Seniorenverbände üben Kritik / „Zwei Drittel aller Online-Portale zu unübersichtlich“ Webseiten selten altersgerecht

Das Internet ist längst kein Platz mehr nur für junge Leute. Senioren erobern zunehmend die digitale Welt, kaufen dort ein oder vernetzen sich. Dennoch sind viele Webseiten alles andere als altersgerecht – oft ist die Schrift nicht gut lesbar oder die Struktur zu wirr.
03.11.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Webseiten selten altersgerecht
Von Stefan Lakeband

Das Internet ist längst kein Platz mehr nur für junge Leute. Senioren erobern zunehmend die digitale Welt, kaufen dort ein oder vernetzen sich. Dennoch sind viele Webseiten alles andere als altersgerecht – oft ist die Schrift nicht gut lesbar oder die Struktur zu wirr.

Lange war das Internet nur etwas für junge oder besonders technikaffine Leute. Nach und nach tummeln sich aber immer mehr ältere Menschen im Netz. Silver Surfer wird diese Generation oft genannt – wegen ihrer grauen Haare. Doch auch wenn die Haarfarbe das Alter der Nutzer verrät – das, was die Generation 50 plus im Internet macht, unterscheidet sie nur wenig von den übrigen Internetnutzern. Dennoch hadern ältere Besucher mit manchen Webseiten.

„Der Anreiz für Ältere, ins Netz zu gehen, liegt unter anderem genau da, wo auch die Jüngeren ihn sehen“, sagt Barbara Keck, Geschäftsführerin der Service Gesellschaft der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso). Die Bagso hat bis heute unter dem Motto „Die Älteren erobern das Netz!“ eine bundesweite Aktionswoche veranstaltet. Ältere Menschen würden genauso nach Informationen suchen oder online einkaufen wie junge Nutzer, sagt Keck.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Helge Wisotzki gemacht. Er arbeitet im Frankfurter Café Anschluss, einem Treffpunkt für Senioren, der seit 1999 auch Internetkurse für ältere Menschen anbietet. Er sagt: „Die Senioren wollen sich informieren, Reisen buchen oder Online-Banking machen.“ Zwar seien Ältere, besonders was das Bezahlen im Internet angeht, sehr vorsichtig. „Das Interesse ist aber da“, so Wisotzki.

Auch wenn ältere Menschen sich damit gar nicht so sehr in ihrem Nutzungsverhalten von jüngeren unterscheiden, so haben sie doch unterschiedliche Ansprüche an Webseiten. „Text auf einer Internetseite sollte gut lesbar und verständlich sein, und Grafiken sollte es nicht mehr als nötig geben“, fasst Friedlies Reschke vom Reife-Netzwerk die wichtigsten Kriterien zusammen. Der Zusammenschluss von Unternehmen mit dem Fokus auf die Zielgruppe 50 plus vergibt das selbstentworfene Reifesiegel. Das soll angeben, ob eine Webseite an die Bedürfnisse von älteren Leuten angepasst ist. Bislang gibt es noch viel Luft nach oben, sagt Reschke. „Etwa zwei Drittel aller Webseiten könnten seniorenfreundlicher gestaltet sein.“

Dazu gehört unter anderem, dass spezielle Funktionen, die älteren Menschen wichtig sind, oft fehlen. Ein Test des Reife-Netzwerks von verschiedenen Reiseportalen Anfang dieses Jahres hat gezeigt, dass es noch viel zu tun gibt. Unter anderem habe es bei der Hotelbuchung keine Möglichkeit gegeben, ein barrierefreies Badezimmer zu wünschen. „Keines der vier ausgewählten Reiseportale zeichnet sich durch eine besondere Seniorenorientierung aus“, so die Tester. Vielmehr erweckten die Seiten den Eindruck, dass gezielt junge Leute angesprochen werden sollen. Dabei seien Online-Reisebüros bei Internetnutzern ab 50 Jahren sehr beliebt.

Ähnlich verhält es sich mit sozialen Netzwerken. Auch hier sind die „Silver Surfer“ weiter auf dem Vormarsch. Der Hightech-Verband Bitkom hat in einer Studie herausgefunden, dass 55 Prozent der Internetnutzer in der Generation 50 plus auf Plattformen wie Facebook aktiv sind. Der Unterschied zu jüngeren Nutzern sei da gar nicht so groß. „Die digitale Kluft zwischen den Generationen nimmt in sozialen Netzwerken deutlich ab“, sagt Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Dass sich einige Webseitenbetreiber aber schon auf eine ältere Generation von Surfern eingestellt haben, zeigen die Homepages von vielen Ministerien, sagt Reschke. Diese sind oft barrierefrei. Das heißt, sie haben unter anderem eine kontraststarke Schrift. Dadurch wird die Lesbarkeit vereinfacht. Außerdem sind sie für sogenannte Screenreader optimiert, die Webseiten und E-Mails elektronisch vorlesen und besonders für Menschen mit einer Sehbehinderung eine große Hilfe sind. Dennoch kann Reschke auch hier ein Manko feststellen: Oft sei ihre Struktur einfach zu unübersichtlich. „Da verlieren sich nicht nur ältere Menschen.“

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