Draht und Esel

„Einradfahrer sind Sportler und Künstler“

Der neunjährige Liam Mullarkey ist nicht auf zwei, sondern nur auf einem Rad unterwegs. Zum Geburtstag gab es erst kürzlich ein neues Modell. Warum das Einradfahren den Lilienthaler so begeistert.
29.07.2018, 12:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
„Einradfahrer sind Sportler und Künstler“

Mit dem grünen Mantel an seinem Einrad fällt Liam Mullarkey überall auf – und kann nun auch problemlos in Sporthallen fahren.

Klama
Das erste Mal auf einem Rad

In meiner Familie fahren alle Einrad: meine Eltern und meine beiden Brüder. Weihnachten 2016 habe ich mit sechs Jahren zum ersten Mal auf einem Einrad gesessen. Danach habe ich viel geübt, mich am Garagenpfosten festgehalten oder am Zaun der Nachbarn entlang gehangelt. Drei Monate später hat es dann geklappt, dass ich ohne Festhalten Einrad fahren konnte. Das hat mir so großen Spaß gemacht, dass ich sofort zu meinem Freund gefahren bin und später noch zum Fleischer einkaufen. Seitdem fahre ich so oft es geht und seit einem Jahr fahre ich auch zum Einrad-Training beim Sportverein.

Das aktuelle Einrad

Ich habe vor kurzem zu meinem Geburtstag ein neues „QU-AX“-Einrad bekommen. Das hatte ich mir sehr gewünscht, weil es eine eckige Gabel hat, mit der ich später auch Tricks machen kann. Auch die Kurbel zwischen den Pedalen ist kürzer, ich kann damit also schneller fahren, wenn ich will. Außerdem hat es einen Griff am Sattel, den ich auch für Tricks verwenden kann oder zum Festhalten bei längeren Strecken. Und der Mantel ist grün statt schwarz, damit darf ich jetzt in allen Sporthallen fahren.

Der größte Erfolg und die schönste Tour

Überhaupt frei fahren zu können und auch den Bordstein runterzukommen, ohne umzufallen, war für mich schon ein Riesenerfolg. Die längste Tour habe ich mit meiner Familie und anderen Einradfahrern bei Verden geschafft. Da sind wir 14 Kilometer durch Wald und Wiesen gefahren. Mein größter Wunsch ist, später beim Einrad-Hockey mitzuspielen.

Die Vorgängermodelle

Ich habe vorher ein ganz kleines 16-Zoll-Einrad von meinem älteren Bruder benutzt, das meine Eltern auf dem Flohmarkt gekauft haben. Darauf übt jetzt mein jüngerer Bruder. Am längsten habe ich jetzt mit einem 20-Zoll-Comus trainiert. Das hat aber eine runde Gabel, darauf konnte ich deshalb keinen Fuß abstellen, um Tricks zu probieren.

Der letzte Diebstahl

Uns ist noch nichts geklaut worden, kein Fahrrad und kein Einrad. Aber das Einrad nehme ich eigentlich auch überall mit rein, das schließe ich nicht irgendwo an der Straße ab.

Die Lieblingsstrecke

Ich fahre am liebsten in der Nähe von meinem Zuhause über Feldwege und durch den Wald. Da ist nicht so viel los wie auf der Straße und es ist jedes Mal etwas anders. Auch wenn man da höllisch aufpassen muss, dass man keine Wurzeln oder Steine übersieht. Ich übe auch schon, querfeldein zu fahren abseits der Wege – das ist aber ziemlich schwer.

Der ausgefallenste Fahrradschmuck

Der grüne Mantel ist schon etwas Besonderes, der gefällt mir supergut. Anderen Schmuck wie diese Klickerdinger an den Speichen will ich nicht haben.

Die am häufigsten gefahrene Strecke

Das ist die Fahrt zum Training in die Turnhalle durch Wohnstraßen und ein kleines Stück durch den Amtsgarten. Auf der Strecke ist nicht so viel Verkehr und die Autos müssen Tempo 30 fahren. Von den Erwachsenen würde ich mir trotzdem wünschen, dass sie die Bürgersteige nicht zuparken würden, weil wir Kinder da fahren müssen. Außerdem werde ich immer unsicher, wenn Autofahrer so dicht auffahren, da wäre mehr Abstand gut.

Der schlimmste Unfall

Ich bin beim Training einmal mit zu viel Schwung in die Kurve gefahren und bin voll gegen die Wand gedonnert, das tat richtig doll weh! Ich hatte eine Beule und meine Nase war angeschrammt, da hatte ich noch Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Einradfahrer sind …

... ein bisschen anders. Es sind Sportler und Künstler: Weil es eine Kunst ist, Einradfahren zu lernen. Und man viel Ausdauer und Durchhaltevermögen dabei braucht, da darf man nicht schnell aufgeben.

Ich fahre gern Einrad, weil …

… ich es toll finde und es einfach richtig Spaß macht. Nur auf die Aufmerksamkeit, die ich dafür bekomme, könnte ich liebend gerne verzichten. Und auf die blöden Sprüche von Fahrradfahrern wie: „Du hast ein Rad verloren.“ Die finde ich nicht witzig.

Einradfahren in Bremen ist …

... bestimmt schwieriger als bei mir in Lilienthal. Aber das werde ich jetzt in den Ferien austesten, weil wir einen Ausflug mit den Einrädern in den Bürgerpark und zum Café Sand planen. Fast am schwierigsten ist jedenfalls Kopfsteinpflaster, weil man da ständig ausgleichen muss. Praktisch ist, dass ich das Einrad in der Straßenbahn einfach mitnehmen kann, ohne extra bezahlen zu müssen, weil es als Spielgerät gilt. Das ist ein klarer Pluspunkt gegenüber den Fahrradfahrern.

Die Fragen stellte Karin Mörtel.

Info

Zur Person

Liam Mullarkey

ist neun Jahre alt und ein Schüler aus Lilienthal. In seiner Familie ist es selbstverständlich, auf einem Rad durchs Leben zu fahren – Ob zum Training, zu Freunden oder zum Einkaufen beim Fleischer.

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