Edle Tropfen

Zur Jahrtausendwende trank jeder Deutsche jährlich im Schnitt 100 Liter Mineral- und Heilwasser. Heute sind es 140 Liter.
16.03.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Edle Tropfen
Von Catrin Frerichs

Zur Jahrtausendwende trank jeder Deutsche jährlich im Schnitt 100 Liter Mineral- und Heilwasser. Heute sind es 140 Liter. Allein in Deutschland gibt es mehr als 800 verschiedene Mineralwässer. Der Trend zum Wasser schlägt sich nieder – mit teuren Luxuswässern und Wasser-Sommeliers.

Sie heißen Bling H2O, 10thousand BC oder Cape Grim – und sie gehören zu den teuersten Wässern der Welt. Prominente wie Madonna oder Mariah Carrey haben dem herkömmlichen Mineralwasser abgeschworen und greifen nun zum besonderen Nass. Das Luxuswasser Bling H2O, so etwas wie der Champagner unter den Wässern, entspringt einer Quelle in Dandrigde, Tennessee. Das Wasser wird in einem neunstufigen Verfahren aufwendig gefiltert und in eine Karaffe gefüllt, die mit Swarovski-Kristallen besetzt ist – auch das ist sicher ausschlaggebend für den stolzen Preis. Eine Flasche Bling H2O kostet um die 50 Euro im Versand, in Restaurants ein Vielfaches.

Das Wasser „10thousand BC“ besteht aus getautem Gletschereis und kommt aus Kanada, genauer von einer Gletscherkette an der Küste British Columbias etwa 200 Meilen von Vancouver entfernt. Es gehört angeblich zu den reinsten Wassern der Welt. Ein Anspruch, den auch eine Flasche „Cape Grim“ für sich geltend macht. Cape Grim hat mit Quell- oder Mineralwasser aber gar nichts mehr zu tun, es ist reines tasmanisches Regenwasser. Auf der Insel im Nordwesten Australiens gibt es so gut wie keine Luftverschmutzung. Dort wird das Wasser aufgefangen und in schlichte, elegante Glasflaschen gefüllt. Der Preis: rund 33 Euro.

In Restaurants ist es üblich, Speisekarten oder Weinkarten zu kreieren. Jerk Martin Riese hat eine eigene Wasserkarte entworfen, auf der mehr als 40 verschiedene Sorten stehen. Unter anderem Bling H2O. Riese war einst Restaurantleiter im „First Floor“ in Berlin, wo er seine erste Wasserkarte präsentierte. Dann folgte er dem Ruf in die Vereinigten Staaten von Amerika. Nun ist er Chef in der „Ray and Stark Bar“ in Los Angeles, Buchautor („Die Welt des Wassers“) und Wasser-Sommelier.

„Es gibt kein gutes oder schlechtes Wasser“, sagt Riese. „Es gibt höchstens eine schlechte Wahl.“ Und damit meint er das falsche Wasser zum falschen Wein oder zum falschen Essen. Wie Wasser schmeckt, hängt maßgeblich mit den Inhaltsstoffen zusammen, und zwar mit den Mineralstoffen. „Das eine Wasser schmeckt weich und süßlich, das andere salzig und sauer“, erläutert Riese. Trinkt ein Gast in Rieses Restaurant zum Beispiel einen säurebetonten Wein wie Riesling oder Sauvignon Blanc, sollte er auf keinen Fall auch ein säurebetontes Wasser dazu trinken, sagt er. Weiches Wasser neutralisiert hingegen die Säure des Weins. Zu deftigem Hirschbraten empfiehlt er mineralisches Wasser mit Kohlensäure; zum Käse reicht er eher tasmanisches Regenwasser.

Martin Riese glaubt, dass das Bewusstsein für Wasser wächst. Nicht nur in den USA, wo einfaches Mineralwasser weniger im Trend liegt als das mit Vitaminen, Mineralstoffen und Kräuterextrakten angereicherte. Dass Wasser voll im Trend ist, zeigen auch die Zahlen aus Deutschland. Hierzulande gibt es 824 anerkannte Mineralwässer, der Vilsa-Brunnen in Bruchhausen-Vilsen steht in der alphabetisch sortierten Liste des Verbands Deutscher Mineralwasser an Platz 762.

Der Pro-Kopf-Verbrauch lag im vergangenen Jahr bei 140 Litern Mineral- und Heilwasser, was eine leichte Steigerung zum Vorjahr (138 Liter) ist. 1970 waren es gerade mal 12,5 Liter, 2000 noch 100 Liter. Insgesamt füllten die rund 200 deutschen Betriebe im vergangenen Jahr 13 Milliarden Liter Mineral- und Heilwasser sowie Mineralbrunnen-Erfrischungsgetränke ab. Am liebsten tranken die Deutschen Mineralwasser mit wenig Kohlensäure.

Die Informationszentrale Deutsches Mineralwasser, kurz IDM, veröffentlichte Ende des Jahres eine Studie mit Fünft- und Sechstklässlern, nach der Schüler, die in der Schule ausreichend Wasser trinken nachweislich besser in Leistungstests abschneiden und Konzentrationsaufgaben besser lösen können. Ausschlaggebend ist nicht nur die Trinkmenge – für zehnjährige Kinder liegt die Empfehlung bei einem guten Liter täglich, bei Erwachsenen bei rund zwei Litern – sondern auch die Regelmäßigkeit des Trinkens. „Das Gehirn hat nicht nur Wissensdurst, sondern braucht auch Sauerstoff, um zu arbeiten“, erläutert etwa Ernährungsexpertin Nadine Kamp, die Eltern auf der Internetseite des IDM Tipps gibt, „dieser gelangt am besten über Mineralwasser in die grauen Zellen.“

Zudem führt man beim Wassertrinken dem Körper wichtige Mineralstoffe zu wie Kalzium, Magnesium oder Kalium. Zu den teuersten Flaschen muss man deswegen aber nicht gleich greifen. Auch aus dem Wasserhahn kommen Mineralstoffe – je nachdem, woher das Wasser kommt, in unterschiedlicher Quantität. Wasser auf dem Tisch hat in vielen Ländern Tradition: In Amerika steht üblicherweise in Restaurants eine Karaffe mit eisgekühltem klaren Wasser auf dem Tisch. Auch in Frankreich ist es Usus, Restaurantgästen Leitungswasser anzubieten. Das kleine Glas Wasser zum Espresso hat sich nicht nur in Italien sondern auch in Deutschland etabliert.

Leitungswasser gehört zu den bestkontrollierten Lebensmitteln in Deutschland. Das Bremer Leitungswasser kann man bedenkenlos trinken, sagt Christoph Brinkmann, Sprecher der SWB. „Unser Leitungswasser zählt seit Jahrzehnten zu den besten Trinkwasserqualitäten in Deutschland.“ Vorausgesetzt, die Hausinstallation ist in Ordnung. Da das Wasser nitritarm ist, kann man damit Säuglingsernährung zubereiten. Bremer Wasser gilt als „weich“, es enthält sehr wenig Kalk, aber auch wenig Magnesium und Kalzium. „Unser Wasser kommt ausnahmslos aus der Grundwassergewinnung“, sagt Brinkmann. Wie viel Mineralstoffe am Ende im Wasser stecken, hat vor allem mit dem Untergrund zu tun. „In Norddeutschland haben wir sandige Böden, da ist nicht viel zu holen.“

Und welches Wasser trinkt Christoph Brinkmann am liebsten? „Ich trinke über den Tag hinweg auch immer wieder Wasser.“ Das kommt in seiner Firma aus dem Wasserspender, wahlweise natur, gekühlt oder mit Kohlensäure versetzt. Was ist drin? „Bremer Leitungswasser“, sagt er.

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