Geschichte des Lebens

Dass Arten von Lebewesen nach Forschern benannt werden, ist nicht ungewöhnlich. Seltener kommt vor, dass ganze Gattungen an bestimmte Forscher erinnern.
16.05.2017, 00:00
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Geschichte des Lebens
Von Jürgen Wendler

Dass Arten von Lebewesen nach Forschern benannt werden, ist nicht ungewöhnlich. Seltener kommt vor, dass ganze Gattungen an bestimmte Forscher erinnern. Oft erfolgt die Namensgebung erst nach deren Tod. Dem Leiter der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Bremen, Jens Lehmann, wird diese Ehre nun schon zu Lebzeiten zuteil. Französische und Schweizer Geowissenschaftler stellen in der Fachzeitschrift „Cretaceous Research“ eine zuvor unbekannte Gattung von Fossilien vor, der sie den Namen Jenslehmannella gegeben haben. Bei den Tieren der Gattung handelt es sich um Ammoniten, Verwandte der heutigen Tintenfische. Mit zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen habe Lehmann das Wissen über diese Tiergruppe vergrößert, heißt es zur Begründung der Namensgebung.

Die Erde ist vor etwa 4,56 Milliarden Jahren entstanden, und die ersten winzigen Organismen tauchten vermutlich bereits nach einigen Hundert Millionen Jahren auf. Bis sich vielzellige Lebewesen entwickelt hatten, dauerte es allerdings sehr lange. Erste Hinweise auf die Besiedelung des Festlands durch Lebewesen stammen aus dem frühen Erdaltertum (Paläozoikum), einem Zeitabschnitt, der vor rund 541 Millionen Jahren begann und vor 252 Millionen Jahren endete. Wenig später tauchten die ersten Dinosaurier auf. Vor 66 Millionen Jahren starben sie aus, ebenso wie die Ammoniten, deren versteinerte Überreste in der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Bremen eine bedeutende Rolle spielen. Lehmann, der die Sammlung seit dem Jahr 2000 leitet, bezeichnete sie schon vor Jahren als seine „Lieblinge“.

Die Ammoniten behaupteten sich auf der Erde über einen Zeitraum von mehreren Hundert Millionen Jahren. In den flachen Randbereichen der Meere waren die Tiere, von denen es Zehntausende Arten gab, zahlreich vertreten. Die meisten Ammonitenfossilien sehen aus wie eine Spirale und erinnern damit an Schnecken. Die Fossilien gehen auf die aus Kalk bestehenden Schalen der Tiere zurück. Kopf und Arme schauten aus dem vorderen Teil des Kalkgehäuses, in dem der Körper steckte, heraus. Der hintere Teil des Gehäuses diente vermutlich als Auftriebskörper, der es den Tieren ermöglichte, im Wasser zu schweben. Er bestand aus gasgefüllten Kammern. Überreste aus den Mägen solcher Meeresbewohner liefern Hinweise, dass sie sich von Seelilien und Muschelkrebsen ernährten. Forscher halten es für möglich, dass Ammoniten wie Tintenfische zehn Arme hatten.

Die Ammoniten der Gattung Jenslehmannella unterscheiden sich von anderen dadurch, dass die Schalen nicht spiralförmig aufgerollt, sondern entrollt sind. Die Windungen liegen frei. Bislang ist nur eine Art der Gattung bekannt: Jenslehmannella bangestanense. Wie Lehmann erläutert, stammen die Überreste aus 120 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten im Iran. Zu Lebzeiten der Tiere war das Gebiet vom Meer überflutet. Der Hintergrund: Die Lage der Landmassen hat sich im Laufe der Erdgeschichte ständig verändert. So lebten beispielsweise die Dinosaurier vor 225 Millionen Jahren auf einer einzigen riesigen Landmasse. Rund 100 Millionen Jahre später hatten sich die dicken Gesteinsplatten, aus denen die feste Schale der Erde zusammengesetzt ist, wieder so stark verschoben, dass unterschiedliche Landmassen mit breiten Gräben dazwischen entstanden waren. Als Dinosaurier und Ammoniten vor 66 Millionen Jahren ausstarben, waren Nordamerika, Südamerika, Afrika und Asien voneinander getrennt, während die antarktische Landmasse zusammen mit der australischen im Süden eine Einheit bildete.

Nach den Worten von Lehmann waren Ammoniten mit entrollten Schalen in der Kreidezeit, das heißt in der Zeit vor 145 bis 66 Millionen Jahren, weit verbreitet. Sie gehörten zu den zuletzt ausgestorbenen Ammoniten. Offenkundig habe es sich bei ihnen um ein Erfolgsmodell der Evolution gehandelt, erklärt der Bremer Geowissenschaftler. Die Gründe dafür seien allerdings unklar. Vorstellbar sei, dass aufgrund eines steigenden Meeresspiegels alte Lebensräume verändert worden und neue entstanden seien.

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