Mosambik etabliert sich als Reiseziel

Ein Mekka für Walhaie und Mantas

Mosambik soll der aufgehende Stern am Reisehimmel sein. Die Reisebloggerin und Taucherin Anja Knorr hat das Land besucht.
02.01.2019, 12:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Anja Knorr
Ein Mekka für Walhaie und Mantas

Für Taucher gilt es als ein besonderes Erlebnis, mit einem Walhai zu schwimmen.

Anna Flam

Tofo. Ich saß auf einem kleinen, roten Schlauchboot mitten im Ozean. Aufgeregt suchten meine Augen die Meeresoberfläche ab. Doch so sehr ich mich auch anstrengte, ich sah einfach nicht den riesigen Walhai, den unser Skipper Manuel nahe unserem Boot erspäht hatte. Ich solle einfach ins Wasser springen, bedeutete er mir. Gesagt, getan und ein paar Augenblicke später erschrak ich heftig, als ich langsam ins Wasser glitt. Ein riesiges, weit geöffnetes Maul schwamm langsam auf mich zu. Wie gelähmt vergaß ich, meine Beine zu bewegen und starrte fasziniert auf den größten Fisch der Welt, der keine fünf Meter vor mir neugierig in meine Richtung schwamm. Er schien mich genau zu inspizieren und doch seltsam unberührt weiter seine Bahn zu ziehen.

Angst schien er nicht zu haben. Walhaie können als die größten Fische der Welt ausgewachsen bis zu 20 Meter lang werden. Gefährlich für uns Menschen sind die sanften Giganten nicht, da sie Plankton und anderen Kleinstlebewesen durch Ansaugen des Wassers aus dem Meer filtrieren. Und weil im mosambikanischen Dorf Tofo planktonreiches, kälteres Auftriebswasser auf tropisch warmes Gewässer trifft, ist der Ort ein Mekka für planktonliebende Megafauna. Somit gilt Tofo als einer der besten Orte der Welt, um mit Walhaien und Mantas zu schnorcheln. Daneben ziehen Delfine, Haie und zwischen Juni und September sogar Buckelwale an der Küste
Tofos entlang.

Doch nicht nur Taucher und Schnorchler aus aller Welt entdecken Mosambiks unberührte Küsten und Unterwasserwelten. Naturliebhaber sind in den Nationalparks Limpopo und Gorongosa gut aufgehoben. Beide haben sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Gorongosa galt vor dem Bürgerkrieg als einer der artenreichsten Nationalparks im südlichen Afrika. Aber durch den jahrzehntelangen Bürgerkrieg und Wilderei wurde beinahe der gesamte Artenbestand vernichtet. Dementsprechend sind wildlebende Tiere dort weniger zahlreich vertreten als in den Parks der Nachbarländer. Dafür belohnen die Nationalparks auf mosambikanischer Seite mit unverfälschter, wilder Natur ohne Massentourismus und zugeparkten Straßen.

Überhaupt steckt der Tourismus in Mosambik noch in den Kinderschuhen. Bettenhochburgen, Massentourismus und überlaufene Strände sucht man vergeblich. 16 Jahre Bürgerkrieg haben das Land in bittere Armut gestürzt, trotzdem strahlt die Jugend zuversichtlich in die Zukunft.

Abgesehen von Mosambiks quirliger Hauptstadt Maputo scheinen die meisten Orte noch in einer Art Dornröschenschlaf zu verharren. Auf der halbmondförmigen Koralleninsel Ilha de Moçambique etwa scheint die Welt stehen geblieben zu sein. Vier Jahrhunderte lang war die Insel Namensgeber, Hauptstadt und Handelszentrum des portugiesischen Ostafrika. Ein Schmelztiegel europäischer, arabischer und indischer Kulturen, der von der beeindruckenden Festung São Sebastião zusammengehalten wurde. Die ganze Insel ist kaum drei Kilometer lang und einige hundert Meter breit, aber ein idealer Ort, um den mosambikanischen Alltag kennenzulernen.

Die Mosambikaner legen eine ruhige Würde an den Tag und scheinen immer zu lächeln. Vasco da Gama hat Mosambik bei seiner Entdeckung den Namen „Terra de Boa Gente“ gegeben: „Land der freundlichen Menschen.“ Und in der Tat machen die Mosambikaner eine Reise durch ihr Land zu einem der größten Attraktionen Afrikas. Unaufdringlich, hilfsbereit, witzig und ehrlich werden Reisende zwar mancherorts wie Außerirdische angestarrt, aber dafür umso herzlicher willkommen geheißen.

An Mosambiks Küsten gibt es wirklich noch menschenleere Strände.

An Mosambiks Küsten gibt es wirklich noch menschenleere Strände.

Foto: Edle Everaert

An den atemberaubenden Stränden des
Bazaruto-Archipels werden Urlaubsträume wahr. An dem aus mehreren Inseln bestehenden Nationalpark finden Reisende luxuriösen Strandtourismus in traumhafter Natur. Dort ist auch einer der letzten Rückzugsorte in Afrika für die scheuen und selten gewordenen Seekühe. Sie wiegen oft eine halbe Tonne und waren über Jahrhunderte ein begehrtes Jagdobjekt. Im 1971 gegründeten Bazaruto-Nationalpark soll der Lebensraum dieser Seekühe und Meeresschildkröten geschützt werden.

Ebenso lohnt ein Besuch im Meeresschutzgebiet des Quirimbas-Archipels im Norden Mosambiks. Bestehend aus mehr als 30 kleinen Koralleninseln wurde es im Jahr 2018 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt.

Die Bloggerin Anja Knorr reist seit Jahren durch die Welt und schreibt auf ihrem Blog www.happybackpacker.de über ihre Erlebnisse.

Info

Zur Sache

Mosambik

Anreise: Von Frankfurt nach Johannesburg mit South African Airways ab 450 Euro. Von dort sind es etwa sieben Stunden nach Maputo.

Mietwagenverleih ist nur im südlichen Mosambik möglich; nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fahren.

Visum: Für die Einreise ist ein Visum erforderlich. Bei einer mosambikanischen Auslandsvertretung werden gegen eine Gebühr Visa mit einer Gültigkeit von 30 bis 90 Tage ausgestellt.

Beste Reisezeit: Am Anfang der Trockenzeit zwischen Mai und Juni.

Malaria-Prophylaxe nicht vergessen.

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