Tierfreunde sollten auf Zahnhygiene und -gesundheit ihrer Lieblinge achten Gebiss der Vierbeiner im Auge behalten

Verantwortungsbewusste Tierfreunde möchten, dass ihr kleiner Liebling sich rundum wohlfühlt. Damit die Vierbeiner auch morgen noch kraftvoll zubeißen können, gilt es in Sachen Zahnhygiene und -gesundheit einiges zu beachten.
18.03.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Bianca Kläner

Verantwortungsbewusste Tierfreunde möchten, dass ihr kleiner Liebling sich rundum wohlfühlt. Damit die Vierbeiner auch morgen noch kraftvoll zubeißen können, gilt es in Sachen Zahnhygiene und -gesundheit einiges zu beachten.

Die Bundestierärztekammer (BTK) empfiehlt Hundehaltern, regelmäßig das Gebiss des Tieres zu kontrollieren. Hunde haben 42 Zähne und verlieren ihre Milchzähne zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat. Die Kammer empfiehlt, junge Hunde frühzeitig auf positive Art daran zu gewöhnen, dass man ihnen ins Maul greift und später die Zähne putzt. Tierfreunde sollten laut BTK das Gebiss des Hundes von Anfang an regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren lassen, um nach dem Zahnwechsel rechtzeitig zu erkennen, ob eventuell verbliebene Milcheckzähne gezogen werden müssen.

Hunde können von ähnlichen Problemen wie Menschen betroffen sein, so die Kammer: Futterreste bleiben an den Zähnen haften und bieten Bakterien optimale Bedingungen, sich zu vermehren. Ein weicher Bakterienbelag, die Plaque, entsteht auf den Zähnen, daran heften sich mineralische Substanzen aus dem Speichel an. Dies wiederum führt zur Entstehung des harten und sichtbaren Zahnsteins.

„Die Bakterienbeläge können zu einer leichten Zahnfleischentzündung – Gingivitis – führen, die im weiteren Verlauf immer schlimmer wird. Von einer Parodontitis spricht man, wenn als Folge die Verbindung zwischen Zahn und Zahnbett zerstört wird, sich das Zahnfleisch zurückbildet und die Zähne locker werden“, erläutert Dr. Thomas Steidl vom Ausschuss für Kleintiere der Bundestierärztekammer. Da sich gleichzeitig auch Taschen im Zahnfleisch bildeten, in denen sich Bakterien ansiedelten, komme es zu starkem Mundgeruch. Gefährlich werde es, wenn die Bakterien in den Blutkreislauf gelangten, denn dies könne zu Herz- oder Nierenproblemen führen.

Die Kammer rät Hundefreunden, durch regelmäßiges Putzen mit Hundezahnpasta und einer speziellen Bürste oder einem weichen Fingerling die noch weichen Beläge zu entfernen. In der Regel reiche das Bürsten der Zahnaußenseiten. Feste Nahrung, Kauknochen und spezielle Zahnpflegesticks könnten die Zahngesundheit ebenfalls fördern, teilen die Experten der BTK mit. Beim Spielzeug gelte es Tennisbälle zu meiden, da deren wolliger Überzug wie Sandpapier den Zahnschmelz abreibe und vor allem Eckzähne nachhaltig schädigen könne.

Selbst bei guter Pflege empfiehlt die Kammer die regelmäßige tierärztliche Kontrolle, gerade bei alten Hunden und Rassen, die anfällig für Zahnprobleme sind. „Besonders Pekinesen, Yorkshireterrier oder Zwerg- und Toypudel neigen zu Zahnfleischentzündungen und vermehrter Zahnsteinbildung“, sagt Kleintierpraktiker Steidl. Sei eine sogenannte Zahnsanierung, die Entfernung hartnäckigen Zahnsteins mit – Ultraschall oder – falls erforderlich – das Ziehen einzelner Zähne unumgänglich, geschehe dies unter Vollnarkose. Von Zahnsanierungen durch Laien rate man ab.

Wie die Kammer erläutert, sind nicht nur Hunde, sondern auch Katzen von Plaque und Zahnstein betroffen. Letzterer führe zu Mundgeruch, unter dem nach Angaben der BTK mehr als 70 Prozent der Hauskatzen leiden. Tiere, die ausschließlich Feuchtfutter fressen, hätten damit größere Probleme als Katzen, die Trockenfutter knabbern oder Freigänger, die sich auch schon mal eine Maus holen. Knusprige Brocken, die die Plaque vom Gebiss abreiben, sollten nach Empfehlung der Experten regelmäßig auf dem Futterplan stehen, auch spezielle Kausticks für Katzen seien geeignet. Verweigerten Katzen das Trockenfutter, könne dies ein Zeichen für Zahnschmerzen sein.

Da Katzen sich das Zähneputzen in der Regel nicht gefallen lassen, ist die regelmäßige Kontrolluntersuchung durch den Tierarzt besonders wichtig. Genau wie Hundebesitzer sollten Katzenfreunde ihre Tiere aber von Anfang an daran gewöhnen, dass man ihnen ins Maul schaut. Leidet das Samtpfötchen unter starker Zahnsteinbildung, muss der Tierarzt die Ablagerungen auf jeden Fall unter Narkose mit Ultraschall entfernen.

Stetes Zahnwachstum

Eine Besonderheit bei Kaninchen ist, dass ihre Zähne inklusive der Backenzähne ständig wachsen. Daher gilt es, mit der richtigen Fütterung den natürliche Zahnabrieb zu fördern. Die Kammer empfiehlt frisches Heu, da dieses andauernd gekaut werden müsse und den Abrieb unterstütze. Auch Zweige, etwa von Haselnussbäumen, seien geeignet. Auch die regelmäßige Gebisskontrolle durch den Tierarzt sei wichtig. Will das Kaninchen plötzlich nicht mehr fressen, können laut Bundestierärztekammer Zahnprobleme der Grund sein: Wachsen etwa die Backenzähne zu stark nach und bilden scharfkantige Spitzen, so können diese in Wangen oder Zunge des Tieres schneiden. Ein umgehender Arztbesuch ist in diesen Fällen vonnöten.

Auch für Meerschweinchen sind gesunde Zähne lebenswichtig, und das Futter ist bei ihnen laut Kammer die beste Zahnpflege. Es sollte aus Gras, Pflanzenblättern und Heu bestehen, denn durch den Raufasergehalt werden die Zähne auf natürliche Weise abgeschliffen. Wichtig ist dabei nicht so sehr der Härtegrad des Futters, sondern eher die Dauer des Kauvorganges. Häufiges und zeitaufwendiges Zermahlen durch die Bewegungen des Unterkiefers zum Oberkiefer nutzt die Backenzähne ab. Dieser kontinuierliche Prozess ist wichtig, weil bei Meerschweinchen die Schneidezähne des Oberkiefers bis zu zwei Millimeter in der Woche wachsen, erläutern die Experten der BTK. Wolle das Tier gar nicht mehr fressen, so müsse man umgehend den Tierarzt aufsuchen, denn selbst bei geeignetem Raufutter könne eine Zahnfehlstellung bestehen, welche die Futteraufnahme behindere oder gar unmöglich mache.

BIANCA KLÄNER

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