Ausstellung zeigt, wie Bremer Wissenschaftler dem Ziel der Nachhaltigkeit dienen wollen / Morgen Eröffnung

Forschung für eine bessere Zukunft

Plastik im Meer, Schadstoffe in der Luft, zur Neige gehende Vorräte an Energieträgern wie Erdöl: Das wirtschaftliche Wachstum und der gestiegene materielle Wohlstand haben unübersehbare Spuren hinterlassen. An der Erforschung dieser Spuren und der Folgen sind auch Wissenschaftler Bremer Einrichtungen beteiligt – ebenso wie an den Bemühungen, mithilfe technischer Neuerungen Probleme zu lindern. Eine Ausstellung im Bremer Haus der Wissenschaft stellt ihre Arbeiten vor.
12.02.2014, 00:00
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Forschung für eine bessere Zukunft
Von Jürgen Wendler
Forschung für eine bessere Zukunft

Ein großes Umweltproblem ist die wachsende Menge an Plastikmüll im Meer. Beim Zerfall des Plastiks entstehen winzige Teilchen, die zum Beispiel von Muscheln aufgenommen werden.

A2942 Ingo Wagner

Plastik im Meer, Schadstoffe in der Luft, zur Neige gehende Vorräte an Energieträgern wie Erdöl: Das wirtschaftliche Wachstum und der gestiegene materielle Wohlstand haben unübersehbare Spuren hinterlassen. An der Erforschung dieser Spuren und der Folgen sind auch Wissenschaftler Bremer Einrichtungen beteiligt – ebenso wie an den Bemühungen, mithilfe technischer Neuerungen Probleme zu lindern. Eine Ausstellung im Bremer Haus der Wissenschaft stellt ihre Arbeiten vor.

Zukunftsfähig sei eine Entwicklung, bei der die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse so befriedige, dass künftige Generationen die gleichen Chancen hätten, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, erklärte bereits in den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts eine Sachverständigenkommission der Vereinten Nationen unter der Leitung der norwegischen Politikerin Gro Harlem Brundtland. Zukunftsfähig in diesem Sinne ist gleichbedeutend mit dem Grundgedanken der Nachhaltigkeit, den bereits Anfang des 18. Jahrhunderts der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz mit Blick auf die Abholzung von Wäldern formuliert hat. Demnach sollte nur so viel Holz geschlagen werden, wie nachwachsen kann. Von Carlowitz ging es um den pfleglichen Umgang mit der Natur und ihren Rohstoffen, ein Gedanke, den er mit dem Ausdruck „nachhaltende Nutzung“ verband.

Die Ausstellung „Zukunftsfähig“, die morgen um 19 Uhr im Haus der Wissenschaft eröffnet wird, macht deutlich, wie weit die Menschheit von einer nachhaltigen Entwicklung entfernt ist und wie vielfältig die zu lösenden Aufgaben sind. Der Schrott, der als Ergebnis der Raumfahrt im All zurückbleibt, ist ebenso Thema wie das Müllproblem auf der Erde, die Belastung der Atmosphäre mit Stickstoffdioxid, das bei Verbrennungsvorgängen entsteht und zu Atemwegsproblemen führen kann, oder die bedrohten Korallenriffe.

Entzündungen durch Plastik

Dass der Plastikmüll im Meer Lebewesen gefährdet, ist seit vielen Jahren bekannt. Seevögel wie Albatrosse oder Eissturmvögel verschlucken Plastikteile oder verfüttern sie sogar an ihre Jungen. Weil der Müll den Magen füllt, besteht die Gefahr, dass die Tiere verhungern. Zu denen, die sich mit dem Thema beschäftigen, gehören Geographen der Universität Bremen und Experten des Alfred-Wegener-Instituts. Besonders problematisch ist nach ihren Angaben das sogenannte Mikroplastik, mikroskopisch kleine, manchmal nur wenige tausendstel Millimeter große Teilchen. Dieses unverdauliche Material wird von Lebewesen aufgenommen. Bei Miesmuscheln konnten Forscher nachweisen, dass es Entzündungen verursachen kann.

Wie das Wasser, so ist auch die Luft für das Leben auf der Erde von entscheidender Bedeutung. Wie sich die Zusammensetzung der Atmosphäre unter dem Einfluss menschlicher Aktivitäten verändert hat, haben Umweltphysiker der Universität Bremen in den vergangenen Jahren mithilfe von Daten erforscht, die ihnen der europäische Umweltsatellit ENVISAT geliefert hat. Die Forscher konnten unter anderem nachweisen, dass die Menge des Treibhausgases Kohlendioxid zugenommen hat. Dies wird vor allem auf das Verbrennen fossiler Energieträger wie Erdöl zurückgeführt.

Auch bei der Konzentration von Methan, eines weiteren Treibhausgases, verzeichneten die Umweltphysiker in den vergangenen Jahren einen Anstieg. Dieses Gas entsteht unter anderem, wenn kohlenstoffhaltiges Material wie die Überreste von Pflanzen und Tieren von Mikroorganismen abgebaut wird – und zwar unter Sauerstoffabschluss, wie Fachleute sagen, ohne Hilfe von Sauerstoff. Methan wird unter anderem in Sumpfgebieten gebildet, auf Reisfeldern und Mülldeponien sowie im Verdauungstrakt von Rindern.

Von den Bemühungen, Umweltprobleme zu verringern, zeugen nicht zuletzt die Arbeiten von Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung sowie des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz auf dem Gebiet der Elektromobilität. Die Experten arbeiten unter anderem an der Verbesserung von Energiespeichern und haben ein Gefährt namens „EO smart connecting car“ entwickelt, mit dem neue Formen der Mobilität getestet werden sollen. Es eröffnet zum Beispiel die Möglichkeit, mehrere Autos während der Fahrt zusammenzuschließen und auf diese Weise Energie zu sparen. So können längere Strecken zurückgelegt werden.

Auch an Bemühungen, von der Natur zu lernen, fehlt es in der Bremer Wissenschaftslandschaft nicht. So nutzen Forscher des Bionik-Innovations-Centrums der Hochschule Bremen Flachsfasern als Werkstoff. Das Kunstwort Bionik ist aus Bestandteilen der Begriffe Biologie und Technik zusammengesetzt worden. Ein Beispiel für die Verwendung von Flachsfasern liefert ein Fahrradhelm, bei dem Flachs Glasfasern ersetzt. Zu den Vorteilen des Materials gehört auch, dass es einfach entsorgt, das heißt ohne Rückstände verbrannt werden kann.

Andere Wissenschaftler der Hochschule Bremen beschäftigen sich mit der Frage, wie sich winzige Algen nutzen lassen. So haben Mitarbeiter der Hochschule zum Beispiel nachgewiesen, dass besonders robuste Mikroalgen in der Wüste von Oman wachsen können, in einem Gebiet, das bislang nicht landwirtschaftlich genutzt worden ist. Die Experten halten es für vorstellbar, dass solche Algen als Fischfutter in Aquakulturen eingesetzt werden könnten.

Die Ausstellung „Zukunftsfähig“ im Bremer Haus der Wissenschaft, Sandstr. 4/5, die morgen um 19 Uhr eröffnet wird, dauert bis zum 26. April. Das Haus ist montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr und sonnabends von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

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