Franken radelnd durchqueren

Auf zwei Rädern durchs Bierland

Wer mit dem Fahrrad zwischen Rothenburg und Bamberg unterwegs ist, wird unweigerlich auf die fränkische Biertradition treffen.
17.04.2021, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Axel Scheibe
Auf zwei Rädern durchs Bierland

Wohnen wie die alten Ritter, das können Besucher, wenn sie auf Burg Rabenstein in der Fränkischen Schweiz nächtigen.

Axel Scheibe

Das Auto steht sicher auf dem Hotelparkplatz in Rothenburg ob der Tauber und, was fast noch wichtiger ist, die E-Bikes für die kommende Woche warten auf ihre Besitzer auf Zeit. Der Radtour auf den Spuren des Bieres steht also nichts mehr im Wege. Und, um das bereits vorweg zu sagen, wer den Fahrplan der Tour genau studiert, hat sicher gemerkt: Auch für Nicht-Biertrinker – die soll es ja geben – versprechen die knapp 300 Kilometer viel Abwechslung.

Doch Fakt ist halt, Bayern ohne Bier ist schwerlich vorstellbar und noch mehr trifft das auf Franken zu. Immerhin rühmen sich die Franken der größten Brauereidichte weltweit. Also los, lassen wir uns überraschen. Nicht überraschend ist aber noch vor dem eigentlichen Start, dass auch das mittelalterliche Städtchen Rothenburg ob der Tauber um Aufmerksamkeit buhlt. Die kleinen Gassen und Straßen der Altstadt verführen zum Bummeln. Auf der alten Stadtmauer gibt es jede Menge Fotomotive. Und im mittelalterlichen Kriminalmuseum erwarten die Besucher dunkle Zeiten vergangener Jahrhunderte. Romantisch wird es, wenn Nachtwächter Hans Georg Baumgartner zu seinen abendlichen Rundgängen einlädt. Er hat manch Spannendes über die abwechslungsreiche Geschichte Rothenburgs zu erzählen. Damit ist man dann doch schon beim eigentlichen Thema der Radelwoche: Bier habe gespielt und spielt eine wichtige Rolle, sagt er. Auf Bier von Landwehr Bräu stößt man an vielen Ecken. Wer es dabei ganz authentisch haben will, ist im Gasthof der Brauerei im kleinen Dörfchen Steinsfeld vor den Toren der Stadt am richtigen Ort. Mit etwas Vorplanung gibt es sicher auch die Möglichkeit zu einer Brauereiführung.

Frisch gestärkt und hoffentlich trotz des Biers gut ausgeschlafen, geht es am nächsten Morgen auf die erste Etappe. 60 Kilometer sind es bis Wolframs Eschenbach, eine gemütliche Tour entlang der Burgenstraße und der Fränkischen Rezat. Mit einem Ziel, dass zwar etwas abseits großer touristischer Routen liegt, aber trotzdem zu einem gemütlichen Bummel einlädt. Immerhin sollen ja auch die Radlerwaden etwas entspannt werden. Ein besonderes Highlight der kleinen Stadt ist der bunte Kirchturm, der die Radler schon von Weitem grüßt. Auch in Wolframs Eschenbach hat das Mittelalter in der Altstadt seine Spuren hinterlassen. Kein Wunder, dass sich das Drehteam des Kinderfilmklassikers vom Räuber Hotzenplotz für diese alten Mauern entschieden hat.

Ein Stück vom mittelalterlichen Flair hält auch der Hotel Gasthof Alte Vogtei bereit. In dem komplett sanierten und restaurierten Fachwerkhaus bilden Moderne und Tradition eine gelungene Einheit, und im schattigen Biergarten schmeckt das regionale Bier besonders gut. Weitere 60 Kilometer weiter, in Nürnberg, sieht das mit dem Bier nicht anders aus. Die letzten Kilometer entlang des Main-Donau-Kanals vergehen wie im Flug. Doch die Suchfahrt durch die Stadt hat es dann in sich.

Ernst Rothenbach, Biersommelier der ersten Stunde, führt in seinem Brauereigasthof Rothenbach das Bier der familieneigenen Aufsesser Brauerei.

Ernst Rothenbach, Biersommelier der ersten Stunde, führt in seinem Brauereigasthof Rothenbach das Bier der familieneigenen Aufsesser Brauerei.

Foto: Axel Scheibe

Der abendliche Gang durch die Altstadt ist da deutlich angenehmer, und das Rotbier, das durch manchen Schankhahn fließt, sowie die berühmten Nürnberger Würstel entschädigen und machen schnell Lust auf die nächste Etappe, die Fränkische Schweiz, die zu einem ersten Höhepunkt wird.

Mit dem Zug kann man die mehr als 100 Kilometer etwas verkürzen und dann direkt von Forchheim in die Fränkische Schweiz starten. Und Schweiz bedeutet nicht nur im südlichen Nachbarland Berge. Auch die in Franken haben es in sich.

Dafür bietet die Felsenwelt der Fränkischen Schweiz manch reizvolles Fotomotiv. Ob Gößweinstein, Pottenstein oder Tüchersfeld, da ist manch Romantisches im Spiel. Das steigert sich dann noch am Ziel. Hoch über dem Ailsbachtal liegt die Burg Rabenstein und in ihr das gleichnamige Burghotel. Die 22 Hotelzimmer versprechen einen exklusiven Burgstil, und das gesamte Umfeld verlangt nach mehr Zeit. Doch die haben die Radler leider nicht. Mehr Zeit, sprich zwei Übernachtungen und damit ein Ruhetag, werden ihnen erst in Bamberg, der nächsten Station der Reise, genehmigt. Dort steht nun endlich das Bier so richtig im Mittelpunkt. Schon auf der Etappe durch die Fränkische Schweiz hat fast in jedem zweiten Dorf eine kleine Brauerei um Gäste im Biergarten geworben. Die Krone setzt dem Ganzen die kleine Gemeinde Aufseß auf. Bereits 2001 schaffte sie es ins Guinness-Buch der Rekorde. Aufseß rühmt sich der höchsten Brauereidichte der Welt. Da kommt man um eine Rast in einem der Biergärten nicht umhin. Im Brauereigasthof Rothenbach herrscht Geschäftsführer und Biersommelier Ernst Rothenbach über den Zapfhahn. Was da aus der familieneigenen Brauerei ins Glas sprudelt, lohnt durchaus auch einen längeren Aufenthalt.

Ein Rundgang durch das Fränkische Freilichtmuseum in Bad Windsheim ist wie eine Zeitreise durch 700 Jahre fränkische Alltagsgeschichte.

Ein Rundgang durch das Fränkische Freilichtmuseum in Bad Windsheim ist wie eine Zeitreise durch 700 Jahre fränkische Alltagsgeschichte.

Foto: Axel Scheibe

Eine bessere Einstimmung für den Ruhetag in der Bierstadt Bamberg gibt es nicht. Auch in Bamberg ist man recht selbstbewusst. Zwar hat es nicht ins Guinness-Buch gereicht, trotzdem nennt man sich „Die wahre Hauptstadt des Bieres“. Darüber ließe sich vielleicht trefflich streiten, doch unbenommen ist, dass man in der Stadt 60 Biersorten verkosten kann. Noch sind es neun mehr oder minder große Privatbrauereien, die vom Rauchbier (Geschmacksache, aber typisch) über ein gutes Pils bis zum Bockbier fast jeden Geschmack befriedigen können. Und der Ruhetag bietet dafür reichlich Gelegenheit. Sehenswürdigkeiten wie der Dom, die Altstadt und das Fränkische Brauereimuseum auf dem Michelsberg finden da zwischen den Bierhumpen sicher auch noch Platz.

So langsam wird es Zeit, wieder in Richtung Rothenburg zu rollen. Hinter Hirschaid wird der Aischtalradweg zum Begleiter. Nach einer Nacht in Neustadt an der Aisch, das vor allem mit seinem Kulturareal am Alten Schloss glänzt. Nicht zu vergessen der abendliche Besuch im „Scharfen Eck“: bekannt und mehrfach empfohlen für gute bodenständige fränkische Kost mit radlergerechten Portionen. Von Neustadt ist es dann nur ein größerer Katzensprung bis nach Bad Windsheim mit dem Fränkischen Freilandmuseum, dem man unbedingt mehr als nur eine kurze Stippvisite gönnen sollte. Das großzügige Areal am Rande der Stadt führt zurück in vergangene Jahrhunderte.

Mit den letzten 40 Kilometern geht die Radlerwoche zu Ende. Da bleibt manch bierselige Erinnerung und fränkisches Erlebnis hautnah. In Rothenburg wartet das Auto. Heimwärts geht es mit PS-starker Unterstützung, und das ist nach knapp 300 Kilometern im Sattel auch mal wieder ganz schön.

Die Reise wurde unterstützt von Radweg-Reisen.

Info

Zur Sache

Durch Franken radeln

Anreise: mit dem Zug oder dem Auto über Nürnberg. Bei beiden Reisemöglichkeiten lässt sich auch ein eigenes Rad mitnehmen.

Radfahren: Die Reise wird zwischen April und Oktober an zahlreichen Terminen angeboten. Der Preis pro Person im Zweibettzimmer inklusive Frühstück ab 599 Euro. Leihrad 79 Euro, E-Bike 195 Euro. Weitere Infos gibt es unter www.radweg-reisen.com.

Weitere Infos unter www.fraenkische-schweiz.com sowie zum Nürnberger Land unter www.urlaub.nuernberger-land.de.

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