Ratgeber Experten: Keine Angst vor Lebensmitteln aus Japan

Berlin/Düsseldorf. Keine Angst vor Algen oder Sojasoße: Sorgen deutscher Verbraucher um verstrahlte Import-Lebensmittel aus Japan sind Experten zufolge unbegründet - trotz der dortigen Atomkatastrophe.
18.03.2011, 12:32
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Berlin/Düsseldorf. Keine Angst vor Algen oder Sojasoße: Sorgen deutscher Verbraucher um verstrahlte Import-Lebensmittel aus Japan sind Experten zufolge unbegründet - trotz der dortigen Atomkatastrophe.

Zum einen ist der Anteil der aus dem ostasiatischen Land nach Deutschland eingeführten Waren verschwindend gering: Er liegt nach Angaben des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen in Berlin bei knapp 0,1 Prozent aller nach Deutschland importierten Produkte. Zum anderen gelten europaweit strenge Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Nahrungsmitteln. Sie beziehen sich auch auf Importware. Wer also gerne typisch japanische Speisen wie Sushi isst, kann das weiterhin ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen machen.

Das Umweltministerium in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel lässt seit Mittwoch (16. März) an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn sowie im Hafen Duisburg Lebensmittel, die aus Japan eintreffen, auf radioaktive Belastung untersuchen. Der Verbraucherzentrale NRW zufolge gibt es derzeit keine Hinweise, dass diese Ware belastet ist. Grundsätzlich unbedenklich seien japanische Lebensmittel wie Algen, Tee oder Sojasoße, die bereits in Regalen hiesiger Geschäfte stehen.

Die Stiftung Warentest in Berlin weist außerdem darauf hin, dass der Export solcher Lebensmittel aus Japan praktisch zum Erliegen gekommen ist. Grund seien die Zerstörungen durch das Erdbeben und den Tsunami, die der Atomkatastrophe vorausgegangen sind. Und zu bedenken ist auch, dass zum Beispiel die wenigsten Bestandteile von Sushi aus dem ostasiatischen Land stammen: Für Sushi werde in Deutschland in der Regel kein Fisch aus Japan verwendet, sagte Sandra Kess vom Fisch-Informationszentrum (FIZ) in Hamburg.

Lachs stamme meist aus Chile oder Norwegen, Thunfisch zum Beispiel aus dem Indischen Ozean. Allerdings bewege sich Letzterer viel und durchziehe zahlreiche Meeresregionen, so dass Herkunft und Fanggebiet nie genau übereinstimmen. Auch der hierzulande für Sushi verwendete Reis stammt nach Einschätzung von Kess eher selten aus Japan.

Auch das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei in Braunschweig schließt bislang aus, dass die Deutschen durch strahlenverseuchte Fische und Meeresprodukte gefährdet sind. Zwar sei zu erwarten, dass radioaktive Partikel sich großflächig über dem Pazifischen Ozean verteilen und dann durch Regen ins Meerwasser gewaschen werden. Aber aufgrund der Strömungsmuster würden sie sich deutlich verdünnen.

Theoretisch sei erst in etwa zwei bis sechs Monaten zu befürchten, dass verstrahlte Ware auf dem deutschen Markt auftauchen könnte, heißt es beim Bundesumweltministerium. Das Ministerium betont allerdings ebenfalls, dass Japan vor allem ein Lebensmittelimporteur sei und Frischwaren - mit Ausnahme weniger Fischspezialitäten - praktisch nicht exportiert würden. Laut Sandra Kess vom FIZ kommen lediglich 78 Tonnen Fisch pro Jahr aus Japan nach Deutschland - und das bei einem Gesamtverbrauch pro Jahr von rund 1,1 Millionen Tonnen. (dpa/tmn)

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