Eine Welt im Wandel "World of Warcraft"-Designer Cory Stockton im Interview

Im Interview verrät Cory Stockton, Lead Content Designer des höchst erfolgreichen Online-Rollenspiels "World of Warcraft" ("WoW"), Details zum kommenden Addon Cataclysm, dem Leben als Designer bei Blizzard und zu seinem Traumberuf Spieledesigner.
06.12.2010, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Jens-Ekkehard Bernerth

Im Interview verrät Cory Stockton, Lead Content Designer des höchst erfolgreichen Online-Rollenspiels "World of Warcraft" ("WoW"), Details zum kommenden Addon Cataclysm, dem Leben als Designer bei Blizzard und zu seinem Traumberuf Spieledesigner.

Freuden- und Endzeitstimmung im Fantasyland Azeroth: Am 7. Dezember erscheint mit "Cataclysm" die dritte, sehnlichst erwartete Erweiterung für das populäre Online-Rollenspiel "World of Warcraft" von Entwickler Blizzard. Zwölf Millionen Menschen spielen nach Angaben des Entwicklers monatlich das Spiel, das seit 2004 für Rekordumsätze sorgt. Einer, der die Welt von "World of Warcraft" in den letzten fünf Jahren entscheidend mitgestaltet hat, ist Cory Stockton, Lead Content Designer bei Blizzard. Im Interview spricht der US-Amerikaner über das kommende Addon "Cataclsym", seinen Arbeitgeber und die Verantwortung gegenüber den Fans.

teleschau: Warum sollte man das neue Addon "Cataclysm" spielen?

Cory Stockton: Meiner Meinung nach ist der wichtigste Grund die Vielseitigkeit: Einsteigern wird jede Menge geboten. Und Veteranen dürfen mit den neuen Rassen, den Worgen und Goblins, auf Streifzug durch frische Level gehen. Was aber wirklich großartig an "Cataclysm" ist: Viele unterschiedliche Spielertypen werden vom Programm angesprochen, und jeder hat etwas zu tun und zu entdecken.

teleschau: Haben Sie versucht, das Spiel für Gelegenheitsspieler, die sogenannten "Casual Gamer", interessanter zu machen?

Stockton: Nein, das kann ich so nicht unterschreiben. Natürlich ist es so, dass "WoW" über ein breites Spielerspektrum verfügt und wir darauf bedacht waren, es noch ein wenig auszuweiten. Besonders ist dies in den Spielerstufen eins bis 60 zu beobachten, die aufs Einzelspiel ausgelegt sind und Anfängern einen guten Start bescheren sollten. Allerdings richten sich die Aufträge, Raids und Instanzen im Bereich 80 bis 85 klar an erfahrene Spieler.

teleschau: Wie lange hat Blizzard schon an "Cataclysm" gearbeitet?

Stockton: Oh... Jahre! (lacht)

teleschau: Sind Sie mit dem Ergebnis glücklich? Und noch viel wichtiger: Werden die Fans mit dem Ergebnis glücklich sein?

Stockton: Ich denke, wir können extrem zufrieden sein. Wir haben sowohl einen internen als auch einen öffentlichen Betatest durchgeführt und dabei jede Menge Meinungen und Verbesserungsvorschläge gesammelt. Durch ein Kontaktformular gingen die Programmierer quasi mit den Spielern auf Tuchfühlung. Und deren Feedback hat uns sehr geholfen. Wir haben versucht, so viel wie möglich davon umzusetzen. Sicher, nicht alles kann berücksichtigt werden. Dennoch hat "Cataclysm" dadurch einen großen Schritt nach vorne gemacht.

teleschau: Was ist Ihrer Meinung nach das Highlight von "Cataclysm"?

Stockton: Ganz klar: die Überarbeitung der alten Gebiete. Eine Mammutaufgabe. Wir haben über 2.700 Quests angepasst, neu erschaffen oder geändert. Das Gute ist, dass diese Arbeit sich jetzt für die nächsten Jahre hoffentlich bezahlt macht, nicht nur für diese Erweiterung, sondern auch für kommende.

teleschau: Gibt es etwas, dass Sie gerne geändert hätten?

Stockton: Ich hätte gerne noch die Gebiete der ersten Erweiterung "Burning Crusade" überarbeitet. Klappte jedoch aufgrund der fehlenden Zeit nicht, weshalb dies das nächste große Projekt in der Zukunft sind. Die Spieler sollten ja auch nicht zu lange auf "Cataclysm" warten.

teleschau: Wie schafft man es, sich bei so einer gewaltigen Online-Welt nicht zu verzetteln und den Überblick zu wahren?

Stockton: Nunja (lacht). Wir verwenden unglaublich viel Zeit für die Planung. Auf Papier erstellen wir mit unzähligen Pfeilen die Beziehungen der Figuren untereinander. Bevor wir irgendwas im Spiel verändern, sehen wir uns die Details ausgiebig an, diskutieren über die Auswirkungen und die gewünschten Resultate. Und erst wenn das alles in trockenen Tüchern ist, machen wir uns daran, es im Programmcode zu ändern. Viel Planung und das kreative Umfeld hier bei Blizzard sind im Endeffekt der Schlüssel zum Erfolg.

teleschau: Wollten Sie schon immer ein Gamedesigner werden?

Stockton: Ich arbeite mittlerweile seit zwölf Jahren als Gamedesigner. Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendwas anderes zu machen.

teleschau: Und das bei einer Firma, die von Spielern verehrt wird ...

Stockton: Es ist der Hammer! Ich liebe es, hier zu arbeiten. Mir gefällt die Devise, dass Qualität über allem anderen steht - und dass dies auch so von den Fans verstanden wird.

teleschau: Die Grenze zwischen Veehrung und Nerdtum sind jedoch fließend. Als Beispiel sei der "Red Shirt Guy" genannt, der nach seinem Auftritt bei der Hausmesse Blizzcon sogar als Spielfigur in "WoW" verewigt wurde. Wie kamt Ihr auf die Idee?

Stockton: Es war eigentlich nicht geplant (lacht). Alex (Alex Afrasiabi, Lead World Designer bei "WoW", Anm.d.A.) hatte das Gefühl, dass er durch die Frage eines Spielers ordentlich in die Bredouille gebracht wurde. Also gab es keine bessere Retourkutsche, als ihn mit einem digitalen Alter Ego im Spiel zu würdigen. Persönlich finde ich das sehr cool, denn es zeigt, dass "World of Warcraft" von ganz normalen Menschen gemacht wird, die dem Spiel einen persönlichen Touch geben können. Und für den Jungen im roten T-Shirt ist es sicher eine Art der Rache, über die er sich freuen kann.

teleschau: Geschieht es denn öfter, dass sich Leute plötzlich als digitale Figur im Spiel wiederfinden?

Stockton: Ich würde nicht sagen, dass eine Absicht besteht, das Spiel mit echten Menschen "aufzufüllen". Aber hier und da kann es schon vorkommen, dass die Frau von jemandem im Spiel auftaucht, oder eine digitale Figur nach einen neugeborenen Baby benannt wird. Die persönliche Note hält das Spiel auch frisch und einzigartig.

teleschau: Spielen Sie in Ihrer Freizeit eigentlich selbst noch oder sind Sie froh, mal keinen Monitor zu sehen?

Stockton: Der Großteil der Leute bei Blizzard sind fanatische Zocker, die auch in der Freizeit zusammen daddeln. Viele spielen richtig aktiv "World of Warcraft" und sind in Gilden organisiert. Aber auch "Starcraft II" ist hier sehr beliebt. Persönlich spiele ich auch sehr gerne Konsolentitel, ich habe eine PS3, eine Xbox 360 und eine Wii zu Hause.

teleschau: Angesichts von Geschichten über Vereinsamung und das Abbrechen sozialer Kontakte von "World of Warcraft"-Zockern: Fühlen Sie sich für solche Schicksale verantwortlich?

Stockton: Wir wollen unterhalten und versuchen deshalb, die bestmögliche Spielerfahrung zu liefern. Sicher, solche Schicksale sind höchst traurig, aber wir denken nicht, dass wir etwas getan haben, was das irgendwie bewirkt oder zum Ausbrechen gebracht hat.

teleschau: Wundern Sie sich manchmal, wie erfolgreich "World of Warcraft" in all den Jahren geworden ist?

Stockton: Wir blicken hin und wieder zurück und sind baff, wie sich alles entwickelt hat. Trotzdem ist unser Bestreben, "World of Warcraft" noch größer, noch erfolgreicher werden zu lassen. Dazu wird viel Analyse betrieben: Was war gut? Was weniger gut? Innovationen sind ebenfalls wichtig, doch nur in dem Maße, dass sie dazu beitragen, das Spiel voranzubringen und es nicht komplett umzukrempeln.

teleschau: Arbeiten Sie bereits am nächsten Addon?

Stockton: Derzeit werkeln alle Mann bei "Cataclysm" an Last-Minute-Änderungen und am Bugfixing. Danach nimmt sich ein Großteil des Teams erst einmal Urlaub - mich eingeschlossen.

teleschau: Schon Pläne, was Sie in der freien Zeit machen werden?

Stockton: Ich bin kürzlich Vater eines Sohns geworden, werde also viel Zeit mit meiner Familie verbringen. Außerdem sind da einige Konsolen-Games in der letzten Zeit herausgekommen, die darauf warten, angespielt zu werden (lacht).

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