Gesundheit Der blaue Dunst - Tipps zum Abgewöhnen

Hamburg (dpa/tmn) - Raucher werden es in Zukunft schwerer haben, ihrem Laster zu frönen: Ließen ihnen die alten Regelungen zum Nichtraucherschutz noch viele Freiheiten zum Qualmen in der Öffentlichkeit, haben Rauchergegner jetzt in Bayern einen wichtigen Sieg errungen.
05.07.2010, 17:54
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Hamburg (dpa/tmn) - Raucher werden es in Zukunft schwerer haben, ihrem Laster zu frönen: Ließen ihnen die alten Regelungen zum Nichtraucherschutz noch viele Freiheiten zum Qualmen in der Öffentlichkeit, haben Rauchergegner jetzt in Bayern einen wichtigen Sieg errungen.

Per Volksentscheid setzten sie ein totales Rauchverbot in Gaststätten, Kneipen und Bierzelten durch - und sie haben angekündigt, bundesweit aktiv zu werden. Für Raucher also kein schlechter Zeitpunkt, von sich aus mit dem Qualmen aufzuhören.

Denn hat die Initiative in ganz Deutschland Erfolg, ist es ohnehin bald vorbei mit den Ausnahmen, die das Rauchen in Nebenräumen von Wirtshäusern, kleinen Eckkneipen oder Bierzelten erlauben. Manchmal kann etwas äußerer Druck gar nicht schaden, um sich gewissenhaft mit dem eigenen Suchtverhalten auseinanderzusetzen: «Die meisten Raucher wollen tatsächlich aufhören», sagt Prof. Stefan Andreas. «Viele haben es nicht geschafft, weil sie überall dazu animiert werden, mitzurauchen», erläutert der Pneumologe von der Lungenfachklinik Immenhausen bei Kassel.

Umfragen zeigten, dass daher sogar viele Raucher strenge Nichtraucherschutzgesetze befürworteten. Und so mancher wünscht sich vielleicht, mit dem Rauchen ganz aufzuhören. Aber ob das klappt, hängt vor allem davon ab, wie der Weg zur letzten Zigarette angegangen wird. Gesundheitsexperten haben für ausstiegswillige Raucher folgende Tipps parat:

Sich einer Gesprächsgruppe anschließen: Wer ernsthaft mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte sich einer Gesprächsgruppe im Rahmen eines professionellen Entwöhnungsprogramms anschließen, empfiehlt Christa Merfert-Diete von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm. Angeboten werden sie etwa von Krankenkassen oder Volkshochschulen. Das werde als beste Methode angesehen, weil sich dort Betroffene mit anderen mit ihrer Sucht auseinandersetzen.

Manche Raucher schafften die Entwöhnung zwar auch auf eigene Faust. Für viele seien Gruppengespräche aber wichtig, «um sich selbst nicht wieder etwas vorzumachen». Schließlich gehe es auch darum, bestimmte Gewohnheiten in den Griff zu bekommen, die oft automatisiert ablaufen. Die Statistik spricht ebenfalls für solche Programme: «Damit bekommen sie Entwöhnungsraten von 30 bis 40 Prozent nach einem Jahr hin», sagt Prof. Andreas. Bei der Entwöhnung auf eigene Faust liege die Erfolgsrate nur bei 3 bis 5 Prozent.

Rauchstopp systematisch angehen: Um dauerhaft von der Kippe loszukommen, empfiehlt Stefan Andreas, den Ausstieg systematisch anzugehen. «Nicht sofort aufhören», lautet sein Appell. Ausstiegswillige sollten vielmehr ihr soziales Umfeld in das Vorhaben einbeziehen: «Auch die Bezugspersonen müssen es wissen und sollten das Vorhaben unterstützen.» Denn wissen Verwandte und Freunde Bescheid, werden sie dem Raucher eher keine Zigarette mehr anbieten.

Zur Ausstiegsplanung gehört laut Andreas auch, bisherige Gewohnheiten zu überdenken. So kann es etwa in der Abgewöhnungsphase helfen, auf übliche Kneipenbesuche zu verzichten. So wird man in der Gemeinschaft mit aktiven Rauchern nicht doch wieder zu einer Zigarette verleitet. Auch mit dem Alkohol sollten Aussteiger zunächst vorsichtig sein, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Er weiche das Durchhaltevermögen auf. Und nicht zuletzt sollten Ausstiegswillige sich vorher überlegen, wie sie mit Rückschlägen umgehen, ergänzt Prof. Andreas. So muss eine einzige Zigarette nicht zwangsläufig das Aus der Bemühungen bedeuten.

Sind die Vorbereitungen abgeschlossen, sollten sich Betroffene einen Ausstiegstermin setzen, empfiehlt die BZgA. Die letzten Tage als Raucher sollten sie schon mal ohne Zigaretten aus dem Haus gehen und sich in einem Glas ein «Kippenmuseum» mit den zuletzt gerauchten Kippen anlegen. Am Vorabend des letzten Rauchertags werden dann Rauchutensilien wie Zigaretten, Aschenbecher und Feuerzeug entsorgt.

Alternativen zum Rauchen suchen: Wer für sich typische Rauchsituationen ausgemacht hat, sucht sich Alternativen zum Griff zur Zigarette. Die BZgA nennt etwa Entspannungsübungen statt Rauchen in Stresssituationen. Die Zigarette zum Kaffee lasse sich vermeiden, indem man vorerst auf Tee umsteigt. Und wer sich immer gleich nach dem Aufstehen eine Kippe angesteckt hat, lässt die Zigaretten vom Nachttisch verschwinden und stellt dafür dort ein Glas Wasser hin.

Kleidung waschen: Nach dem Ausstieg hilft es, alle Kleidungsstücke zu waschen, um den Geruch von Rauch herauszubekommen. Die BZgA empfiehlt außerdem, sich die Zähne reinigen und polieren zu lassen.

Medikamente zur Unterstützung nehmen: In manchen Fällen kann die Medikamentengabe den Rauchausstieg unterstützen. Sinnvoll ist der Einsatz von Nikotinpflaster, -kaugummi oder -Antagonisten laut Prof. Andreas zum Beispiel bei Patienten, die an einer Lungenkrankheit leiden. Eine Nikotinersatz-Therapie mache den Ausstieg für sie einfacher, von dem Stoff loszukommen, der als starkes Suchtmittel gilt. Nikotin sei nicht so schädlich wie der Tabakrauch, der als große Gesundheitsgefahr gilt und Kranke noch mehr belastet.

Sich nach dem Ausstieg fit halten: Körperliche Fitness durch Spaziergänge, Joggen, Radfahren oder Schwimmen, kann das Durchhalten nach dem Ausstieg fördern, so die BZgA. Wer sich körperlich fit und gesund fühlt, hat demnach weniger das Bedürfnis, zu rauchen.

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