Der VSR-Gewässerschutz stellt bei Brunnenwasserproben viel zu hohe Nitratwerte fest

Experten warnen vor steigender Belastung

Wildeshausen. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen der Informationsveranstaltungen am 16. September in Wildeshausen abgegeben wurden.
08.11.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen der Informationsveranstaltungen am 16. September in Wildeshausen abgegeben wurden. In der Hälfte der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Insgesamt wurde bei der Untersuchung das Wasser aus 35 privat genutzter Brunnen aus dem Raum Dötlingen, Harpstedt, Colnrade und Wildeshausen analysiert. Die Gewässerexperten warnen vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden. Es kommt dadurch zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser.

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei der Untersuchungen 143 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Beckeln. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Colnrade mit 93 Milligramm pro Liter, in Düngstrup mit 104 Milligramm pro Liter, in Wildeshausen mit Milligramm pro Liter, in Wickau mit Milligramm pro Liter, in Dötlingen mit 100 Milligramm pro Liter und in Heinefelde mit 85 Milligramm pro Liter fest. Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig ist außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese können beim Absterben zu Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser muss man bei der Düngung bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr kommt. Nur wenn man diese in seine Berechnung mit wie viel Stickstoff die angebauten Pflanzen gedüngt werden müssen einbezieht, kann eine unnötige Nitratanreicherung verhindern werden.

Nicht nur Gartenbrunnenbesitzer, sondern auch die öffentliche Wasserversorgung ist darauf angewiesen, dass das Grundwasser den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter nicht überschreitet. Während die Gartenbrunnennutzer meist nur aus dem oberflächennahen Grundwasser fördern, haben die Wasserversorger die Möglichkeit immer tiefere Grundwasservorräte anzuzapfen oder nitratbelastetes Grundwasser mit geringer belastetem zu mischen. Doch auch das reicht häufig nicht mehr aus. Um weiterhin den Grenzwert ohne eine zusätzliche teure Aufbereitung einhalten zu können, gehen viele Wasserversorger in ihrem Trinkwasserschutzgebiet Kooperationen mit den Landwirten ein. Da die derzeit gültigen Begrenzung der Düngermengen in der Landwirtschaft nicht ausreicht um das Grundwasser unter Ackerflächen vor einer zu hohen Nitratauswaschung zu schützen, erhalten die Landwirte die freiwillig diese Kooperationen eingehen Ausgleichszahlungen, wenn sie effizienter düngen. Dadurch kann sichergestellt werden, dass das Wasser aus den Brunnen der Wasserversorger keine zu hohe Nitratbelastung aufweist. In diesen landwirtschaftlichen Gebieten stehen Vertreter der Landwirtschaft und der Wasserversorgung mit ihren unterschiedlichen Interessen im Kontakt. Der Landwirt kennt die Nitratkonzentration unter seinen Feldern und kann Fehler in der Bewirtschaftung der Ackerflächen, die zu einer zu starken Nitratauswaschung führen erkennen und minimieren.

Düngerplanung ist schwierig

Außerhalb der Wassergewinnungsgebiete möchte der Landwirt maximale Erträge mit dem geringsten Kostenaufwand erhalten. Da er die Nitratkonzentration unter seinen Feldern nicht kennt setzt er hohe Mengen an Düngemittel wie Gülle, Gärreste und Mineraldünger ein. Während mineralischer Dünger ausreichend dosierbar ist, ist der Einsatz der beiden ersteren überaus problematisch. Dies liegt zum einen daran, dass der Nährstoffgehalt von Gülle und Gärresten erheblich schwankt und dadurch eine genaue Düngeplanung sehr schwierig ist. Zum anderen liegen die Stickstoffe in Gülle und Gärresten als Ammonium vor. Diese müssen sich im Boden erst noch in Nitrat umwandeln, damit die Pflanzen sie zum Wachsen optimal nutzen können. Die Nährstoffwirkung ist daher nicht sicher vorauszusagen, da die Umwandlung je nach Wetterlage im Boden unterschiedlich schnell vonstatten geht. Deshalb ist die Gefahr der Nitratauswaschung bei Gülle und Gärresten immer sehr hoch. Um maximale Erträge zu erhalten, wird der Landwirt bei ihrem Einsatz daher immer höhere Stickstoffgaben veranschlagen als wenn er nur mineralischen Dünger einsetzen würde. Hierdurch erhöht sich dann natürlich auch die Auswaschung der Nitrate in das Grundwasser, die Belastung unter den Feldern steigt an.

Um die Notwendigkeit einer Änderung der Düngerausbringung auch außerhalb der Wasserschutzgebieten zu sehen, brauchen die Landwirte dringend Messwerte über den Zustand des Grundwassers. Der VSR-Gewässerschutz möchte diese Informationslücke mit den durchgeführten Messungen schließen. Daher sind die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen beim Nitrat seit 1984 auf der Homepage dargestellt. Einen guten Überblick liefern auch die aktuellen Nitratkarten der Gewässerschützer.

Brunnennutzer, die sich für die Grundwasserbelastung in ihrer Region interessieren können weitere Informationen auf der Homepage www.VSR-Gewässerschutz.de erhalten. Die Umweltschützer werden in den kommenden Jahren weitere Brunnenwasseranalysen durchführen.

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