Gesundheit DAK: Weniger Zappelphilipp-Arznei für Grundschüler

Hamburg. Ärzte verschreiben weniger Medikamente für Zappelphilippe im Grundschulalter. Das teilt Krankenkasse DAK mit. Ein Grund für den Rückgang der Verschreibungen sieht die Kasse in der zunehmenden Aufklärung über Nebenwirkungen.
30.09.2010, 15:20
Lesedauer: 2 Min
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Hamburg. Ärzte verschreiben weniger Medikamente für Zappelphilippe im Grundschulalter. Das teilt Krankenkasse DAK mit. Ein Grund für den Rückgang der Verschreibungen sieht die Kasse in der zunehmenden Aufklärung über Nebenwirkungen.

Die Zahl der Verordnungen von Mitteln gegen Aufmerksamkeitsstörungen sei von Ende 2007 bis Ende 2009 um knapp ein Viertel (24 Prozent) zurück gegangen, so die DAK. Dies betrifft Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren. Ein Grund für den Rückgang der Verschreibungen sei die zunehmende Aufklärung über Nebenwirkungen. Allerdings wurde in der Altersgruppe von 10 bis 13 Jahren ein Anstieg der Verordnungen um einen fast ebenso hohen Prozentsatz (23 Prozent) verzeichnet.

Weniger kleinere Kinder bekommen die Medikamente neu verschrieben, aber die älteren Kinder nehmen ihre schon verschriebenen weiter, sagte eine DAK-Sprecherin. Der Anstieg der Verordnungen für alle Kinder und Jugendlichen von Ende 2007 bis Ende 2009 liege bei vier Prozent.

Das Zappelphilipp-Syndrom heißt in der Medizin mit langem Namen Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Die Kinder sind unruhig und können sich nicht konzentrieren. Jungen sind viermal so stark betroffen wie Mädchen. Der Einsatz von Medikamenten gegen das Syndrom wird oft stark kritisiert. Insgesamt wurden bei der DAK im Jahr 2009 knapp 130 000 Rezepte für ADHS-Medikamente ausgestellt, rund 30 000 davon gingen an die Altersgruppe der 6 bis 9-Jährigen.

Wirkstoffe gegen ADHS sind Methylphenidat und Atomoxetin. Nebenwirkungen, die genannt werden, sind Appetitlosigkeit, Wachstumsstörungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Über Langzeitfolgen gibt es noch keine umfassenden Erkenntnisse. «Mediziner und Eltern sind anscheinend zögerlicher geworden, Kinder auf stimulierende Medikamente einzustellen», sagte DAK-Apothekerin Stefanie Schellhammer.

Inzwischen habe auch die beschränkte Zulassung für methylphenidathaltige Arzneimittel Wirkung gezeigt, die seit Sommer 2009 gilt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte beschlossen, dass künftig nur Spezialisten für Verhaltensstörungen ADHS- Medikamente verschreiben dürfen. Außerdem müsse die Therapie regelmäßig unterbrochen werden, um Auswirkungen beurteilen zu können.

Die Daten sind für mich überraschend, aber sehr begrüßenswert, sagte Professor Michael Schulte-Markwort vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf der Nachrichtenagentur dpa. Er selbst sei nicht zögerlicher mit der Verordnung geworden. Bei der Erstdiagnose werde zunächst versucht, dem Kind mit psychotherapeutischer Hilfe und Unterstützung der Eltern zu helfen. Wenn diese Maßnahmen nicht griffen, käme eine Verschreibung in Betracht.

Britische Forscher haben unterdessen einen weiteren Hinweis auf eine genetische Ursache für das Zappelphilipp-Syndrom entdeckt. Sie analysierten das Erbgut von Kindern mit und ohne ADHS. In der ADHS- Gruppe hatten mehr Kinder eine Wiederholung bestimmter Genabschnitte im Erbgut oder einige Abschnitte fehlten ganz. Diese als genetische Copy-Nummer-Varianten (CNV) bezeichnete Abweichungen, hatten die Forscher auch schon bei Autismus- und Schizophrenie-Patienten entdeckt.

Autismus und ADHS haben einige gemeinsame Symptome wie Lernschwierigkeiten. Hinweise auf eine genetische Abweichung auf Chromosom 16 gab es bereits 2002. Essener Forscher ermittelten bei einigen ADHS-Kindern 2007 zudem eine Kombination von drei Veränderungen im Gen für einen Dopamintransporter. Menschen, die diese Kombination von Vater und Mutter geerbt haben, hätten ein 2,5fach erhöhtes ADHS-Risiko. (dpa)

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