Weltklimabericht drängt Regierungen zum schnellen Handeln / Forscher berechnen Kosten des Umsteuerns

„Es gibt keinen Planeten B“

Der neue Klimabericht zeigt die Gefahren des Klimawandels drastischer als je zuvor. Die Politik hat keine Ausreden mehr, sagen Forscher. Der Mensch muss schnell handeln, „es gibt keinen Planeten B“.
03.11.2014, 00:00
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Von JULIA WÄSCHENBACH
„Es gibt keinen Planeten B“

Sandsturm in Kenia: Für viele Wetterextreme der vergangenen Jahre machen die Forscher den Klimawandel verantwortlich.

Jakob Dall und Danish Red Cross, dpa

Der neue Klimabericht zeigt die Gefahren des Klimawandels drastischer als je zuvor. Die Politik hat keine Ausreden mehr, sagen Forscher. Der Mensch muss schnell handeln, „es gibt keinen Planeten B“.

Falscher Klima-Alarm, Stillstand bei der Erderwärmung: Bevor im vergangenen Herbst der erste Teil des aktuellen Weltklimaberichts erschien, beherrschten laute Zwischenrufe von Klimaskeptikern die Medien. Von einer „Pause des Klimawandels“ war die Rede, dem Klimarat IPCC warfen manche sogar Sensationslust vor. Ein Jahr später ist davon kaum noch etwas zu hören. Mit dem 5. Report, dessen Kernaussagen der IPCC am Sonntag präsentierte, haben die Forscher die Stimmen der Skeptiker verdrängt. „Die Wissenschaft hat klarer und genauer gesprochen als zuvor“, sagt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der weltweite Klimawandel ist nach Auskunft der Forscher Realität.

Und er hat Folgen, die wir nicht verhindern können. Der Meeresspiegel etwa wird wahrscheinlich noch Jahrhunderte steigen. Manche seiner Auswirkungen können aber noch gestoppt werden, wie der Temperaturanstieg auf der Erde. Die Menschheit habe noch eine Wahl, ob sich die Erde um zwei oder um vier Grad Celsius erwärmen werde – „je nachdem ob wir gute oder schlechte Klimapolitik machen“, sagt einer der führenden IPCC-Autoren, Professor Ottmar Edenhofer.

Ihm und seinen Kollegen ist es zu verdanken, dass wir heute viel sicherer wissen, dass der Mensch einen gewaltigen Anteil am Klimawandel hat. Unermüdlich haben die Forscher jahrelang Tausende wissenschaftliche Arbeiten durchgeackert und ausgewertet. Dass die Kernpunkte des Sachstandsberichts ausgerechnet in Kopenhagen präsentiert werden, erinnert schmerzlich an den enttäuschenden Klimagipfel in der dänischen Hauptstadt vor fünf Jahren. „Die politische Weltspitze könnte damals noch nicht ganz bereit gewesen sein, sich zu engagieren“, sagt Ban. Seitdem hat sich jedoch viel verändert. Wissenschaft und Politik arbeiten verzahnter. Hunderttausende Menschen demonstrierten auf den Straßen von New York und weltweit für das Klima. Inzwischen sollte den politischen Entscheidern nach Meinung von IPCC-Chef Rajendra Pachauri klar geworden sein: „Es gibt keinen Plan B, denn es gibt keinen Planeten B.“ Schnelles Handeln sei ein Muss. Die neuen Erkenntnisse seines Weltklimarats setzen die Entscheider unter Handlungsdruck. „Einige der Ausreden, die in Kopenhagen 2009 genutzt wurden, sind nicht mehr gültig“, sagte IPCC-Autor Michael Jarnaud.

Um sicherzugehen, dass die politischen Entscheider den Bericht auch lesen, ist die Zusammenfassung des nun erstellten Synthese-Reports vor allem eins: kurz. „Politiker müssen sich mit vielen anderen Problemen beschäftigen“, sagt der stellvertretende IPCC-Vorsitzende Jean-Pascal van Ypersele. Deshalb versorgen die Wissenschaftler sie auf nur 40 Seiten in verständlicher Sprache mit den wichtigsten Kernaussagen zum Klima. Gleichzeitig zeigen sie, dass der Wandel nicht die Welt kostet. Ein rechtzeitiger Wechsel auf alternative Energien schlägt bei einem Wirtschaftswachstum von 1,6 bis drei Prozent pro Jahr danach nur mit einem Minus von jährlich rund 0,06 Prozentpunkten zu Buche. „Die Kosten des Nichthandelns werden entsetzlich viel höher sein als die Kosten des Handelns“, mahnt Pachauri. „Wir müssen uns so schnell wie möglich in Bewegung setzen.“

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