Wie Facebook, Twitter, Instagram und Co. mit problematischen Inhalten umgehen Wenig Gesetz im Netz

Selfies gehören mittlerweile zum Alltag. Ständig sieht man irgendwen, der sich irgendwo irgendwie – und nicht selten mit irgendwem – fotografiert. Oft tauchen die Fotos dann in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram auf – manchmal mit unabsehbaren Folgen.
24.08.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas Lorenz und Andreas Lorenz-Meyer

Selfies gehören mittlerweile zum Alltag. Ständig sieht man irgendwen, der sich irgendwo irgendwie – und nicht selten mit irgendwem – fotografiert. Oft tauchen die Fotos dann in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram auf – manchmal mit unabsehbaren Folgen.

So ein Selfie ist schnell gemacht: Das Smartphone auf Armeslänge von sich gehalten und auf den Auslöser der Frontkamera gedrückt – fertig. Millionen fertigen so im Handumdrehen fotografische Selbstporträts an, die dann in sozialen Netzwerken hochgeladen werden. Freunde oder Bekannte erfahren dadurch, was der Porträtierte gerade macht und wo er sich befindet. Und Prominente nutzen Selfies, um ihr Image zu pflegen.

Es geht bei Selfies natürlich um Selbstdarstellung, unter den Vorzeichen des digitalen Zeitalters. Was früher Albrecht Dürer in langer Arbeit schuf, ein Bild von sich selbst, erledigen Nutzer heute in einer Sekunde. Pamela Ruthledge, eine US-Psychologin, sieht in dem Selfie-Phänomen weniger Narzissmus als mehr eine neue Form, über die eigene Identität nachzudenken.

Aufnahmen kosten den Job

Die Identitätssuche geht häufig eigene Wege. Nicht wenige Nutzer entkleiden sich, bevor sie sich fotografieren. Eigentlich keine große Sache – solange die Fotos nicht mit offiziellen Stellen in Verbindung gebracht werden. In der Schweiz war dies in diesem Sommer der Fall. Eine Parlamentssekretärin hatte über Twitter regelmäßig freizügige Selbstaufnahmen verschickt, offenbar vom Büro aus. Auf ihrem Account waren neben den Fotos vom Arbeitsplatz auch pornografische Inhalte zu sehen. In ihrer Freizeit hatte sich die Frau als Pornodarstellerin versucht. Die Aufnahmen kosteten sie den Job.

Der Fall wirft eine Frage auf: Wie gehen soziale Netzwerke mit Nacktheit um? Was ist erlaubt, was nicht? Im Regelwerk von Twitter etwa steht: „Wir respektieren die Eigentumsrechte unserer Nutzer an den Inhalten, die sie teilen und jeder Nutzer ist für die Inhalte verantwortlich, die er oder sie bereitstellt. Aufgrund dieser Prinzipien kontrollieren wir die Inhalte unserer Nutzer nicht aktiv und zensieren diese grundsätzlich nicht.“

Ausgenommen von der Regelung, also verboten, sind Inhalte wie Identitätsdiebstahl, Markenfälschung, Gewalt, das Verbreiten von Spam. Twitter sucht aber nicht selber nach Verstößen, sondern verlässt sich auf Meldungen der Nutzer. Bei Pornografie zeigt sich der Dienst großzügig und zensiert so gut wie nicht. Die Richtlinien sehen nur Einschränkungen für das Hintergrundbild, das Profilbild oder das Kopfzeilenbild vor. Nicht aber für den Inhalt, erklärt Social-Media-Experte Thomas Hutter: „Im Vergleich zu Facebook ist Twitter sehr offen, was pornografische Inhalte anbelangt.“

Warum Twitter so großzügig ist? Es sieht sich eher als Nachrichtenkanal und setzt weniger auf Community Standards, so Hutter. Wahrscheinlich sei Facebook vorsichtiger, weil mehr Menschen aus mehr Kulturen die Plattform nutzen. Hier ließe sich viel Ärger in restriktiven Ländern vermeiden. Facebook und das zu Facebook gehörende Instagram hält Hutter für extrem prüde: „Sie verbieten pornografische Inhalte. Bei beiden Diensten ist eine sichtbare Brustwarze bereits Grund genug, einen Inhalt zu löschen und den Nutzer im Wiederholungsfall zu sperren.“

Facebook ruft zur Mithilfe auf

Facebook erwähnt in seinem Regelwerk „strikte Richtlinien“ gegen das Teilen pornografischer Inhalte. Es sei aber bestrebt, das Recht der Menschen, persönlich bedeutsame Inhalte miteinander zu teilen, zu respektieren. Unabhängig davon, ob es sich um das Foto einer Skulptur handle, etwa dem David von Michelangelo, oder um Familienfotos einer stillenden Mutter.

Dennoch werden immer wieder pornografische Inhalte auf Facebook verbreitet – mal als Video, mal als Link zu Schmuddelseiten, mal als komplette Facebook-Seite. Da es Facebook unmöglich ist, jede Seite selbst zu kontrollieren, setzt es auf die Mithilfe der Community. So lautet der Aufruf: „Wenn dir auf Facebook etwas auffällt, von dem du denkst, dass es gegen unsere Bestimmungen verstößt, solltest du uns das melden. Bitte denke daran, dass durch das Melden eines Inhalts nicht garantiert wird, dass er von Facebook entfernt wird.“

Die Sittenstrenge in sozialen Netzwerken bekommen auch Prominente zu spüren. Rihanna etwa verstieß mit dem Upload eines Nacktfotos, aufgenommen für ein Männermagazin, gegen die Instagram-Regeln. Der Dienst verwarnte die Sängerin. Diese US-amerikanisch geprägte Prüderie missfällt Scout LaRue Willis, der Tochter von Bruce Willis und Demi Moore. So sehr, dass sie sich auf Instagram oben ohne beim Spaziergang durch New York zeigte. Befreit die Nippel, lautete das Motto der Protestaktion.

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