Was bereits ein vierwöchiger Alkoholverzicht im Körper bewirkt – und welche Tipps Experten geben Geplante Abstinenz

Köln. Eine Zeit lang komplett auf Alkohol verzichten – grundsätzlich eine gute Idee. Aber was passiert bei einem Alkoholverzicht im Körper? Erholt sich die Leber? Wird der Bierbauch kleiner? Oder macht es für jemanden, der ohnehin nicht täglich Alkohol trinkt, keinen Unterschied? „Es gibt grundsätzlich keinen sicheren Alkoholkonsum.
08.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Mira Fricke

Köln. Eine Zeit lang komplett auf Alkohol verzichten – grundsätzlich eine gute Idee. Aber was passiert bei einem Alkoholverzicht im Körper? Erholt sich die Leber? Wird der Bierbauch kleiner? Oder macht es für jemanden, der ohnehin nicht täglich Alkohol trinkt, keinen Unterschied? „Es gibt grundsätzlich keinen sicheren Alkoholkonsum. Auch schon geringe Mengen Alkohol erhöhen das Risiko für Zellschäden an der Leber. Fest steht: Je höher der Konsum, desto schädlicher“, sagt Georg Poppele, Sprecher des Arbeitskreises Qualifizierter Entzug in der Inneren Medizin des Berufsverbandes Deutscher Internisten.

Michaela Goecke von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) betont: „Mit dem Alkoholkonsum steigen die Risiken für mehr als 200 verschiedene Krankheiten, insbesondere Herzkreislauf- und Krebserkrankungen.“ Für Frauen steige zum Beispiel das Brustkrebsrisiko, für Männer das Risiko für Krebs im Mund- und Rachenraum und im Darm.

„Innerhalb von zwei Monaten können sich durch eine absolute Abstinenz nachweisbare Schäden an der Leber wie beispielsweise alkoholbedingte Entzündungen oder eine Fettleber zurückbilden“, erklärt Internist Poppele. Und bereits zwei bis vier Wochen kompletter Alkoholverzicht könnte dem Immunsystem helfen, sich wieder zu erholen. Bei manchen Alkoholabhängigen lasse sich in einem frühen Stadium jedoch beobachten, dass sie für einen gewissen Zeitraum auf Alkohol verzichten, um sich selbst zu beweisen, dass sie kein Problem mit Alkohol haben. „Anschließend trinken sie jedoch weiter und rutschen dann in eine Abhängigkeit.“

Um einer solchen Alibi-Fastenzeit vorzubeugen, sei ein regelmäßiger Verzicht sinnvoll: „Wer sich einen Monat seine Abstinenzfähigkeit beweist und anschließend umso mehr trinkt und den Verzicht nachholt, tut sich keinen Gefallen“, warnt Professor Falk Kiefer. Es sei besser, regelmäßig an mindestens zwei Tagen die Woche auf Alkohol zu verzichten, rät der ärztliche Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Gerade für Menschen, die normalerweise täglich Alkohol trinken oder mehr als empfohlen, sei der Verzicht eine lohnende Erfahrung, sagt Goecke: „Gewichtsverlust ist möglicherweise ein Effekt.“ Nicht nur, weil alkoholische Getränke oft kalorienreich seien, sondern auch, weil alkoholbedingter Heißhunger kein Thema mehr sei. „Viele Menschen schlafen außerdem ohne das abendliche Glas Wein oder Bier tiefer und besser“, sagt die Expertin der Bundeszentrale.

Kiefer weist auch auf die psychologischen Effekte hin: Ein zeitweiser Alkoholverzicht könne das Bewusstsein für den eigenen Konsum schärfen. „Viele Menschen unterschätzen die Macht der Gewohnheit. Der langsame Übergang zu einem riskanten Konsum wird oft nicht erkannt.“ 1,6 Millionen Menschen in Deutschland erfüllen nach Angaben der Experten die Diagnose Alkoholabhängigkeit. „Wir behandeln aber letztlich nur zehn Prozent davon“, sagt er. „Ungefähr weitere zehn Prozent wissen zwar von ihrem Alkoholproblem, lassen sich jedoch nicht behandeln.“ Man müsse davon ausgehen, dass die restlichen 80 Prozent tatsächlich nicht wissen, dass sie abhängig sind. Die meisten spürten dies erst, wenn sie wegen körperlicher oder sozialer Probleme ihr Trinkverhalten verändern wollten, es aber nicht schaffen. Damit sei zeitweiser Alkoholverzicht auch ein guter Selbsttest, der helfen könne, den eigenen Konsum zu reflektieren.

„Sein Verhalten zu ändern, ist grundsätzlich schwer“, sagt Goecke. „Wenn man erfolgreich eine Zeit lang verzichtet hat, kann man sich ruhig belohnen, zum Beispiel mit einem Kinobesuch.“ Belohnungen helfen, am Ball zu bleiben. Selbstverständlich beinhalten solche Belohnungen keine alkoholischen Getränke. Um die Lust auf Alkohol in den Griff zu bekommen, gebe es kleine Tricks: „Es kann hilfreich sein, sich selbst zu sagen: Ich brauche jetzt gar keinen Alkohol.“ Wenn man in einer solchen Situation eine Kleinigkeit erledigt oder sich ablenkt, gehe die Lust auf Alkohol oft schnell vorüber.

Alkohol gehört zum geselligen Beisammensein oft einfach mit dazu. Sollte man während einer Alkoholpause also lieber zu Hause bleiben? Gesellschaftliche Anlässe sollten nicht grundsätzlich gemieden werden, raten die Experten. „Aber man sollte seine Position klar darstellen, in Form eines freundlichen aber bestimmten Nein zu Alkohol“, empfiehlt Goecke. „Es ist nicht unhöflich, wenn man keinen Alkohol trinkt.“ Zudem gibt es viele Alternativen zu üblichen Getränken, zum Beispiel alkoholfreie Cocktails.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt gesunden Frauen, nicht mehr als zwölf Gramm reinen Alkohol pro Tag zu trinken. Das entspricht etwa einem 0,1 Liter Glas Wein. Die Empfehlung für gesunde Männer lautet: nicht mehr als 24 Gramm reinen Alkohol pro Tag. Das entspricht in etwa einem halben Liter Bier.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+