App der Woche Standorte teilen mit lyrischem Chaos

Die App "What3words" hat ein eigenes Adresssystem erfunden, das Standorten eine einmalige Kombination aus drei Worten zuordnet. Das soll exakter sein als herkömmliche Adressen.
02.03.2022, 16:57
Lesedauer: 2 Min
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Von Sophia Allenstein

Man trifft sich mit Freunden an einem belebten Ort - aber wo genau stehen sie? Standorte punktgenau mitzuteilen, hat seine Tücken. Hier setzt die App "What3words" an. Sie wirft das gewohnte Adresssystem mit Straßennamen und Hausnummern über den Haufen. Und hat jedem drei mal drei Meter großem Quadrat auf der Erde eine individuelle Dreiwortadresse zugeteilt. Diese erinnern an lyrisches Chaos. Auf "öffnen. zudecken.küssen" stehen etwa die Bremer Stadtmusikanten. Und bei "morgen.Freund.örtlich" ist der Spuckstein im Boden eingelassen. So befremdlich die Zufallskombinationen aus Worten wirken mögen, sie ändern sich nie und ermöglichen auch an Orten eine Standortbeschreibung, die keine Adressen haben, oder sehr weitläufig sind - etwa Parks und Felder.

Die Idee zu "What3words" wurde dabei aus der Not geboren. Der Initiator, Chris Sheldrick, arbeitete in der Musikindustrie und koordinierte weltweit Festivals und Konzerte. Standortpannen sorgten immer wieder für Probleme. Laut App-Homepage setzte ein Fahrer beispielsweise einmal das komplette Equipment für ein Konzert eine Stunde nördlich von Rom ab - es sollte aber in die entgegengesetzte Richtung. Ein anderes Mal bekam er einen Anruf mit den Worten „Chris, krieg’ jetzt keine Panik, aber ich glaube, wir haben unseren Soundcheck gerade bei der falschen Hochzeit gemacht.“ Auf GPS-Daten auszuweichen, erwies sich als ebenso unpraktisch - die Ein- und Weitergabe von 16 Ziffern pro Standort machte Fehler wahrscheinlich. Also entwickelte Sheldrick zusammen mit Freunden eine App, die eine eindeutigere Standortbestimmung möglich machen sollte. Mit einem Tippen auf den Teilen-Button kann eine Ortsangabe so einfach über Mail- und Messengerdienste weitergegeben oder gespeichert werden.

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Ganz so exakt, wie in der Theorie geplant, entpuppt sich die Standortbestimmung im Praxistest allerdings nicht. Im Test mit einem Xiaomi-Gerät kann sich die App nicht für ein drei mal drei Meter-Quadrat entscheiden und springt zwischen verschiedenen Quadraten - die Ortungsfunktion des Smartphones ist zu ungenau. Trotzdem dürfte "What3words" eine genauere Standortbestimmung bieten als eine reine Adressensuche - immerhin beschränkt die Ortssuche sich beispielsweise auf bestimmte Gebäudeteile. Und: Empfänger, die einen geteilten Standort ansehen möchten, müssen die App nicht zwangsläufig selbst installiert haben. Sie können den Standort auch mit normalen Browsern öffnen. Vielen Smartphonenutzern und -nutzerinnen dürfte im Alltag allerdings die Ortungsfunktion von Messengerdiensten wie WhatsApp und Telegram genügen.

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