saison absolvieren zu müssen, wird er in drei verschiedene Szenarien geworfen, bei denen er nur die letzten Runden eines Rennens fahren muss. Allerdings hat das Resultat keine Auswirkungen auf den anschließenden Aufstieg in die Königsklasse. Es geht vielmehr darum, sich mit zwei fiktiven Charakteren zu messen: Teamkollege Lukas Weber und Devon Butler, dem ärgsten Rivalen. In anderen Worten: Gut und Böse. Während sich Weber in den integrierten Zwischensequenzen nach den Rennen als freundlicher Fahrer erweist, ist Butler der Buhmann der Serie. Codemasters bedient in der Story bei den Charakteren Klischees, die eher einer schlechten Scripted-Reality-Serie wie Berlin Tag & Nacht als einem gelungenen Format in einer Rennsimulation gleichen.

Die Boliden der Formel 2 steuern sich im Vergleich zu den Fahrzeugen der Königsklasse direkter und wendiger.

Die Boliden der Formel 2 steuern sich im Vergleich zu den Fahrzeugen der Königsklasse direkter und wendiger.

Foto: Codemasters

Ebenso verbesserungswürdig sind die im Vorgänger eingeführten Interviews nach den Rennen. Der Spieler muss Pressefragen beantworten, die sich auf seinen Teamgeist und Charakterstärke auswirken. Die einzige Herausforderung besteht für ihn darin, alle drei Antwortmöglichkeiten vor dem Ablaufen der Zeit durchzulesen. Besonders unlogisch ist, dass der Spieler immer wieder auf dieselbe Journalistin samt Kameramann trifft. Andere Fernsehsender sind neben der Strecke Fehlanzeige. Kein Kai Ebel, kein Florian König weit und breit. Schade.

Nach der Formel-2-Meisterschaft geht es gemeinsam mit Lukas Weber und Devon Butler in die Formel 1, die ärgerlicherweise reale Piloten aus ihren Cockpits verdrängen. Zumal die Geschichte um die fiktiven Charaktere in der Königsklasse nicht weiter erzählt wird. Das Startteam für die erste Saison können die Spieler selbst aussuchen. Das hat wenig mit der Realität zu tun. Nur sehr selten kommen Nachwuchsfahrer, wie beispielsweise Lewis Hamilton 2007, in ihrer Debütsaison in einem Spitzenteam wie Ferrari oder Mercedes unter.

Starke Grafik

Ziele der Karriere in F1 2019 sind: das Auto weiterzuentwickeln, Rennsiege einzufahren und Weltmeister zu werden. Wie schon im vorherigen Ableger sammelt der Spieler durch Streckenkunde, Qualifying-Simulationen und Reifenmanagement im Training Ressoucenpunkte. Diese können dann etwa für die Verbesserung der Motorleistung eingesetzt werden. Die gleichen Trainingsaufgaben werden aber nach nur wenigen Rennwochenenden eher lästig. Wer keine Lust hat, sämtliche Trainingsprogramme abzuspulen, kann erstmals in F1 2019 auch simulieren lassen. Die Konsequenz: Der Spieler erhält nicht alle Ressourcenpunkte, sondern nur die Hälfte.

Grafisch ist F1 2019 eine Augenweide.

Grafisch ist F1 2019 eine Augenweide.

Foto: Codemasters

Die Grafik in F1 2019 sticht heraus. Codemasters hat die Reifenmodelle komplett überarbeitet. Abgefahrene Reifen sehen im Spiel nun auch wie abgefahrene Reifen aus. Zudem beeindruckt bei Nachtrennen die Beleuchtung und Spiegelung.

Verbessert hat Codemasters auch das Kollisionsverhalten der Boliden, wenn diese auf der Strecke aneinandergeraten. Berührungen und Unfälle, die sich auch gelegentlich KI-Fahrer untereinander leisten, wirken dadurch viel realistischer.

Keine großen Veränderungen gibt es beim ohnehin hervorragenden Fahrverhalten der Formel-1-Boliden. Durch die neuen Front- und Heckflügel untersteuern die Boliden im Vergleich zum vorherigen Ableger etwas mehr. Nach wie vor sehr authentisch klingen die Motoren.

Gibt es in der Legends Edition: das 1990-Modell von Ayrton Senna.

Gibt es in der Legends Edition: das 1990-Modell von Ayrton Senna.

Foto: Codemasters

Ganz neu ist die Highlightfunktion nach den Rennen. Das Spiel schneidet automatisch Szenen zu einem Clip zusammen. Allerdings wirkt die Funktion deplatziert, da wichtige Überholmanöver oder Boxenstopps darin nicht gezeigt werden.

Neben allen klassischen Rennwagen des Vorjahres sind in F1 2019 die 2010er-Modelle vom Ferrari F10 und McLaren MP4-25 enthalten. Das volle Paket bekommt man erst dann, wenn man die rund zehn Euro teureren Legends Edition kauft, mit der zusätzlich die Boliden von Alain Prost und Ayrton Senna aus dem Jahr 1990 gesteuert, sowie acht Herausforderungen um das ikonische Duell bestritten werden können.

Multiplayer-Modus

Wie bereits in F1 2018 können online Einzelrennen oder Meisterschaften absolviert werden. Der Spieler sammelt für schnellste Rennrunden, Siege und Pole Positions Erfahrungspunkte. Neu im Online-Modus ist, dass man sein Fahrzeug so lackieren kann, wie man es möchte.

Bietet Sebastian Vettel auch in F1 2019 Paroli: Charles Leclerc, Ferrari-Teamkollege des vierfachen Formel-1-Weltmeisters.

Bietet Sebastian Vettel auch in F1 2019 Paroli: Charles Leclerc, Ferrari-Teamkollege des vierfachen Formel-1-Weltmeisters.

Foto: Codemasters
Fazit

Für Formel-1-Fans ist F1 2019 ein Muss. Verglichen mit dem Vorgänger hat Codemasters das Spiel in puncto Grafik deutlich verbessert. Zudem wurde das wie gewohnt herausragende Fahrgefühl der Boliden verbessert. Ein Kaufanreiz bietet die Implementierung der Formel 2, die das Spiel noch umfangreicher als ohnehin schon macht. Schade ist jedoch, dass im Karrieremodus, der arg nüchtern herüberkommt, keine komplette Saison in der Nachwuchsklasse möglich ist. Dass F1 2019 selbstverständlich mit allen Strecken, Fahrern, Teams und Regeländerungen der aktuellen Formel-1-Saison aufwartet, ist außerdem lobenswert.

Zu bemängeln sind einige Details. Es ist etwa befremdlich, dass wir das Rennen anführen und per Boxenfunk die Durchsage erhalten, dass wir "in den Top Ten" angelangt sind. Apropos Boxenfunk: Ebenso ist es schade, dass die Stimme immer dieselbe ist, egal, ob wir Ferrari oder Haas fahren. Auf den Tribünen abseits der Strecke lässt die Stimmung, wie etwa bei MotoGP 19, zu wünschen übrig. Auf den Kursen wirkt es so, als würden ausschließlich die Boliden für die Geräuschkulisse sorgen. Möchte Codemasters seinem Spiel noch mehr Realismus verleihen, wäre zum Beispiel ein jubelndes Team an der Boxenmauer bei der Zieldurchfahrt ein nettes Detail. Ebenso könnte ein Siegerinterview auf dem Podium wahre Formel-1-Fans erfreuen.

Weitere Informationen

Bewertung:

Story: 5/7

Grafik: 6/7

Ton: 5/7

Steuerung: 7/7

Erhältlich ist F1 2019 neben der PS4 für Xbox One und PC.

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