Für Riffe wichtige Arten verschwinden

Fischerei schadet Korallen

London (wk). Die Zahl pflanzenfressender Fische im Bereich von Korallenriffen nimmt vielerorts aufgrund der Fischerei ab. Wie Forscher aus Australien und den USA in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society erklären, bekommen die Korallen dadurch ein großes Problem.
13.11.2013, 00:00
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Von WESER-KURIER
Fischerei schadet Korallen

Korallenriffe sind besonders artenreiche Ökosysteme. Wenn Arten verschwinden, können sie aus dem Gleichgewicht geraten.

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Die Zahl pflanzenfressender Fische im Bereich von Korallenriffen nimmt vielerorts aufgrund der Fischerei ab. Wie Forscher aus Australien und den USA in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society erklären, bekommen die Korallen dadurch ein großes Problem. Die Fische hielten das Algenwachstum auf den Korallen in Grenzen und spielten deshalb für die Gesundheit der Riffe eine wesentliche Rolle. Da vor allem die größeren Fische verschwänden, werde die Artenzusammensetzung der Riffe erheblich verändert.

Jennifer Smith von der University of California in San Diego und ihre Mitarbeiter hatten Studien aus den vergangenen Jahrzehnten zusammengetragen, die Aufschluss über die Biomasse pflanzenfressender Fische an Korallenriffen geben. Bei der Auswertung stellten sie fest, dass in den Gebieten, in denen gefischt wird, die Biomasse pflanzenfressender Fische nur halb so groß ist wie in Gebieten ohne Fischerei. Offenbar verschwänden vor allem große Fische wie Papageifische, die Algen regelrecht von den Korallen schabten, oder Doktorfische, die die Algen abfräßen.

Eine Veränderung der Größenstruktur habe weitreichende Folgen, schreiben die Wissenschaftler. Die großen Fische übernähmen Aufgaben im Ökosystem, die von den kleineren nicht übernommen werden könnten. Sie fräßen grundsätzlich mehr und vernichteten häufig auch solche Arten von Algen, die den Riffen direkt schadeten, so zum Beispiel durch die Bildung von Giftstoffen.

Wie die Forscher außerdem feststellten, hat in vielen Regionen sowohl die Anzahl als auch die Biomasse bestimmter Riffbarsche zugenommen. Diese Fische werden in der Regel nicht kommerziell gejagt. Möglicherweise profitierten sie davon, dass räuberische Arten aus den Ökosystemen weggefischt würden, schreiben die Wissenschaftler. Die Riffbarsche verteidigten ihre Reviere gegen algenfressende Fischarten und könnten sich nach dem Verschwinden größerer Arten besser behaupten.

Anfang dieses Jahres hatte eine andere Forschergruppe gezeigt, dass pflanzenfressende Fische für die Erholung geschädigter Riffe vermutlich eine bedeutende Rolle spielen. Die Wissenschaftler hatten ein Korallenriff vor der Westküste Australiens untersucht, das durch eine Hitzeperiode im australischen Spätsommer 1998 massiv geschädigt worden war. Fischzählungen hatten ergeben, dass die Zahl pflanzenfressender Fische in den Jahren nach dem Auftreten der Probleme bei den Korallen vorübergehend stark gestiegen war.

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